Archäologen entdecken komplette römische Siedlung

Foto: EggensteinExca/S. Knippschild
Foto: EggensteinExca/S. Knippschild

Delbrück-Bentfeld. Eine archäologische Entdeckung in Ostwestfalen sorgt für Aufsehen: Bei Ausgrabungen in Delbrück-Bentfeld haben Forscher eine bislang unbekannte römische Siedlung freigelegt – mit mehr als 400 Artefakten aus einem Zeitraum von mehreren Jahrhunderten. Der Fund belegt nicht nur intensive Handelsbeziehungen zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Völkern, sondern offenbart auch faszinierende Einblicke in deren Alltags- und Ritualleben.

Überraschende Größe und Bedeutung des Fundes

Obwohl sich die Fundstelle östlich des einstigen römischen Einflussgebietes befindet, zeigen die zahlreichen Objekte ein starkes kulturelles und wirtschaftliches Netzwerk über die einstige Reichsgrenze hinaus. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe spricht von einem Fund mit „herausragender Bedeutung“, der eine dauerhafte Siedlungsstruktur mit römischen Einflüssen belegt – und das weit nach dem Rückzug römischer Truppen aus Germanien im Jahr 9 n. Chr.

Ein Brunnen mit doppelter Funktion

Besonders sticht ein gut erhaltener Brunnen hervor, dessen Nutzung sich vom 1. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. datieren lässt. Direkt angrenzend fanden Archäologen eine Grube mit verbrannten Knochen – Hinweise auf Bestattungs- oder Feueropfer-Rituale. Solche Funde legen nahe, dass der Brunnen nicht nur als Wasserquelle, sondern möglicherweise auch für kultische Zwecke diente. Die Anwesenheit römischer und germanischer Elemente deutet auf eine kulturelle Durchmischung hin, wie sie in dieser Region bislang kaum dokumentiert war.

Militärgürtel und Spangen – Zeugnisse einer langen Besiedlung

Zu den wichtigsten Fundstücken zählen ein römischer Soldatengürtel sowie Gewandspangen aus dem 5. Jahrhundert. Letztere deuten auf eine Nutzung des Areals noch lange nach dem Ende direkter römischer Kontrolle hin. Die Vielfalt und zeitliche Tiefe der Objekte machen die Entdeckung zu einer kleinen archäologischen Sensation.

Ein Fenster in die Vergangenheit

Die Grabungen liefen bereits seit November 2024, wurden jedoch erst jetzt offiziell publik gemacht – nach umfassender Sichtung und wissenschaftlicher Einordnung. Für Grabungsleiter Sven Knippschild ist klar: Der Fund ist ein Meilenstein in der Erforschung der römisch-germanischen Beziehungen. „Diese Siedlung erzählt eine Geschichte von Handel, Einfluss und Ritualen – über Jahrhunderte hinweg“, so der Archäologe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert