Herten. Für die traditionsreiche Zeche Schlägel & Eisen in Herten beginnt eine neue Ära. Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur hat das markante Denkmalensemble offiziell an den Unternehmer Andreas Weidner übergeben. Damit wechselt eines der bedeutendsten Industriezeugnisse des Ruhrgebiets den Eigentümer – mit klaren Perspektiven für Erhalt, Nutzung und weitere Öffnung für die Öffentlichkeit.
Zum Ensemble gehören das historische Fördergerüst von Schacht 3 aus dem Jahr 1896 samt Maschinenhaus, das jüngere Fördergerüst von Schacht 4 aus den Jahren 1984/85 sowie zwei imposante Grubenlüfter. Die Stiftung hatte die Anlagen seit 1995, beziehungsweise seit 2015 in erweiterter Form, gesichert, restauriert und Schritt für Schritt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zuletzt sorgte die weithin sichtbare Lichtinstallation „Konturen“ dafür, dass Schlägel & Eisen auch nachts zu einer Landmarke im nördlichen Ruhrgebiet wurde.
Mit dem Eigentümerwechsel geht das Denkmal nun in Hände, die den Standort seit Jahren kennen. Andreas Weidner ist auf dem Zechengelände bereits unternehmerisch aktiv und betreibt dort unter anderem die etablierte Eventlocation „Schwarzkaue“. Er sieht den Erwerb als Verpflichtung: Schlägel & Eisen sei weit mehr als ein Bauwerk, es sei ein identitätsstiftender Ort für die Stadt Herten. Sein Ziel sei es, die Geschichte zu bewahren und das Areal zugleich behutsam in die Zukunft zu führen – als Ort für Kultur, Begegnung, Tourismus und Veranstaltungen.
Auch aus der Landespolitik kommt deutliche Unterstützung. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach würdigte die Übergabe als Erfolg jahrzehntelanger Denkmalpflege. Das Ensemble sei vor dem Abriss gerettet, umfassend saniert und mit rund 4,97 Millionen Euro aus der Städtebauförderung des Landes unterstützt worden. Nun gehe es darum, das Industriedenkmal nicht nur zu erhalten, sondern mit neuen Ideen lebendig zu halten und weiterzuentwickeln.
Der Hertener Bürgermeister Fred Toplak sieht in dem Eigentümerwechsel eine große Chance für die Stadt. Die Stiftung habe über viele Jahre hinweg hervorragende Arbeit geleistet, nun eröffne sich die Möglichkeit, das Areal weiter zu profilieren und für kommende Generationen zu sichern.
Konkret geplant ist eine stärkere Öffnung des Geländes für Bevölkerung und Tourismus. Die Lage direkt an der Radroute „Allee des Wandels“ soll gezielt genutzt werden: mit Angeboten für Radfahrerinnen und Radfahrer, Aufenthalts- und Gastronomieflächen, einem Biergarten im Schatten der Grubenlüfter sowie Stellplätzen für Wohnmobile. Der sogenannte „Weiße Riese“ soll weiterhin regelmäßig zugänglich bleiben und Besucherinnen und Besuchern einen Blick aus 64 Metern Höhe über das Umland ermöglichen.
Auch die Geschichte des Ortes soll präsent bleiben. Der Geschichtskreis Schlägel & Eisen e.V. soll künftig im Maschinenhaus beheimatet sein und dort über die Historie der Zeche informieren. Gleichzeitig ist eine Nutzung als Ausstellungsfläche vorgesehen. Der Maschinenraum selbst bleibt zudem ein gefragter außerstandesamtlicher Trauort – weitere Hochzeits- und Veranstaltungsformate auf dem Gelände sind geplant.
Mit der Übergabe an Andreas Weidner endet für die Stiftung eine intensive Phase der Sicherung und Sanierung. Zugleich beginnt für Schlägel & Eisen ein neues Kapitel: eines, das Denkmalschutz, wirtschaftliche Nutzung und öffentliche Zugänglichkeit miteinander verbinden will – und damit die industrielle Vergangenheit Hertens fest in seiner Zukunft verankert.
