Wermelskirchen. In Wermelskirchen steht eine der markantesten Industriebrachen der Stadt vor einem tiefgreifenden Wandel. Das seit Jahrzehnten weitgehend brachliegende Rhombus-Areal soll in den kommenden Jahren zu einem neuen Stadtquartier entwickelt werden. Dafür müssen große Teile der alten Fabrikgebäude weichen. Das Gelände liegt unmittelbar an der B51 und damit in prominenter Lage nahe der Innenstadt. Die frühere industrielle Nutzung hat ihre Spuren hinterlassen – nicht nur an den Gebäuden, sondern auch im Boden. Untersuchungen ergaben Altlasten, die im Zuge der Entwicklung saniert werden sollen. Für den Rückbau und die Aufbereitung der Flächen sind entsprechende Maßnahmen bereits Bestandteil der Förderplanung.
Sheddach-Fassade bleibt als Erinnerung
Ganz verschwinden soll die Industriegeschichte allerdings nicht. Besonders die markante Sheddach-Fassade an der B51 soll erhalten und saniert werden. Sie gilt inzwischen als Teil des Wermelskirchener Stadtbildes und soll auch künftig an die industrielle Vergangenheit des Areals erinnern. Selbst beim geplanten neuen Hallenbad wird die historische Formensprache aufgegriffen. Damit entsteht ein bemerkenswerter Gegensatz: Während die eigentliche Fabriksubstanz größtenteils verschwindet, soll ein prägendes architektonisches Element als sichtbares Gedächtnis der ehemaligen Industrieanlage weiterleben.
150 Millionen Euro für den Neustart
Hinter dem Projekt stehen Stadt und private Eigentümer gemeinsam. Insgesamt sollen rund 150 Millionen Euro in die Entwicklung des Areals fließen. Auf städtischer Seite sind öffentliche Investitionen von 44,3 Millionen Euro vorgesehen; für den ersten Umsetzungsschritt wurden unter anderem 3,6 Millionen Euro für Abriss und Flächenaufbereitung eingeplant. Geplant sind unter anderem ein neues Hallenbad, ein Bildungsstandort für die Volkshochschule, ein Haus der Vereine und ein Quartiersplatz. Hinzu kommen ein Verbindungssteg über die B51 sowie Grün- und Freiflächen. Auf dem privaten Teil des Areals sollen Wohnungen, eine Seniorenpflegeeinrichtung und ein Gesundheitsstandort entstehen.
Vom Lost Place zum neuen Stadtbaustein
Für Lost-Places-Fotografen bedeutet die Entwicklung das absehbare Ende eines besonderen Ortes. Die alte Fabrik verschwindet nicht einfach durch Verfall, sondern wird gezielt zurückgebaut, um Platz für eine neue Nutzung zu schaffen. Der Abriss ist damit weniger das Ende einer Industriebrache als vielmehr der sichtbare Startpunkt ihres zweiten Lebens. Noch steht die alte Substanz. Doch der Countdown läuft: Wo über Jahrzehnte Leerstand, Verfall und industrielle Vergangenheit das Bild bestimmten, sollen künftig Bildung, Wohnen, Gesundheit, Sport und öffentliche Aufenthaltsräume entstehen. Die entscheidende Frage wird sein, wie viel industrielle Identität dabei tatsächlich übrig bleibt.
Das Gedächtnis bleibt an der Fassade
Wermelskirchen versucht damit einen schwierigen Spagat: Die Brachfläche soll verschwinden, ihre Geschichte aber nicht vollständig. Ob eine erhaltene Sheddach-Fassade ausreicht, um die Erinnerung an einen jahrzehntelang prägenden Industriestandort wachzuhalten, wird sich erst zeigen.
Fest steht: Der Abriss beendet einen Lost Place – und macht gleichzeitig den Weg frei für ein neues Kapitel der Stadtgeschichte.
