Berlin. Jahrelang herrschte auf dem Gelände der ehemaligen Patzenhofer Brauerei an der Landsberger Allee 54 in Berlin-Friedrichshain weitgehend Stillstand. Jetzt verändert sich das denkmalgeschützte Ensemble sichtbar. Gerüste stehen an den historischen Gebäuden, auf dem Areal laufen Bauarbeiten – und aus der einstigen Industriebrache soll ein gemischt genutzter Kreativ- und Arbeitsstandort werden. Nach Angaben des Bezirksamts wurde der Ausführungsbeginn bereits im Dezember 2024 angezeigt. Grundlage ist eine Baugenehmigung aus dem Jahr 2021.
Brauereigeschichte seit dem 19. Jahrhundert
Die Geschichte des Standorts reicht bis in die 1860er-Jahre zurück. Georg Patzenhofer hatte hier zunächst einen Lagerkeller angelegt. Zwischen 1877 und 1896 entstand anschließend die eigentliche Brauereianlage. 1886 wurde die Produktion vollständig von einem älteren Standort an die Landsberger Allee verlagert. Das weitgehend erhaltene Ensemble dokumentiert bis heute die Entwicklung der Berliner Brauindustrie. 1920 fusionierte die Patzenhofer-Brauerei mit der Schultheiss-Brauerei. Gebraut wurde am Standort dennoch noch viele Jahrzehnte weiter. Erst 1990 endete die industrielle Nutzung. Das Landesdenkmalamt führt die ehemalige Aktienbrauerei Friedrichshöhe, vormals Patzenhofer, heute als denkmalgeschützte Gesamtanlage. Besonders das historische Sudhaus besitzt dabei einen hohen industriegeschichtlichen Wert.
Büros, Ateliers und Gastronomie statt Bierproduktion
Nun soll das Ensemble ein neues Kapitel bekommen. Im historischen Brauhaus sind unter anderem Büros, Ateliers, Werkstätten, ein Fitnessbereich und eine Kantine vorgesehen. Die ehemalige Rote Villa soll künftig als Büro, Kanzlei oder Praxis genutzt werden. Für die historische Trinkhalle sind Gastronomie, eine Backstube, ein Laden und ein Kiosk geplant. Ergänzt wird der Bestand durch drei Neubauten: ein Schauhaus für Ausstellungen, ein Werkhaus für kleinere Betriebe, Kunstschaffende und Freiberufler sowie ein Hofhaus mit Büros und Kursräumen. Insgesamt sieht die Planung rund 8.400 Quadratmeter Bruttogrundfläche vor. Auch die Freiflächen sollen neu gestaltet werden – unter anderem mit Brauhof, Biergarten und Werkhof.
Denkmalschutz bremst den Umbau
Ganz reibungslos verläuft die Revitalisierung allerdings nicht. Nach Angaben des Bezirksamts wurden in einem Teilbereich Veränderungen vorgenommen, die zuvor nicht mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt waren. Für diesen Bereich wurde deshalb ein Baustopp verhängt. Welche konkreten Arbeiten betroffen sind, wurde öffentlich nicht näher benannt. Der Vorgang zeigt, wie schwierig die Umwandlung eines historischen Industrieensembles sein kann. Die Patzenhofer-Brauerei soll wirtschaftlich wieder funktionieren, gleichzeitig muss ihre denkmalgeschützte Substanz bewahrt werden. Zwischen diesen beiden Anforderungen verläuft die eigentliche Gratwanderung des Projekts.
Vom Lost Place zum neuen Kreativstandort
Die Patzenhofer Brauerei steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die viele historische Industrieareale in Berlin betrifft. Nicht der komplette Neubau und auch nicht der ersatzlose Abriss sollen hier die Lösung sein. Stattdessen wird versucht, die vorhandene Architektur mit neuen Nutzungen zu verbinden.
Ob daraus tatsächlich ein lebendiger neuer Ort entsteht, wird sich erst nach Abschluss der Arbeiten zeigen. Ein konkreter Fertigstellungstermin steht derzeit nicht fest. Fest steht aber schon jetzt: Nach Jahren des Stillstands beginnt sich die alte Patzenhofer-Brauerei wieder zu verändern. Das Bier ist längst verschwunden – die Mauern sollen bleiben und eine neue Geschichte bekommen.
