KZ Oranienburg: Erinnerungsort wird neu gestaltet

Foto: Stadt Oranienburg
Foto: Stadt Oranienburg

Oranienburg. In Oranienburg hat die Neugestaltung des Erinnerungsortes an das ehemalige Konzentrationslager Oranienburg begonnen. An der Berliner Straße wird damit ein historischer Ort aufgewertet, der bislang vor allem durch einen rund 60 Meter langen Mauerrest an das Lager erinnert. Die Eröffnung des neu gestalteten Erinnerungsortes ist für November 2026 vorgesehen. Die Stadt Oranienburg arbeitet dabei gemeinsam mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Angestoßen wurde das Projekt durch engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie entsprechende Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung. Ziel ist es, die Geschichte des frühen Konzentrationslagers künftig unmittelbar am historischen Ort sichtbarer und verständlicher zu vermitteln.

Freiluft-Ausstellung soll Geschichte vermitteln

Vor der historischen Mauer entsteht eine Open-Air-Ausstellung. Auf Stelen sollen Texte und historische Bilder über das Konzentrationslager, seine Häftlinge und die dort begangenen Verbrechen informieren. Ergänzend ist ein Infopult mit topografischen Informationen zum damaligen Lagergelände vorgesehen. Eine begleitende Internetseite soll zusätzliche Informationen bereitstellen und den Erinnerungsort auch digital zugänglich machen. Ein auffälliges Element wird ein etwa zehn Meter langer Schriftzug mit der Aufschrift „Erinnerungsort Konzentrationslager Oranienburg 1933–1934“. Eine Sitzbank mit integriertem Hochbeet soll zudem einen Bereich schaffen, an dem Besucher innehalten können.

Erinnerung an Erich Mühsam

Teil der Neugestaltung ist außerdem ein eigener Gedenkbereich für den Schriftsteller Erich Mühsam. Der Publizist und Anarchist wurde 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet. Damit soll nicht nur die Geschichte des Lagers insgesamt vermittelt werden. Der Erinnerungsort soll auch an einzelne Menschen erinnern, die aufgrund ihrer politischen Haltung, ihrer Herkunft oder aus anderen Gründen von den Nationalsozialisten verfolgt und inhaftiert wurden.

Erstes Konzentrationslager in Oranienburg

Das KZ Oranienburg wurde 1933 auf dem Gelände einer früheren Brauerei an der Berliner Straße eingerichtet. Es gehörte zu den frühen Konzentrationslagern des NS-Regimes und war das erste Lager dieser Art in Preußen. Zu den Häftlingen gehörten insbesondere politische Gegner der Nationalsozialisten, darunter Sozialdemokraten und Kommunisten. Auch jüdische Gefangene wurden dort inhaftiert. Insgesamt waren rund 3.000 Menschen im Lager gefangen. Mindestens sechs Häftlinge kamen dort ums Leben. Das Lager bestand bis 1934.

Die nationalsozialistischen Machthaber nutzten den Standort zugleich propagandistisch. Besuchern aus dem In- und Ausland sollten vermeintlich ordnungsgemäße Haftbedingungen präsentiert werden – während die Gefangenen tatsächlich Terror und Gewalt ausgesetzt waren.

425.000 Euro für den Erinnerungsort

Für die Neugestaltung stehen insgesamt rund 425.000 Euro zur Verfügung. Davon werden etwa 283.000 Euro durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Rahmen des Programms „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ finanziert. Oranienburg konnte sich mit dem Projekt gegen eine große Zahl weiterer Bewerbungen durchsetzen. Insgesamt waren beim zuständigen Bundesministerium mehr als 100 Bewerbungen eingegangen. Oranienburg wurde als eine von 17 Städten bundesweit für eine Förderung ausgewählt.

Historischer Ort soll wieder sichtbar werden

Mit der Neugestaltung soll ein Teil der Oranienburger NS-Geschichte wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten weist darauf hin, dass die frühen Konzentrationslager bereits von Beginn an Orte systematischer Gewalt und Rechtlosigkeit waren. Der neue Erinnerungsort soll deshalb nicht nur an das frühere Lager erinnern, sondern auch dessen historische Bedeutung im Zusammenhang mit der späteren Entwicklung des NS-Terrors verdeutlichen. Aus dem frühen Lagersystem entwickelten sich Strukturen, die schließlich in den großen Konzentrations- und Vernichtungslagern des NS-Regimes mündeten.

Mit dem Baubeginn erhält der bislang eher unscheinbare Mauerrest damit eine neue Funktion: Aus einem baulichen Überbleibsel wird ein öffentlich zugänglicher Erinnerungs- und Lernort mitten in Oranienburg.

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