Riesa. Die ibug 2026 in Riesa ist mit einem deutlichen Besucherzuwachs zu Ende gegangen. Rund 16.800 Kunstinteressierte und Neugierige besuchten an drei Festivalwochenenden das ehemalige Gelände des Muskator-Kraftfuttermischwerks. Damit konnte die „Industriebrachenumgestaltung“ ihre Besucherzahl gegenüber der letzten Ausgabe in Riesa im Jahr 2024 nahezu verdoppeln. Damals waren rund 8.500 Menschen zu dem Festival gekommen. Der starke Zuwachs zeigt, dass die ungewöhnliche Verbindung aus verlassener Industriearchitektur, internationaler Urban Art und kulturellem Veranstaltungsprogramm auf großes Interesse stößt.
72 Künstler aus 18 Ländern
Zum 20-jährigen Bestehen der ibug verwandelten insgesamt 72 Künstler aus 18 Ländern das ehemalige Industrieareal in einen temporären Kunstraum. Hallen, Fassaden, technische Anlagen und andere Relikte des früheren Kraftfuttermischwerks wurden Teil der Ausstellung. Entstanden sind großformatige Murals, Paste-ups, Installationen und zahlreiche weitere künstlerische Interventionen. Viele Arbeiten bezogen sich unmittelbar auf die Geschichte des Geländes. Rostige Anlagen, verwitterte Wände, alte Materialien und die Architektur der Industriebrache wurden dabei nicht versteckt, sondern bewusst in die Kunst integriert. So entstand ein Spannungsfeld zwischen Verfall und Kreativität, Vergangenheit und Gegenwart.
Alte Industrie wird zur Kunstkulisse
Genau diese Verbindung gehört zum Markenzeichen der ibug. Das Festival nutzt Industriebrachen nicht lediglich als außergewöhnliche Ausstellungsorte. Die verlassenen Gebäude und ihre Geschichte werden selbst zum Bestandteil der künstlerischen Auseinandersetzung. In Riesa traf die internationale Urban-Art-Szene deshalb auf einen Ort, der seine eigene Geschichte mitbrachte. Die Künstler griffen vorhandene Strukturen auf und entwickelten daraus neue Perspektiven. Das Ergebnis war eine Ausstellung, die nicht in einem klassischen Museum stattfand, sondern mitten in einer ehemaligen Industrieanlage.
Auch junge Besucher wurden einbezogen
Die ibug beschränkte sich allerdings nicht auf die drei Festivalwochenenden. Rund 500 Schüler aus 18 Einrichtungen der Region nahmen an Angeboten der Bildungswoche teil. Führungen, Workshops und weitere Bildungsangebote sollten jungen Menschen einen Zugang zu Kunst, Industriekultur und der Geschichte des ehemaligen Werks ermöglichen. Daneben gehörten Gespräche, Musik und Angebote für Kinder und Jugendliche zum Festivalprogramm. Die ibug entwickelte sich damit erneut zu einem Treffpunkt für unterschiedliche Generationen und Besuchergruppen.
Riesa erlebt die zweite ibug innerhalb weniger Jahre
Dass die ibug erneut in Riesa stattfand, hat sich für die Veranstalter offenbar ausgezahlt. Innerhalb von zwei Jahren konnte das Festival seine Besucherzahl an diesem Standort massiv steigern. Der aktuelle Erfolg ist allerdings nicht der größte Publikumserfolg der Festivalgeschichte. Den bisherigen Rekord hält die ibug 2025 in Chemnitz. Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres kamen dort rund 38.000 Besucher. Trotzdem ist das Ergebnis von Riesa bemerkenswert: Gegenüber 2024 konnte die Besucherzahl um rund 8.300 Menschen gesteigert werden.
20 Jahre ibug: Industriebrachen als temporäre Kulturräume
Mit der Ausgabe 2026 feiert die ibug zugleich ihr 20-jähriges Bestehen. Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2006 hat das Festival immer wieder aufgegebene Industrieareale in Sachsen in temporäre Kunsträume verwandelt. Das Konzept folgt dabei einem ungewöhnlichen Prinzip: Statt verlassene Fabriken und Anlagen ausschließlich als Zeugnisse des industriellen Niedergangs zu betrachten, werden sie für kurze Zeit neu belebt. Die Brache wird zur Galerie, die alte Produktionshalle zum Veranstaltungsraum und der industrielle Verfall zur Kulisse für zeitgenössische Kunst.
Ein Erfolg, der ohne Helfer nicht möglich wäre
Hinter dem Festival stehen zahlreiche Unterstützer, Förderer und freiwillige Helfer. Der ibug e.V. würdigte insbesondere die Unterstützung der Stadt Riesa, der Wohnungsgesellschaft Riesa, der Elbland Kunsthalle und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Besonders aufwendig ist die Vorbereitung solcher Veranstaltungen auf verlassenen Industrieflächen. Das Gelände muss erschlossen, gesichert und für Besucher zugänglich gemacht werden. Hinzu kommen Aufbau, Organisation und die Betreuung während des laufenden Festivals. Ohne das Engagement des Festivalteams und zahlreicher Ehrenamtlicher wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht möglich.
Riesa zeigt das Potenzial verlassener Orte
Der Erfolg der ibug 2026 macht zugleich deutlich, welches kulturelle Potenzial in aufgegebenen Industriearealen stecken kann. Wo einst Maschinen liefen und industrielle Produktion den Alltag bestimmte, kamen nun tausende Menschen zusammen, um Kunst zu erleben und sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen. Die ibug macht damit aus einer scheinbar nutzlosen Industriebrache einen temporären Publikumsmagneten.
16.800 Besucher in Riesa sind dabei mehr als eine gute Festivalbilanz. Sie sind ein deutliches Signal dafür, dass Industriekultur, Urban Art und die Faszination verlassener Orte ein großes Publikum erreichen können. Nach drei Wochenenden ist die ibug 2026 zwar vorbei. Die Idee dahinter bleibt jedoch bestehen: Alte Industrieorte müssen nicht verschwinden, um Vergangenheit zu sein. Manchmal reicht es, sie für kurze Zeit wieder mit Leben, Kunst und Menschen zu füllen.
