2.000 Jahre alte Siedlung bei Borgentreich entdeckt

Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Arne Koch
Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/Arne Koch

Borgentreich. Was als Standort für eine moderne Windenergieanlage geplant war, entpuppte sich als archäologischer Glücksfall: Bei vorbereitenden Arbeiten für den Bau eines Windrads nahe Borgentreich (Kreis Höxter) hat ein Grabungsteam des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Überreste einer eisenzeitlichen Siedlung freigelegt. Dabei fanden die Archäologen zwei gut erhaltene Keramikgefäße sowie Pfostenspuren von Holzbauten – Relikte, die mehr als 2.000 Jahre alt sind.

Von Windkraft zu Wissenschaft

Ursprünglich war an der Stelle nichts von archäologischer Bedeutung sichtbar. Doch der fruchtbare Lössboden und eine nahegelegene alte Quellmulde weckten den Verdacht der LWL-Archäologie. „Solche Quellbereiche waren früher bevorzugte Siedlungsplätze“, erklärt LWL-Archäologe Sebastian Düvel. Und tatsächlich: Bereits im Bereich der Zufahrtsstraße zeichneten sich dunkle Erdverfärbungen ab – Hinweise auf Pfostengruben früherer Gebäude wie ein Sechspfostenbau und ein Vierpfostenspeicher.

Keramik weist in die vorrömische Eisenzeit

Besonders bedeutsam war der Fund zweier Keramikschüsseln in einer Pfostengrube. Die gut erhaltenen Gefäße mit typischen Merkmalen – darunter ein leicht geknickter Rand – erlaubten eine präzise zeitliche Einordnung in die vorrömische Eisenzeit. Ob die Gefäße als einfacher Abfall oder als kultisches Bauopfer dienten, bleibt bislang unklar.

Siedlung folgt dem Wasser

Neben Gebäudespuren offenbarte sich auch der ehemalige Quellbereich in tiefen Sedimentschichten. Laut Dr. Sven Spiong, Leiter der LWL-Außenstelle Bielefeld, passt der Fund in ein bekanntes Muster: „Die frühzeitlichen Siedler folgten den Gewässerläufen bis zu den Quellen. Frischwasser war zentral für das Überleben – diese Standorte sind bis heute archäologisch hochrelevant.“

Bodendenkmal bleibt weitgehend unangetastet

Zwar muss ein Teil der Siedlungsreste dem Windrad weichen, doch der Großteil bleibt im Boden erhalten. Die Fundstelle wird nun offiziell als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Borgentreich aufgenommen – ein Beleg für die lange und wechselvolle Siedlungsgeschichte der Region.

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