Zeitz. Auf dem Gelände der einst europaweit bekannten Kinderwagenfabrik Zekiwa in Zeitz entsteht eines der ambitioniertesten Zukunftsprojekte Sachsen-Anhalts: Mit insgesamt 15,5 Millionen Euro Förderung und weiteren 8,8 Millionen Euro in Aussicht gestellten Mitteln soll dort ein sogenanntes Reallabor aufgebaut werden – das größte seiner Art im Rahmen der Landesinitiative „Neues Europäisches Bauhaus“ (NEB).
Forschung trifft Praxis: Nachhaltig bauen im Reallabor
Im Herzen des Burgenlandkreises soll das stillgelegte Zekiwa-Areal zur innovativen Testfläche für nachhaltiges, zirkuläres und klimaneutrales Bauen werden. Neben ökologischen Bauweisen stehen auch Design, Ästhetik und künstlerische Gestaltung im Fokus. Der Ansatz: Forschung, Anwendung und Gestaltung gehen hier Hand in Hand – und sollen langfristig neue Maßstäbe im Städtebau setzen.
Ein starkes Netzwerk für den Strukturwandel
Hinter dem Projekt steht ein breit aufgestelltes Bündnis: Die Stadt Zeitz kooperiert mit der Hochschule Anhalt, der Stiftung Bauhaus Dessau, der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Forum Rathenau. Gemeinsam wollen sie das derzeit brachliegende Gelände samt ehemaligem Verwaltungsgebäude bis Ende 2027 in eine lebendige Zukunftswerkstatt verwandeln.
Vergangenheit trifft Zukunft
Der alte Zekiwa-Standort steht seit den 1990er Jahren leer – ein Sinnbild für den wirtschaftlichen Umbruch im Osten nach der Wende. Die Kinderwagenproduktion wurde nach Fernost verlagert, der VEB existiert nur noch als GmbH in Kretzschau. Nun wird der traditionsreiche Ort zu einem Schlüsselschauplatz des Strukturwandels im Mitteldeutschen Revier.
EU-Förderung für gerechte Transformation
Finanziert wird das Reallabor über den „Just Transition Fund“ (JTF), mit dem die EU Regionen beim Ausstieg aus der Kohle unterstützt. Für Sachsen-Anhalt stehen daraus insgesamt 44 Millionen Euro bereit. Das Zekiwa-Reallabor ist das bislang größte Einzelprojekt der NEB-Initiative, die im August 2023 vom Land gestartet wurde. Weitere förderfähige Regionen sind Anhalt-Bitterfeld, Mansfeld-Südharz, der Saalekreis, der Burgenlandkreis und die Stadt Halle.
Gesellschaftliche Mitgestaltung erwünscht
Das Neue Europäische Bauhaus versteht sich nicht nur als architektonisches, sondern als gesellschaftliches Projekt. Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaftler, Unternehmer und Kreative sind aufgerufen, sich einzubringen und Ideen für das Zusammenleben der Zukunft zu entwickeln. Zeitz könnte damit ein Modell für den sozialen, kulturellen und ökologischen Wandel in Ostdeutschland werden.
