Mönchengladbach/Viersen. Die Zukunft des brachliegenden Kasernengeländes im Norden von Mönchengladbach nimmt Fahrt auf. Der Bund verzichtet überraschend auf eine militärische Nachnutzung der ehemaligen Niederrheinkaserne. Damit kann die Stadt die seit Monaten blockierten Kaufverhandlungen fortsetzen und den Weg freimachen für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Region: den interkommunalen Busbetriebshof der NEW.
Noch vor wenigen Wochen hatte das Moratorium des Verteidigungsministeriums für Ernüchterung gesorgt. Deutschlandweit wurden rund zweihundert frühere Militärliegenschaften auf einen möglichen Rückbau zur militärischen Nutzung geprüft – darunter auch das mehr als neun Hektar große Areal an der Stadtgrenze zu Viersen. Für Mönchengladbach bedeutete das einen abrupten Baustopp, denn die Kaufverträge lagen bereits weitgehend ausverhandelt bereit.
Nun folgt die Kehrtwende. Laut NRW-Landesregierung erhebt der Bund keinen Anspruch mehr auf das Gelände. Kommunal- und Landespolitiker sprechen von einem wichtigen Signal und einem Erfolg intensiver Gespräche auf mehreren Ebenen. Oberbürgermeister Felix Heinrichs betont, das Projekt könne nun endlich wie geplant weiterverfolgt werden. CDU-Landtagsabgeordneter Jochen Klenner spricht von einem Durchbruch, der dem Standort Mönchengladbach landesweite Bedeutung verleihe.
Mit der Freigabe kann die NEW ihre Pläne zum Bau eines zentralen Busbetriebsstandorts realisieren. Dort sollen künftig alle Busse aus Mönchengladbach und Viersen gebündelt werden: Wartung, Verwaltung, Abstellflächen und vor allem die Ladeinfrastruktur für die geplante vollständige Umstellung auf Elektroantriebe. Bereits ab 2028 sollen erste Ladepunkte in Betrieb gehen, 2030 soll der neue Betriebshof vollständig laufen. Am aktuellen Standort sei die komplette Elektrifizierung nicht mehr umsetzbar, betont NEW-Vorstand Thomas Bley. Die neue Anlage ermögliche Effizienzgewinne, Synergien und langfristige Entlastungen für den städtischen Haushalt.
Für die Stadt bedeutet die Entscheidung vor allem Planungssicherheit. Trotz Moratorium hatte die NEW gemeinsam mit der Verwaltung die Vorbereitungen für Bau- und Planungsrecht weitergeführt, sodass der Zeitplan bestehen bleiben kann. Der Kauf könnte noch in diesem Jahr beurkundet werden. Das verfallene Kasernengelände, bislang ein klassischer Lost Place, soll sich damit in eines der modernsten Verkehrszentren am Niederrhein verwandeln. Nach Jahren des Wartens scheint sich abzuzeichnen, dass aus der ehemaligen Militärfläche ein Schlüsselprojekt für den regionalen Verkehrswandel entsteht.
