Zwickauer Wasserturm soll umziehen

Foto: rottenplaces Archivoto
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Zwickau. Nach jahrelangem Stillstand und sichtbarem Verfall gibt es in Zwickau neue Bewegung im Streit um den historischen Wasserturm des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks (RAW). Das 32 Meter hohe Denkmal war 2018 im Zuge des Neubaus der Justizvollzugsanstalt (JVA) abgebaut und seitdem ungeschützt auf dem Gelände gelagert. Nun schlagen Stadtverwaltung und Landesamt für Denkmalpflege vor, den Wasserturm am Ringlokschuppen wieder aufzubauen – doch der zuständige Sächsische Staatsbetrieb für Immobilien und Baumanagement (SIB) zeigt sich nur teilweise kooperativ.

Erste Gespräche zwischen Stadt, Denkmalschutz und SIB laufen bereits, ein gemeinsamer Termin zur weiteren Vorgehensweise ist für Anfang des Jahres vereinbart, bestätigte SIB-Sprecher Alwin Rainer Zipfl. Allerdings lehnt der Staatsbetrieb einen Wiederaufbau auf dem Vorplatz der JVA ab – obwohl ein rechtskräftiger Bebauungsplan genau diesen Standort verbindlich vorsieht. Das vorgeschlagene neue Standortkonzept ist dem SIB zwar bekannt, die endgültige Entscheidung ist jedoch offen.

Die Stadt Zwickau erhöht derweil den Druck auf den Freistaat. Oberbürgermeisterin Constance Arndt (BfZ) kritisierte die jahrelange Untätigkeit scharf und kündigte an, den denkmalrechtlichen Vollzug konsequent einzufordern. Der Wasserturm liege seit dem Abbau ungeschützt im Freien, obwohl es verbindliche Bescheide und eine Selbstverpflichtung des SIB gebe. Das Vertrauen in die Zusagen des Freistaats sei aufgebraucht, erklärte Arndt. Ziel sei es, weiteren Schaden am Kulturdenkmal zu verhindern.

Dass dieser Schaden längst sichtbar ist, hatte das Landesamt für Denkmalpflege bereits vor zwei Jahren bemängelt. Es wies auf zunehmenden Rostbefall hin und forderte einen Wetterschutz. Bis heute sei diese Schutzmaßnahme nicht umgesetzt worden. Die Denkmalschutzbehörde der Stadt sei für die Kontrolle zuständig, doch konkrete Schritte blieben aus – trotz wiederholter Nachfragen.

Auch alternative Standortvorschläge wurden diskutiert. Der Bauunternehmer Kurt Fliegerbauer plädierte für den Bahnhofsvorplatz oder eine Fläche vor dem Alten Gasometer, um den Turm zu retten. Das Rathaus hält jedoch an den Ringlokschuppen und dem Vorplatz der JVA als mögliche Orte fest und sieht keine weiteren Alternativen in der Abstimmung. Eine Übergabe an den Verein IG Traditionslok 583047 Glauchau, der den Turm auf seinem Gelände aufstellen wollte, ist ebenfalls vom Tisch.

Während die Stadt auf Rettung und Wiederaufbau setzt, bleibt die Frage nach der Machbarkeit. Bauingenieur Hans Solbrig, der den Wasserturm am RAW betreute, hält die aktuellen Aktivitäten für zu spät und einen Wiederaufbau für illusorisch. Der Turm sei bereits zu DDR-Zeiten stark vom Rost befallen gewesen, der Abbau habe zusätzliche Schäden verursacht. Seiner Einschätzung nach gehöre das Bauwerk in die Schrottpresse.

Die Debatte um den Wasserturm ist damit zu einem Streit um Verantwortung, Denkmalpflege und Prioritäten geworden – und es bleibt offen, ob das Denkmal den Weg zurück in die Stadt findet oder weiter verfällt.

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