Gablenz. Mitten in der Lausitz, nahe der polnischen Grenze, liegt ein besonderer Park, der durch seine einzigartige Gestaltung und eine sagenumwobene Brücke weit über die Region hinaus bekannt ist: der Kromlauer Park. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1842 zurück, als Friedrich Hermann Rötschke das Gut Kromlau erwarb. Inspiriert von den Ideen des berühmten Landschaftsarchitekten Fürst von Pückler-Muskau, begann Rötschke zwei Jahre später, seinen Besitz in einen Landschaftspark zu verwandeln – und stellte dafür fast die Hälfte seines Gutes zur Verfügung.
Basaltgestein und Fantasieformen
Mit einfachsten Mitteln, darunter Ochsenkarren, wurden Basaltsteine aus Steinbrüchen in der Sächsischen Schweiz und Böhmen herangeschafft. Aus den charakteristischen sechskantigen Basaltsäulen entstanden kunstvolle Gebilde wie Grotten, Höhlen, Pyramiden, aber auch fantasievolle Namensträger wie „Himmel und Hölle“ oder der „Richterstuhl“.

Wechselnde Besitzer und botanische Vielfalt
Nach dem Verkauf seines Gutes im Jahr 1875 wechselte das Kromlauer Herrenhaus mehrfach den Eigentümer, bis 1889 der Graf von und zu Egloffstein-Arklitten das Anwesen übernahm. Unter seiner Leitung begann ab 1893 der Gartenbauinspektor Georg Eichler, den Park gezielt zu pflegen und um Rhododendren sowie Azaleen zu ergänzen. Zusätzlich wurden Blumen in den Moorsenken gezüchtet, die verkauft wurden – eine Einnahmequelle, die zugleich zur Weiterentwicklung des Parks beitrug.
Vom Volksgut zum geschützten Naturdenkmal
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände im Zuge der Bodenreform enteignet und in Volkseigentum überführt. Seit 1948 steht der Park unter Naturschutz. Ab 1966 begann eine systematische Pflege und Restaurierung der Anlage. Heute gehört der Park der Gemeinde Gablenz, die ihn als kulturelles und touristisches Juwel pflegt.
Die Rakotzbrücke – ein architektonisches Märchen
Das wohl bekannteste Bauwerk des Parks ist die um 1860 begonnene und in rund zehn Jahren fertiggestellte Rakotzbrücke. Die aus Basaltsteinen errichtete Bogenbrücke überspannt den Rakotzsee in perfektem Halbkreis – ein optisches Kunstwerk, das durch sein Spiegelbild einen vollständigen Kreis formt. Wegen ihrer außergewöhnlichen Form wird sie im Volksmund auch als „Teufelsbrücke“ bezeichnet. Aus Sicherheitsgründen darf sie heute nicht mehr betreten werden.

Illegale Fotos und internationale Schlagzeilen
Trotz Verboten und Hinweisschildern zog es immer wieder Besucher auf die denkmalgeschützte Brücke – insbesondere Fotografen. Für Aufsehen sorgte ein Münchner Fotograf, der 2016 ein preisgekröntes Foto von einer Person auf einem BMX-Rad auf der Brücke einreichte – und dafür bei einem internationalen Wettbewerb ein hohes Preisgeld gewann. Die Aktion löste Empörung aus und rückte das Thema Denkmalschutz erneut in den Fokus.
Sanierung und neue Wege für die Zukunft
Um den Erhalt der historischen Bauten zu sichern, begannen 2018 umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Rakotzbrücke und dem umliegenden Felsenensemble. Zwei Jahre lang wurde unter der Leitung von Kommune, Landkreis und Freistaat gearbeitet – die Kosten von rund 2,7 Millionen Euro wurden von Bund und Land getragen. Parallel wurde auch der Park modernisiert und für die steigenden Besucherzahlen vorbereitet.
Heute zieht der Kromlauer Park jedes Jahr Tausende Besucher an – nicht nur wegen seiner spektakulären Brücke, sondern auch wegen seiner botanischen Vielfalt und kunstvollen Landschaftsgestaltung. Ein Ort, der Geschichte, Natur und Kunst auf einzigartige Weise verbindet.
