Stade. Beim Rückbau des ehemaligen Kernkraftwerks Stade ist ein weiterer sichtbarer Meilenstein erreicht: Der rund 80 Meter hohe Abluftkamin wurde am Freitag, 4. September 2026, kontrolliert gesprengt. Damit verschwindet eines der letzten markanten Bauwerke des früheren Atomkraftwerks aus dem Landschaftsbild. Die Sprengung war von PreussenElektra als Teil der laufenden Rückbauarbeiten angekündigt worden.
Die Arbeiten wurden von einem spezialisierten Fachunternehmen durchgeführt. Die Sprengung wurde durch akustische Signale angekündigt. Anschließend waren ein lauter Knall, leichte Erschütterungen und eine Staubentwicklung zu erwarten. Nach Angaben des Betreibers beschränkten sich die Auswirkungen auf das Kraftwerksgelände. Für die Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden.

Vom Atomkraftwerk bleibt immer weniger übrig
Der Abluftkamin gehörte zuletzt zu den weithin sichtbaren Überresten des Kernkraftwerks Stade. Sein Verschwinden macht den fortschreitenden Rückbau nun auch von außen deutlich. Das Kraftwerk wurde 1972 in Betrieb genommen und am 14. November 2003 endgültig abgeschaltet. Es verfügte über eine elektrische Leistung von 672 Megawatt und war eines der frühen kommerziellen Kernkraftwerke Deutschlands.
Rückbau läuft seit mehr als 20 Jahren
Der Rückbau des Kraftwerks begann bereits 2005. In den Jahren 2023 und 2024 wurden insgesamt 17 Gebäude auf dem Gelände beseitigt. Seit 2025 konzentrieren sich die Arbeiten zunehmend auf das eigentliche Reaktorgebäude und den Sicherheitsbehälter. Im März 2026 begann mit der Demontage des äußeren Hubgerüsts der nächste große Abschnitt. Der vollständige Rückbau des Reaktorgebäudes soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Für Herbst 2027 ist die Entlassung des Standorts aus der atomrechtlichen Überwachung vorgesehen.
Aus dem AKW-Standort soll Industriefläche werden
Mit dem Abriss endet die Geschichte des Standorts jedoch nicht. PreussenElektra strebt für die frei werdenden Flächen eine wirtschaftliche Nachnutzung an. Im Gespräch sind unter anderem neue Projekte aus dem Energiesektor, beispielsweise Speicheranlagen. Damit vollzieht sich in Stade ein bemerkenswerter Wandel: Wo mehr als drei Jahrzehnte Atomstrom produziert wurde, soll künftig ein moderner Energie- und Industriestandort entstehen.
Der gesprengte Abluftkamin markiert dabei einen symbolträchtigen Moment. Ein weiteres Stück der nuklearen Vergangenheit ist verschwunden – und der ehemalige Kraftwerksstandort wird Stück für Stück zu einer Industriebrache mit Zukunftsperspektive.
