Altenberge. Im Baugebiet an der Bahnhofsstraße haben Hobbyarchäologen einen seltenen Fund gemacht, der Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) staunen lässt: Ein über 4.500 Jahre altes Fragment einer Feuersteinklinge sowie Produktionsreste von steinzeitlichen Pfeilspitzen belegen erstmals eine Besiedlung im heutigen Kernmünsterland während der Jungsteinzeit – und möglicherweise sogar der Mittelsteinzeit.
Steinzeitfunde auf schwerem Boden: eine Rarität
Im Kernmünsterland gelten archäologische Spuren aus der Steinzeit als echte Ausnahme – der dichte Lehmboden hat bislang kaum Funde zugelassen. Umso größer war die Überraschung, als den LWL-Fachleuten ein Klingenfragment vorgelegt wurde, das sich ins späte Neolithikum (um 2500 v. Chr.) datieren lässt – in eine Übergangszeit, als in Mitteleuropa allmählich das Metallzeitalter begann.
Unerwarteter Hinweis auf noch ältere Siedlung
Bei einer Nachuntersuchung auf dem Gelände stießen die Archäologen auf ein unscheinbares, aber hoch bedeutendes Stück: ein Abschlag aus der Produktion winziger Pfeilspitzen. Die Analyse datiert dieses Stück in die Mittelsteinzeit – zwischen 9650 und 4900 v. Chr. Damit liefert es einen der seltenen Hinweise auf eine so frühe menschliche Präsenz in dieser Region.
Baugebiet liefert Einzelstücke mit wissenschaftlicher Relevanz
Zwar ist die Fundschicht durch landwirtschaftliche Nutzung über Jahrhunderte hinweg stark gestört, weshalb sich großflächige Ausgrabungen kaum lohnen dürften. Dennoch rechnet das LWL-Team mit weiteren Einzelstücken, die wichtige Hinweise auf die Frühgeschichte der Region liefern können. Die Baumaßnahmen werden daher archäologisch begleitet.
Kleine Fundstücke – große Bedeutung
Für die Archäologen steht fest: Selbst einzelne Artefakte wie diese können unser Verständnis von der Frühbesiedlung des Münsterlandes grundlegend verändern. Sie belegen, dass bereits vor mehreren Jahrtausenden Jäger und Sammler – und später sesshafte Menschen – in Altenberge unterwegs waren.
