Hashima – vom Kohlejuwel zur Geisterinsel

Foto: Jordy Meow/CC BY-SA 3.0
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Aus der Ferne wirkt die kleine Insel Hashima wie ein Kriegsschiff – weshalb sie von den Japanern auch „Gunkanjima“, also „Kriegsschiffinsel“, genannt wird. Die nur etwa 6,3 Hektar große Insel liegt einige Kilometer vor Nagasaki und misst rund 480 Meter in der Länge sowie 160 Meter in der Breite. Seit über 35 Jahren ist sie unbewohnt. Zwischen 1890 und 1974 baute der Mitsubishi-Konzern unter der Insel Kohle ab. In ihrer Blütezeit lebten bis zu 5.000 Menschen auf dem engen Raum, was Hashima zu einem der am dichtesten besiedelten Orte der Welt machte.

Der Name „Hashima“ bedeutet „Grenzinsel“, was geografisch gut passt – denn aus Richtung der Hauptinsel betrachtet, ist sie die letzte sichtbare Insel in dieser Region. Eine massive Schutzmauer von bis zu zehn Metern Höhe umgibt die Insel vollständig und verstärkt ihr kriegsschiffähnliches Aussehen, insbesondere in der Dämmerung. Bereits 1921 nannte ein Reporter sie erstmals „Kriegsschiffinsel“, inspiriert von den damaligen Schlachtschiffen der Tosa-Klasse. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Insel Ziel eines Torpedoangriffs durch ein amerikanisches U-Boot, wobei jedoch ein vor Anker liegender Kohlefrachter das eigentliche Ziel war.

Foto: Ka23 13/CC BY-SA 4.0
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Mitsubishi warb Arbeiter mit attraktiven Anreizen an. Bereits ab 1916 wurde der Kohleabbau intensiviert. Damals entstand auch Japans erstes Wohngebäude aus Stahlbeton. Während des Kriegs ersetzte man die Belegschaft durch chinesische und koreanische Zwangsarbeiter. Die Arbeitsbedingungen waren brutal – über 1.000 Menschen kamen ums Leben. Ihre Leichen wurden in alten Schächten verscharrt oder ins Meer geworfen.

Trotz der beengten Verhältnisse entstand auf Hashima eine komplexe Infrastruktur. Viele Einrichtungen wie Schulen, ein Kino, ein Krankenhaus, Geschäfte und selbst ein Bordell wurden auf engstem Raum geschaffen. Wasser und Strom wurden von der Hauptinsel über unterseeische Leitungen geliefert, Lebensmittel wie Tee und Gemüse bauten die Bewohner auf Dachgärten an.

Am 15. Januar 1974 fiel im Zuge von Energieumstellungen die Entscheidung zur Schließung. Nur drei Monate später war die Insel vollständig evakuiert. Vieles wurde zurückgelassen – darunter Möbel, Spielzeug und Elektronik – da ein Abtransport zu aufwendig gewesen wäre.

Foto: Jordy Meow/CC BY-SA 3.0
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Hashima gilt heute als Symbol für die Schattenseiten der Industrialisierung – insbesondere durch die Ausbeutung von Mensch und Natur. Lange war das Eiland Sperrgebiet, der Zerfall der Gebäude schreitet weiter fort. Dennoch lockte die „Geisterinsel“ immer wieder neugierige Jugendliche an. Seit 2009 ist sie wieder teilweise zugänglich – über einen gesicherten Rundweg sowie Bootstouren, die regelmäßig von Nagasaki aus angeboten werden.

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