Gernrode. Mehr als drei Jahrzehnte lang stand es leer, nun soll neues Leben in einen der bekanntesten Lost Places im Harz einziehen: Das ehemalige FDGB-Ferienheim „Fritz Heckert“ bei Gernrode steht kurz vor dem Baustart. Eine Investorengruppe will das denkmalgeschützte Areal zu einem modernen Hotelstandort entwickeln – und hat dafür nun die entscheidende Förderzusage erhalten.
„Spätestens Ende Februar beginnen wir mit den Bauarbeiten“, kündigte Sascha Hellwig, Vertreter der Investorengruppe, an. Der letzte noch fehlende Baustein sei inzwischen gesichert: Die Investitionsbank des Landes hat den Zuwendungsbescheid erteilt. Bewilligt wurde eine Förderung aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), die den Weg für die Umsetzung des Projekts freimacht.
Geplant ist unter dem Titel „Revitalisierung Hotelstandort ,Das Heckert‘“ der Neubeginn eines touristischen Angebots an historischer Stelle. Entstehen soll ein Hotel mit rund 100 Zimmern, ergänzt um Gastronomie, Wellnessbereich und weitere Nebenflächen. Die Zielgruppe ist klar definiert: Freizeit- und Familientourismus. Ein Luxus-Resort sei ausdrücklich nicht vorgesehen, betont Hellwig, vielmehr ein „bezahlbares Angebot“, das breite Gästegruppen ansprechen soll.
Das Investitionsvolumen liegt nach Angaben der Projektverantwortlichen bei mehr als 20 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf die Erschließung und die weitläufigen Außenanlagen. Das Grundstück ist groß, die technische Infrastruktur teils veraltet. So müssen Abwasserleitungen neu verlegt und die Stromversorgung umfassend ertüchtigt werden. Geplant ist unter anderem eine eigene Trafostation auf dem Gelände. Gleichzeitig wird im Bestand gearbeitet: Rund 10.000 Quadratmeter denkmalgeschützte Gebäudefläche sollen in das neue Nutzungskonzept integriert werden.
Beim Bau möchte die Investorengruppe möglichst auf regionale Unternehmen setzen. Bereits jetzt gebe es Anfragen aus unterschiedlichen Gewerken. Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis Ende 2027 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Mit der Eröffnung des Hotels rechnet man mit rund 35 neuen Arbeitsplätzen – von Rezeption und Service über Küche bis hin zu Management und Betrieb.
Für die Region wird das Projekt als starkes Signal gewertet. „Es ist ein Super-Impuls für den Standort und ein gutes Zeichen, dass hier in dieser Größenordnung investiert wird“, so Hellwig. Zur Investorengruppe gehören auch Akteure, die bereits am Umbau des früheren EHW-Verwaltungsgebäudes in Thale beteiligt waren.
Das frühere FDGB-Ferienheim „Fritz Heckert“ wurde zwischen 1952 und 1954 auf dem Kuhkopf bei Gernrode errichtet. Der Entwurf eines Architekturbüros aus Halle orientierte sich an der Klassischen Moderne und griff mit seinem markanten, halbrund vorspringenden Eingangsbereich gestalterische Elemente des Olympischen Dorfes in Berlin auf. Nach der Eröffnung 1954 wurde das Gebäude später erweitert, der Anbau jedoch 1998 wieder abgerissen. Seit der Schließung vor 35 Jahren verfiel das einst beliebte Urlaubsdomizil zunehmend – bis es vor vier Jahren von der Investorengruppe übernommen wurde.
Nun soll aus dem lange verwaisten Beton-Skelett wieder ein lebendiger Ort werden – und aus einem Lost Place ein neuer touristischer Anziehungspunkt für den Harz.
