Mainz. Die Stadt Mainz hat beim Erwerb des ehemaligen Bundeswehrgeländes der Generalfeldzeugmeister-Kaserne ein seltenes Glück gehabt – und das zu einer Zeit, in der die Bundeswehr kaum noch Liegenschaften abgibt. Inmitten einer sicherheitspolitischen „Zeitenwende“ und wachsendem militärischen Flächenbedarf war der Verkauf dieses Areals alles andere als selbstverständlich, wie Claus Niebelschütz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erklärt. Mainz zählte zu den wenigen Kommunen, denen in dieser Lage noch ein solcher Flächenerwerb gelang.
Was ursprünglich als großes Innenstadt-Wohnprojekt geplant war, nimmt nun konkretere, wenn auch realistischere Formen an: Auf dem Gelände entsteht das neue Quartier „Am Pariser Tor“, ein urbanes Mixprojekt aus Wohnen, öffentlicher Infrastruktur und Forschung. Herzstück ist dabei die Ansiedlung des Mainzer Vorzeigeunternehmens Biontech SE, dem in unmittelbarer Nähe zu seinem bisherigen Standort erweiterte Flächen zur Verfügung gestellt werden.
Kompromiss mit Perspektive
Geplant sind rund 450 Wohnungen, davon etwa 30 Prozent öffentlich gefördert – eine wichtige Quote im angespannten Mainzer Wohnungsmarkt. Mit Mieten bis zu zehn Euro pro Quadratmeter soll hier bezahlbarer Wohnraum entstehen. Die soziale Infrastruktur ist ebenfalls berücksichtigt: Kindertagesstätten, ein Supermarkt, eine Ortsverwaltung sowie ein Quartiersplatz sind vorgesehen und dürften die Lebensqualität im Stadtteil Oberstadt zusätzlich stärken.
Diskussionen über Bauhöhen erwartet
Streitpotenzial gibt es jedoch bei der Frage, wie hoch künftig gebaut werden darf. Die Stadtverwaltung möchte sich nicht zwingend an die Dimensionen der bestehenden Nachbarbebauung – etwa an der Freiligrathstraße – halten. Das könnte zu Spannungen mit Anwohnern führen, die Veränderungen im Stadtbild befürchten.
Spannung zwischen Wohnen und Forschung
Ob das Nebeneinander von Wohngebiet und Forschungsstandort langfristig konfliktfrei funktioniert, bleibt abzuwarten. Die Nähe zu Biontech – dem weltweit bekannten Impfstoffhersteller und bedeutenden Steuerzahler der Stadt – gilt vielen jedoch als Garant für wirtschaftliche Dynamik. Der politische Wille, dem Unternehmen weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, ist jedenfalls spürbar.
Mit dem Areal der ehemaligen Kaserne entsteht in Mainz ein Modellquartier, das Wohnen, Forschung und Infrastruktur auf engem Raum vereint. Ein seltenes Beispiel dafür, wie aus militärischem Erbe zukunftsfähige Stadtentwicklung werden kann.
