Seit dem 25. Oktober 2024 entführt das Archäologische Museum Hamburg seine Besucher in eine faszinierende Bilderwelt voller Geheimnisse: Die neue Ausstellung widmet sich dem Phänomen der Lost Places – vergessene, verlassene Orte, die heute gespenstisch still daliegen, aber einst Schauplätze menschlichen Lebens und wirtschaftlicher Aktivität waren.
In über 150 großformatigen Fotografien zeigt das Museum eindrucksvolle Aufnahmen verfallener Bauwerke – von stillgelegten Industrieanlagen in Hamburg bis hin zu sowjetischen Raumfähren, die seit Jahrzehnten unberührt in einem Hangar in Baikonur verrotten. Die Ausstellung schlägt dabei eine Brücke zwischen Gegenwart, Geschichte und Zukunft: Lost Places werden als moderne „Fundstellen“ interpretiert, die ebenso viel über unsere Zeit erzählen können wie archäologische Stätten vergangener Kulturen.
Verfall trifft Geschichte: Lost Places als Spiegel der Zeit
Was einst lebendig war, wird heute von der Natur zurückerobert – ein Motiv, das sich durch viele der gezeigten Bilder zieht. Die Aufnahmen laden ein zum gedanklichen Rückblick: Wer lebte hier, arbeitete hier, baute hier seine Existenz auf? Und was sagt der jetzige Zustand über unsere Gesellschaft und ihren Umgang mit Raum, Ressourcen und Geschichte aus?
Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Michael Merkel, dem Sammlungsleiter des Museums und selbst begeisterter „Urban Explorer“. Für ihn ist jeder verlassene Ort eine Spurensuche: „Auch in zerfallenen Gebäuden finden sich Details, die Geschichten erzählen – oft voller Melancholie, aber auch Schönheit“, sagt Merkel. Wichtig sei dabei ein verantwortungsvoller Umgang: Viele Fotografen folgen einem Ehrenkodex und schützen die geheim gehaltenen Orte vor Vandalismus.
Von Hamburger Bunkern bis zu sowjetischen Raumgleitern
Die Ausstellung präsentiert auch lokale Motive – etwa einen vergessenen Bunker in Hamburg, eine ehemalige Gummifabrik in Harburg oder ein scheinbar verlassenes Bauernhaus hinter dem Deich in Bergedorf. Daneben zeigen spektakuläre internationale Aufnahmen, wie global das Phänomen ist: etwa ein Blick in den Weltraumbahnhof Baikonur, wo sowjetische Raumgleiter seit 1993 ungenutzt verstauben.
Begleitprogramm für Entdecker
Noch bis zum 23. März 2025 ist die Schau im Archäologischen Museum Hamburg zu sehen. Sie wird ergänzt durch Führungen, Vorträge und geplante Touren zu tatsächlichen Lost Places in der Umgebung. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Hamburger Morgenpost und dem Verein Urbane Kunst e.V.
