Neuendorf. Was zunächst wie ein schlechter Scherz klang, ist längst Realität: Das Kraftwerk Jänschwalde und die Brikettfabrik Schwarze Pumpe im Landkreis Spree-Neiße stehen seit Frühjahr 2025 offiziell unter Denkmalschutz. Damit gehören die riesigen Braunkohle-Anlagen zu den geschützten Industriebauten Brandenburgs – und das sorgt für heftige Diskussionen.
Überraschung bei Betreiber Leag
Die Lausitz Energie AG (Leag), Betreiber beider Anlagen, reagierte fassungslos, als die Denkmalschutz-Entscheidung bekannt wurde. „Wir haben sofort Widerspruch eingelegt“, erklärte Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Denn im Gegensatz zu den meisten Denkmalobjekten handelt es sich hier nicht um stillgelegte Bauwerke, sondern um aktive Produktionsstandorte mitten im Wettbewerb.
Risiko für Betrieb und Arbeitsplätze?
Bei der Leag schrillen die Alarmglocken: Der Fall der Cottbuser Universitätsbibliothek – ebenfalls 2025 unter Schutz gestellt – zeigt, wie stark Eingriffe durch Denkmalschutzauflagen in laufende Abläufe wirken können. Dort eskalierte der Streit über den Abbau von Lesetischen und die geplante Verlagerung des Info-Points bereits zum Kleinkrieg zwischen Bauverwaltung und Universität.
Ein solches Szenario wollen die Verantwortlichen bei Jänschwalde und Schwarze Pumpe unbedingt verhindern. Schließlich hängen an den beiden Industrieanlagen Hunderte Arbeitsplätze in einer Region, die ohnehin im Strukturwandel steckt.
Vertrag zwischen Land und Unternehmen
Um Planungssicherheit zu schaffen, haben sich Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und Leag-Chef Adolf Roesch auf einen öffentlich-rechtlichen Vertrag geeinigt. Bis Jahresende soll er ausformuliert werden und rechtlich verbindliche Regeln für Betrieb, Instandhaltung, Umbau und Transformation der Anlagen festschreiben.
„Beide Standorte sind keine Artefakte, sondern lebendige Anlagen“, betonte Schüle bei einem Besuch in Cottbus. Der Denkmalschutz bedeute nicht Stillstand, sondern Anerkennung der industriellen Leistung und Geschichte.
Blick nach Wolfsburg und Leverkusen
Schüle verweist auf positive Beispiele in anderen Bundesländern: VW-Werke in Wolfsburg, die Bayer-Werke in Leverkusen oder die Bosch-Fabrik in Reutlingen stehen ebenfalls unter Denkmalschutz – und sind trotzdem voll im Betrieb. „Ich bin überzeugt: Der Denkmalschutz nimmt nichts weg, er fügt etwas hinzu“, so die Ministerin.
Symbolische Bedeutung
Mit der Entscheidung bekommt der Strukturwandel in der Lausitz eine neue Dimension: Die Braunkohlevergangenheit wird nicht verdrängt, sondern als Teil des kulturellen Erbes festgeschrieben – während gleichzeitig der Umbau zu einer klimaneutralen Zukunft läuft. Für die Region könnte der Denkmalschutz damit Chance und Risiko zugleich sein.
