Wie mit Fördergeldern in Bund, Ländern, Städten und Gemeinden oftmals umgegangen wird, ist kein Geheimnis. Seit der politischen Wende hat man alleine in Sachsen über 20 Erlebnisbäder mit über 100 Millionen Euro gefördert. Auch in Sachsen-Anhalt wurden Gelder, die oftmals gar nicht vorhanden waren, in solche gesteckt. Als das Erlebnis- und Spaßbad Basso 1993 eröffnet wurde, galt es als erstes in den neuen Bundesländern. Besucher strömten aus allen Ecken ins Bad und verbrachten hier muntere Stunden. Dann wurden neue, modernere Bäder in der Umgebung gebaut.
2001 trennte sich die Kommune vom Spaßbad mit der großzügigen Lichtkuppel, nachdem die Besucher ausblieben. 2004 und 2006 war es geschlossen. Das Gewerbeobjekt ging in private Hände, brachte aber keinen Profit. Lange Zeit wurde das Bad im Ruhemodus betrieben um Betriebskosten zu sparen.



2008 übernahm Hans-Jürgen Reinhardt, ein gebürtiger Schmiedeberger, das Freizeitbad mit großen Plänen. Er wollte das Basso wieder zu einem beliebten Treffpunkt für Familien machen. Um Kosten zu sparen, wurde das Bad zunächst nur tageweise geöffnet. Doch die finanziellen Probleme waren nicht mehr aufzuhalten – Schulden und laufende Kosten überwogen die Einnahmen bei Weitem. Schließlich stellte der Energieversorger enviaM den Strom ab – das endgültige Aus für den Badebetrieb.

Trotz aller Widrigkeiten versuchte Reinhardt im selben Jahr einen Neuanfang. „Ich wollte nur, dass Kinder hier wieder fröhlich sein können“, erzählt der heute über 80-Jährige rückblickend. Doch auch dieser Versuch blieb erfolglos. Die Schulden stiegen weiter, Gehälter konnten nicht mehr gezahlt werden. Nach nur wenigen Monaten wurde das Bad endgültig geschlossen. Reinhardt verlor nicht nur das Bad, sondern auch sein Zuhause. Rund sechs Millionen Euro Schulden blieben zurück.
Seit 2011 befindet sich das Gelände im Besitz von Reiner Auerbach. Doch der neue Eigentümer ließ das Areal verwahrlosen. Er ist heute nicht mehr auffindbar, das Gelände zunehmend ein beliebtes Ziel für sogenannte „Lost-Place“-Abenteurer und Vandalen. Die Überreste des einstigen Freizeitbades gleichen heute einem Dschungel. Gras, Büsche und Bäume haben sich das Terrain zurückgeholt, das einst von Palmen, Wasserbecken und Liegestühlen geprägt war. Auch das Innere der Gebäude ist stark beschädigt – nahezu alles wurde gestohlen oder zerstört.



Viele Bürger von Bad Schmiedeberg blicken mit Wehmut auf das verfallene Gelände. So auch Silvio Bräuer vom Stadtrat, der die Entwicklung bedauert: „Wenn ich mir die aktuellen Fotos anschaue, erkenne ich das Basso kaum wieder. Die Stadt hätte früher eingreifen müssen.“ Unterstützung für den damaligen Betreiber sei dringend nötig gewesen, so Bräuer.
Nun könnte sich endlich etwas bewegen. Wie Angela Mederacke von der Stadtverwaltung mitteilt, wurde inzwischen ein Zwangsversteigerungsverfahren eingeleitet. „Wir warten derzeit nur noch auf eine Rückmeldung vom Amtsgericht Wittenberg“, erklärt sie. Dort liegt der Fall bereits seit sieben Jahren – bislang ohne Ergebnis.



Ob das ehemalige Basso jemals wieder Badegäste empfangen wird, ist fraglich. Zwar wünscht sich die Stadt eine Wiederbelebung des Areals, doch die jahrelange Vernachlässigung und der enorme Sanierungsaufwand dämpfen die Erwartungen. Auch viele Bürger haben die Hoffnung auf einen Neuanfang längst aufgegeben.
Einst ein Ort der Freude, ist das Basso heute ein Symbol für gescheiterte Träume und unterlassene Chancen – und wartet weiter auf jemanden, der ihm neues Leben einhaucht.
