Neue Perspektive für das Berliner SEZ

Foto: Carina Kitzenmaier/CC BY-SA 4.0
Foto: Carina Kitzenmaier/CC BY-SA 4.0

Berlin. Der jahrelange Streit um die Zukunft des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain könnte vor einer überraschenden Wende stehen. Eine neue planerische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass das markante Gebäude weitgehend erhalten bleiben könnte, ohne auf den geplanten Wohnungsbau verzichten zu müssen. Demnach könnten auf dem Areal rund 600 neue Wohnungen entstehen. Der vollständige Abriss des SEZ wäre dafür nicht zwingend erforderlich.

Der entscheidende Ansatz der neuen Planung ist eine räumliche und rechtliche Trennung. Wohnungsbau und bestehendes SEZ könnten auf eigenständigen Grundstücken entwickelt werden. Für den Neubau sind zwei Doppel-Wohnhochhäuser vorgesehen. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM könnte sich damit auf die Errichtung der Wohnungen konzentrieren. Das SEZ wiederum könnte von einem anderen Träger schrittweise saniert und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Damit wäre erstmals eine konkrete Variante auf dem Tisch, die zwei bislang scheinbar unvereinbare Ziele zusammenbringt: dringend benötigten Wohnraum schaffen und zugleich große Teile des ehemaligen Freizeitkomplexes bewahren.

Abrisspläne geraten weiter unter Druck

Der vollständige Abriss des SEZ war lange die Grundlage für die geplante Neuentwicklung des Grundstücks. Doch die Umsetzung geriet mehrfach ins Stocken. Unter anderem führten artenschutzrechtliche Bedenken zu einem Abrissstopp. Im August leitete das Bezirksamt zudem ein förmliches Verfahren ein, um einen vollständigen Rückbau aus Gründen des Denkmalschutzes zu verhindern. Parallel wurden alternative Konzepte entwickelt. Nun liegt erstmals eine Untersuchung vor, die den weitgehenden Erhalt des Gebäudes mit einer Größenordnung von rund 600 Wohnungen verbindet.

Das SEZ ist mehr als ein leerstehendes Gebäude

Das 1981 eröffnete SEZ gehörte zu den markantesten Freizeitbauten der DDR. Unter seinem ungewöhnlichen Dach wurden Schwimmbad, Sportangebote, Gastronomie und weitere Freizeiteinrichtungen zusammengeführt. Seit Jahren steht der Komplex allerdings leer. Die Bausubstanz ist vom langen Stillstand gezeichnet, während gleichzeitig auf dem wertvollen Grundstück dringend benötigter Wohnraum entstehen soll. Genau darin liegt der Kern des Konflikts: Soll ein architektonisch und stadtgeschichtlich bedeutendes Gebäude für ein neues Wohnquartier verschwinden – oder lässt sich beides miteinander verbinden?

Noch keine endgültige Entscheidung

Die jetzt vorgestellte Planung bedeutet allerdings noch nicht, dass das SEZ definitiv erhalten bleibt. Das Bezirksamt betont ausdrücklich, dass die Untersuchung weder eine abschließende Machbarkeitsstudie noch ein fertiger städtebaulicher Entwurf ist. Sie liefert jedoch ein wichtiges Argument für die Befürworter des Erhalts: Der Wohnungsbau muss demnach nicht zwangsläufig mit einem vollständigen Abriss verbunden werden. Die Ergebnisse sollen nun in die weiteren Gespräche zwischen Bezirk, Senatsverwaltung und WBM einfließen.

Berlin bekommt eine zweite Chance für das SEZ

Die Debatte um das SEZ hat damit eine neue Richtung bekommen. Aus der bisherigen Frage „Abriss oder keine Wohnungen?“ könnte eine wesentlich interessantere Frage werden: Wie lassen sich Wohnungsbau und Erhalt sinnvoll miteinander verbinden? Rund 600 Wohnungen und ein weitgehend erhaltenes SEZ wären ein deutlicher Kurswechsel gegenüber den bisherigen Abrissplänen. Ob daraus tatsächlich ein neues Kapitel für den ehemaligen DDR-Freizeitkomplex entsteht, ist noch offen. Fest steht aber: Der vollständige Abriss ist nicht mehr die einzige denkbare Lösung.

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