Kassel. Die Salzmannfabrik im Kasseler Stadtteil Bettenhausen steht vor einem grundlegenden Wandel: Was einst als Weberei mit 5000 Beschäftigten florierte und später zur Kulturfabrik mit Stars wie Die Fantastischen Vier und Milky Chance wurde, soll bis 2028 ein modernes Wohn- und Kulturquartier werden. Neuer Eigentümer ist die Lindhorst-Gruppe aus Niedersachsen, die das 36.570 Quadratmeter große Areal vollständig von Projektentwickler Dennis Rossing übernommen hat.
Großprojekt mit 250 Wohnungen und Pflegeheim
Nach Jahren des Stillstands und des schleichenden Verfalls will die Lindhorst-Gruppe bis zu 100 Millionen Euro in die erste Bauphase investieren. Im Zentrum des Projekts stehen 250 Wohnungen – darunter 96 sozial geförderte im denkmalgeschützten Nordbau – sowie eine Seniorenresidenz mit 163 Pflegeplätzen. Zudem sollen ein Supermarkt, Gastronomieflächen und 1.500 Quadratmeter für kulturelle Nutzung entstehen.
Denkmal bleibt – Neubauten ergänzen
Trotz massiver baulicher Eingriffe bleibt der Charakter des historischen Areals erhalten: Die Fassade zur Sandershäuser Straße und Gebäude wie das Kesselhaus sollen denkmalgerecht saniert und in das neue Konzept integriert werden. „Wir schaffen hier ein Quartier, das das Erbe des Standorts bewahrt und gleichzeitig zukunftsfähige Lebensräume bietet“, sagte Firmenchef Alexander Lindhorst im März 2025 bei der Präsentation im Ortsbeirat Bettenhausen.
Langer Weg zur Erneuerung
Die Salzmannfabrik war zuletzt Sinnbild für gescheiterte Stadtentwicklung: Seit der Schließung des Textilbetriebs 1971 verfiel das Gelände. Ein ambitionierter Umbau zur Veranstaltungsarena scheiterte in den 2000er Jahren an hohen Kosten und politischen Streitigkeiten. Rossing holte 2024 die Lindhorst-Gruppe ins Boot, die nun alleiniger Eigentümer ist – Rossing bleibt als Entwicklungspartner beteiligt.
Neues Vertrauen nach 20 Jahren Stillstand
Zwei Jahrzehnte lang wurde in Kassel über die Zukunft des Geländes gestritten, viele hatten die Hoffnung auf Wandel aufgegeben. Nun bringt der Einstieg der Lindhorst-Gruppe neue Dynamik – und eine klare Perspektive: Wenn alles nach Plan läuft, soll das neue Quartier mit Wohnen, Pflege, Kultur und Nahversorgung bis 2028 bezugsfertig sein. Die Stadt Kassel dürfte damit endlich ein langjähriges Sorgenkind loswerden – und ein Stück Industriegeschichte neu beleben.
