Verlassener Olympia-S-Bahnhof soll Mega-Projekt weichen

Foto: Robot8A/CC BY-SA 4.0
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München. Der alte Olympia-S-Bahnhof in München ist einer der bekanntesten „Lost Places“ der Stadt – ein Monument vergangener Großereignisse und zugleich ein Mahnmal für verpasste Chancen. Seit über drei Jahrzehnten ist die Anlage stillgelegt, nun will die Stadt aus der Brachfläche eine durchgängige Nord-Süd-Grünverbindung mit Rad- und Fußwegen machen. Doch das ambitionierte Projekt hängt in der Warteschleife – ausgerechnet wegen Geldmangel.

Ein Bahnhof ohne Anschluss – seit 1988

Erbaut für die Olympischen Spiele 1972, verlor der Bahnhof nach dem Sportereignis rasch seine Funktion im regulären Netz. Spätestens nach der Fußball-EM 1988 endete der Betrieb ganz. Sicherheitsbedenken, etwa nach einem tragischen Unfall mit spielenden Kindern auf abgestellten Kesselwagen, führten zur Abschaltung der Oberleitungen.

Seit 2011 gehört das 6,5 Hektar große Areal offiziell der Stadt München. Damals wurde das Grundstück von der Deutschen Bahn erworben – mit dem Ziel, das städtische Radwegenetz zu stärken. Doch trotz vieler Ankündigungen tat sich lange nichts.

Grüne Trasse für 37 Millionen – ohne Finanzierung

Erst 2022 fasste der Stadtrat einen konkreten Beschluss zur Umgestaltung der alten Trasse in eine barrierefreie Rad- und Fußwegverbindung. Die geplante Route reicht vom Sapporobogen im Süden bis zum DB-Nordring. Auch eine Brücke über die Triebstraße soll saniert und das Gebiet so an die Eggarten-Siedlung angebunden werden. Die veranschlagten Kosten: 37 Millionen Euro.

Doch der Haken: Das Projekt steht zwar im Haushalt – wurde aber bislang nicht mit Mitteln hinterlegt. Die Hoffnung der Stadt richtet sich nun auf ein anderes Großereignis: Die Bewerbung Münchens für Olympische Spiele 2036, 2040 oder 2044. Im Mobilitätskonzept der Bewerbung taucht die geplante Grünverbindung erneut auf – neben milliardenschweren Vorhaben wie der U4-Verlängerung oder dem S-Bahn-Ringschluss Nord.

Kritik: Olympia statt Umsetzung

Im Stadtrat herrscht parteiübergreifend grundsätzlich Zustimmung zum Projekt – aber auch Ernüchterung. SPD und Grüne begrüßen die Idee, sehen die fehlende Finanzierung jedoch kritisch. Deutlich wird ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff: Die jahrelange Verzögerung sei symptomatisch für Münchens Umsetzungsschwächen. Dass die Stadt die Trasse nun in ihrer Olympiabewerbung als Fortschritt verkauft, nennt Ruff „zynisch“.

Olympia als Beschleuniger – oder als Ausrede?

Ob der Olympia-S-Bahnhof bald zu einem grünen Korridor wird oder weiter dem Verfall überlassen bleibt, entscheidet sich wohl daran, ob die Stadt politische Prioritäten setzt – oder auf das nächste sportliche Großereignis hofft. Der Ort zeigt, was Olympia bringen kann. Und was passiert, wenn die Nachnutzung vergessen wird.

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