Altena. Die jahrelang festgefahrene Entwicklung der Industrieruine Schwarzenstein kommt in Bewegung. Der Stadtentwicklungsausschuss hat einstimmig – bei einer Enthaltung – einen Rahmenplan für das Areal beschlossen und damit die Grundlage für den lange diskutierten Rückbau der Industriebrache geschaffen. Am Montag muss der Rat die Entscheidung noch bestätigen. Danach soll zeitnah geklärt werden, ob Fördermittel von Land und NRW-Wirtschaftsministerium fließen.
„Der Kernbestandteil ist der Rückbau – das ist es, was uns seit Jahren umtreibt“, brachte Bürgermeister Guido Thal die Stoßrichtung auf den Punkt. Erst wenn die maroden Gebäude verschwunden seien, könne realistisch über eine neue Nutzung nachgedacht werden. Ein sogenanntes Perspektivgespräch mit Bezirksregierung und Wirtschaftsministerium könnte laut NRW Urban im besten Fall innerhalb der nächsten vier Wochen stattfinden.
NRW Urban, das die Stadt im Rahmen des Programms Bau.Land.Partner.Plus begleitet, legte dem Ausschuss eine detaillierte Kostenschätzung vor. Allein die Entsorgung belasteter Materialien würde voraussichtlich mehr als 600.000 Euro kosten, hinzu kommen rund 1,66 Millionen Euro für den Rückbau des ehemaligen Industriestandorts sowie weitere Entsorgungskosten für die frühere Gießerei Basse & Selve. Eine alternative Weiternutzung eines Verwaltungsgebäudes wurde zwar geprüft, mit geschätzten Kosten von über zehn Millionen Euro jedoch als kaum wirtschaftlich eingestuft. Auch für die Sicherung der Bundesstraße B236 gilt eine teure Bohrpfahlwand als dauerhaft beste Lösung.
Parallel zum Abrisskonzept stellte das Planungsbüro Must drei Varianten für die spätere Nutzung vor. Der Ausschuss entschied sich für eine Vorzugsvariante, die eine Parkebene auf Höhe der Bundesstraße vorsieht. Darunter könnten gewerbliche Nutzungen bis hin zu einem großflächigen Einzelhandelsbetrieb entstehen, darüber wären Büro- und Wohnflächen möglich. Herzstück aller Varianten ist ein verkehrsberuhigter Aufenthaltsbereich mit Verbindung zur anderen Lenneseite. Dort soll ein Gebäude für Sondernutzungen wie Kultur oder Gastronomie erhalten bleiben.
In der politischen Debatte gab es jedoch Vorbehalte. Kritisiert wurden mögliche Nutzungskonflikte zwischen Wohnen, Produktion und Naherholung sowie eine potenzielle Konkurrenz für die Innenstadt durch großflächigen Einzelhandel. CDU-Vertreter machten deutlich, dass der Rahmenplan bewusst offen gehalten sei. Er solle keine Vorentscheidung über konkrete Investoren oder Nutzungen treffen, sondern als strategischer Leitfaden dienen.
Der Tenor am Ende war klar: Ohne Rahmenplan keine Fördermittel, ohne Fördermittel kein Abriss. Mit dem Beschluss hat die Stadt nun ein starkes Signal gesetzt, dass sie den „Schandfleck Schwarzenstein“ endlich beseitigen will – auch wenn der Weg bis zur tatsächlichen Neubebauung noch lang ist.
