Schaufelradbagger SRs 1500 „Blaues Wunder“

Ein Koloss aus Stahl erinnert unweit des Lausitzrings an die industrielle Vergangenheit der Region. Der Schaufelradbagger SRs 1500, einst unermüdlicher Helfer im Braunkohleabbau, steht heute als technisches Denkmal für die Geschichte und Transformation der Lausitz.

Seit 2003 ragt der mehr als 170 Meter lange Schaufelradbagger SRs 1500 am Rande des Großräschener Sees in den Himmel. Gebaut wurde das stählerne Ungetüm in den Jahren 1964/1965 im VEB Schwermaschinenbau Lauchhammer – einem der bedeutendsten Hersteller für Großgeräte im DDR-Braunkohlebergbau. Ausgestattet mit zehn gigantischen Schaufeln an einem 12,5 Meter durchmessenden Rad, konnte der Bagger bis zu 35 Meter hohe Erdmassen abtragen und über integrierte Förderbänder kilometerweit abtransportieren.

Bis 1998 war der SRs 1500 im aktiven Einsatz – zunächst im Tagebau Meuro, später zeitweise auch im benachbarten Tagebau Welzow-Süd. Noch bis ins Jahr 2002 gestaltete der Bagger das Restloch des ehemaligen Tagebaus um, das heute als Großräschener See bekannt ist. Danach endete seine aktive Laufbahn – doch nicht seine Geschichte.

Dank des Engagements der Kommunen Großräschen, Senftenberg und Schipkau sowie der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land konnte das imposante Gerät erhalten werden. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) übergab den Bagger nach zähen Verhandlungen an die Region. In einer 18-tägigen Fahrt – mit einer Höchstgeschwindigkeit von lediglich 6 Metern pro Minute – wurde der 3.850 Tonnen schwere Koloss über das Gelände zum heutigen Standort bei Hörlitz bewegt.

Der SRs 1500 steht heute nicht nur als technisches Denkmal unter Schutz. Er ist ein sichtbares Zeichen für die 170-jährige Geschichte des Lausitzer Braunkohlebergbaus und den tiefgreifenden Strukturwandel in der Region. Wo früher Kohle gefördert wurde, entstehen heute Seen, Erholungslandschaften und neue Wirtschaftszweige. Der Bagger ist damit Symbol für beides: industrielle Vergangenheit und Zukunft der Lausitz. Was einst die Kohle ans Licht brachte, steht heute selbst im Rampenlicht: Der SRs 1500 ist Denkmal, Mahnmal und Symbol für eine Region im Wandel.

Ironie der Geschichte: Nach seiner Aufstellung sollte der Bagger einen schlichten, korrosionsschützenden Anstrich in Grau oder Anthrazit erhalten. Doch durch einen Fehler der beauftragten Firma leuchtet der Koloss heute in hellblauer Farbe – ein unerwartetes Markenzeichen, das seine Geschichte noch ein wenig farbenfroher macht.

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