Rudolstadt. Seit fast einem Vierteljahrhundert steht die ehemalige Rheuma-Akutklinik in Etzelbach bei Rudolstadt leer. Das einst imposante Gebäude mit Sandsteinportal, Wintergarten und über 30 Zimmern wird inzwischen in einschlägigen Foren als Lost Place gehandelt – ein Ort für heimliche Erkundungstouren und Urbex-Fotografie. Nun startet ein neuer Anlauf: Am 3. Dezember soll die Immobilie samt vier Hektar Grundstück am Amtsgericht Rudolstadt zwangsversteigert werden.
Das dreigeschossige, unterkellerte Haus mit rund 1.150 Quadratmetern Wohnfläche ist auf 205.000 Euro Verkehrswert taxiert. Klingt günstig – doch ein Gutachten listet gewaltige Probleme: massiver Sanierungsstau, erhebliche Spuren von Vandalismus und Investitionsbedarf im siebenstelligen Bereich. Allein für die Wiederherstellung der Hausanschlüsse und die Pflege der Außenanlagen werden 145.000 Euro veranschlagt.
Eine Rückkehr zur medizinischen Nutzung sei wirtschaftlich ausgeschlossen, so das Gutachten. Stattdessen wird die Umwandlung in ein Mehrfamilienhaus mit elf Wohnungen empfohlen. Mit Aufzug, großem Außengelände und modernen Grundrissen sehen die Gutachter durchaus Chancen auf Vermietbarkeit – allerdings nur nach einer Sanierung von geschätzt 1,1 Millionen Euro.
Die wechselhafte Geschichte des Hauses reicht bis ins Jahr 1905 zurück, als es als Müttergenesungsheim eröffnet wurde. In der DDR diente es als Rheumaklinik, nach der Wende wurde es Teil eines Klinikverbundes, der jedoch insolvent ging. Mehrere Versuche einer Nachnutzung – bis hin zu einem geplanten Pflegeheim mit Schweizer Investor – scheiterten.
Heute ist die Klinik ein Symbol für verpasste Chancen: von außen charmant, innen jedoch heruntergewirtschaftet. Ob die Zwangsversteigerung diesmal einen Käufer mit langem Atem und dickem Portemonnaie findet, entscheidet sich Anfang Dezember.
