Abrissarbeiten am ehemaligen Ledigenheim

Symbolbild. Foto: pixelio.de/Christopher Nobel
Symbolbild. Foto: pixelio.de/Christopher Nobel

Millich. In Hückelhoven-Millich beginnt am Montag, 5. Oktober 2026, der Abriss eines Gebäudes, das über Jahrzehnte eng mit der Bergbaugeschichte der Stadt verbunden war. Das ehemalige Ledigenheim an der Schaufenberger Straße 62 wird zurückgebaut. Mit dem Gebäude verschwindet ein Bau, der vor allem für die Geschichte der Zeche Sophia-Jacoba und die Menschen stand, die den Bergbau in Hückelhoven über Jahrzehnte prägten. Zuletzt stand das Gebäude bereits seit einigen Jahren leer. Nun soll der lange Leerstand endgültig beendet werden. Die Stadt Hückelhoven will mit dem Rückbau die Voraussetzung für eine geordnete städtebauliche Weiterentwicklung des Bereichs schaffen.

Zuhause für Bergleute

Das Ledigenheim war ursprünglich Teil der Infrastruktur des Hückelhovener Steinkohlenbergbaus. Es bot alleinstehenden Bergleuten eine Unterkunft und war damit unmittelbar mit der Arbeitswelt der Zeche Sophia-Jacoba verbunden. Gerade in einer Zeit, in der Arbeitskräfte für den expandierenden Bergbau in die Region kamen, waren solche Unterkünfte ein wichtiger Bestandteil des industriellen Alltags. Die Geschichte der Zeche veränderte auch die umliegenden Orte. Die Entwicklung von Schaufenberg und Millich war eng mit dem Bergbau und dem Zuzug von Arbeitskräften verbunden. Selbst entlang der Schaufenberger Straße erinnern heute noch Relikte an diese Zeit.

Vom Ledigenheim zur Flüchtlingsunterkunft

Mit dem Ende seiner ursprünglichen Nutzung verlor das Gebäude seine Funktion als Unterkunft für Bergleute jedoch nicht vollständig. In späteren Jahren wurde es als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Damit erhielt das Haus noch einmal eine völlig andere Bedeutung: Aus einer Unterkunft für Arbeitskräfte des Bergbaus wurde ein Ort für Menschen, die ihre bisherige Heimat verlassen mussten und in Hückelhoven vorübergehend oder dauerhaft ein neues Zuhause suchten. Auch die Stadt führte die Schaufenberger Straße 62 noch in jüngerer Vergangenheit im Zusammenhang mit ihren Unterkünften für Geflüchtete. Ein Blick in den städtischen Haushaltsplan zeigt, dass das Gebäude zum kommunalen Bestand gehörte und Unterhaltungsaufwand verursachte.

Jahrelanger Leerstand

Zuletzt war von diesen Nutzungen nichts mehr zu sehen. Das Gebäude stand mehrere Jahre leer und wurde damit selbst zu einem Zeugnis des Strukturwandels. Wo einst Bergleute nach der Schicht zurückkehrten und später Flüchtlinge untergebracht waren, herrschte zuletzt vor allem Stillstand. Nun macht die Stadt diesen Zustand endgültig sichtbar: mit dem Bagger. Der Abriss markiert damit nicht nur das Ende eines leerstehenden Gebäudes, sondern auch den Verlust eines kleinen, bislang noch vorhandenen Bausteins der Hückelhovener Bergbaugeschichte.

Platz für eine neue Entwicklung

Konkrete Angaben zu einer unmittelbar anschließenden Neubebauung macht die Stadt in ihrer aktuellen Mitteilung nicht. Fest steht lediglich, dass der Rückbau die Grundlage für eine geordnete städtebauliche Weiterentwicklung des Bereichs schaffen soll. Für die Anwohner bedeutet der Abriss zunächst Baustellenbetrieb. Die Stadt weist auf mögliche Einschränkungen durch Lärm und andere baubedingte Beeinträchtigungen hin und bittet während der Arbeiten um Verständnis.

Wenn der Bergbau aus dem Stadtbild verschwindet

Hückelhoven hat seine industrielle Vergangenheit längst neu geordnet. Die Zeche Sophia-Jacoba ist Geschichte, die ehemaligen Bergbauflächen haben sich vielerorts verändert und einige Relikte wurden zu Erinnerungsorten. Das Ledigenheim gehörte dagegen zu jener unspektakulären Infrastruktur, die selten im Mittelpunkt der Erinnerungskultur steht: kein Förderturm, keine Maschinenhalle, sondern ein Wohnhaus für die Menschen hinter der Kohle.

Gerade solche Gebäude erzählen jedoch viel über die soziale Seite des Bergbaus. Mit dem Abriss verschwindet nun auch dieser Teil der Geschichte aus Millich. Der Förderbetrieb der Sophia-Jacoba ist längst verstummt – jetzt verschwindet ein weiteres Gebäude, das einst davon erzählte, wie die Menschen hinter der Kohle lebten.

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