Flugplatz Alt Daber

Der ehemalige Flugplatz Alt Daber bei Wittstock/Dosse zählt zu den geschichtsträchtigsten Militärstandorten Brandenburgs. Seine Wurzeln reichen bis in die 1930er Jahre zurück, als das Gelände zunächst als Segelflugplatz genutzt wurde. Wenige Jahre später entwickelte sich der damalige Fliegerhorst Wittstock zu einem wichtigen Ausbildungszentrum der deutschen Luftwaffe. Zwischen 1938 und 1940 entstand hier eine umfangreiche Fallschirmjägerschule. Ab 1939 wurden auf dem Gelände Fallschirmjäger ausgebildet. Später waren unter anderem die Fallschirm-Schule 2 sowie mehrere Ersatz- und Ergänzungsbataillone stationiert. Zu den bekanntesten Absolventen zählt der spätere Schauspieler Joachim Fuchsberger.

Luftwaffe nutzte Standort bis Ende des Zweiten Weltkriegs

Neben der Fallschirmjägerausbildung diente der Flugplatz auch fliegenden Verbänden der Luftwaffe als Ausbildungs- und Einsatzstandort. So trainierten Besatzungen von Heinkel-He-111-Bombern den Schlepp von Lastenseglern. In den letzten Kriegsmonaten wurden zudem Jagd- und Nachtjagdverbände nach Wittstock verlegt, von wo aus sie bis kurz vor Kriegsende Einsätze gegen die vorrückenden sowjetischen Truppen flogen. Mit der Kapitulation Deutschlands endete die Nutzung durch die Wehrmacht. Ende April 1945 verließen die letzten deutschen Flugzeuge den Flugplatz.

Rote Armee übernahm den Militärflugplatz

Bereits Anfang Mai 1945 besetzte die Rote Armee das Gelände. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Alt Daber zu einem bedeutenden Stützpunkt der sowjetischen Luftstreitkräfte in der DDR. Ab 1961 war hier dauerhaft das 33. Jagdfliegerregiment der sowjetischen 16. Luftarmee stationiert. Während die Start- und Landebahnen zunächst lediglich aus verdichteten Rasenflächen bestanden, errichteten die sowjetischen Streitkräfte 1952 eine rund 2,5 Kilometer lange asphaltierte Rollbahn und modernisierten die Infrastruktur kontinuierlich.

Verstecktes Kino sorgte für Überraschung

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen rückte die Geschichte des Flugplatzes erneut in den Fokus. Untersuchungen der denkmalgeschützten Gebäude brachten eine außergewöhnliche Entdeckung ans Licht: Unter dem Gelände befand sich ein unterirdisches Kino aus der Zeit der Wehrmacht. Rund 200 Soldaten konnten dort Wochenschauen und Spielfilme verfolgen – ein ungewöhnliches Detail der Militärgeschichte. Heute gelten die Zugänge zu der Anlage als verschüttet und stehen größtenteils unter Wasser.

Historiker dokumentierte die letzten Spuren der Militärgeschichte

Nach dem Abzug der russischen Streitkräfte im Juni 1994 erhielt Historiker Wolfgang Dost Zugang zum Gelände. Im Auftrag der Stadt untersuchte er die verlassenen Gebäude auf historische Dokumente und zurückgelassene Gegenstände. Seinen Schilderungen zufolge glich der Flugplatz einst einer eigenen Kleinstadt mit zahlreichen Unterkunftsgebäuden, Werkstätten, Sportanlagen, Bibliotheken und kulturellen Einrichtungen. Bei späteren Begehungen fand er jedoch viele Gebäude stark beschädigt oder durch Vandalismus zerstört vor. Erhalten blieben unter anderem Teile der ehemaligen Offiziersbibliothek, die Sporthalle sowie das oberirdische russische Truppenkino.

Rückbau und Naturschutz gingen Hand in Hand

Nach Jahren des Leerstands begann die Stadt Wittstock erst 2014 mit umfangreichen Rückbauarbeiten. Unterstützt durch Fördermittel der Europäischen Union und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben wurden zahlreiche versiegelte Flächen zurückgebaut und belastete Gebäude entfernt. Vorausgegangen waren umfangreiche Umweltuntersuchungen, bei denen unter anderem Asbest in Baumaterialien nachgewiesen wurde. Gleichzeitig achteten die Verantwortlichen darauf, Lebensräume geschützter Fledermäuse zu erhalten. Durch die jahrzehntelange Nichtnutzung hatte sich auf dem ehemaligen Militärgelände zudem eine bemerkenswerte Pflanzenwelt entwickelt.

Solarpark ersetzt Teile des ehemaligen Flugplatzes

Bereits vor Beginn der Rückbauarbeiten erhielt ein Teil des Geländes eine neue Nutzung. Auf einer großen Freifläche entstand Ende 2011 der Solarpark Alt Daber mit einer installierten Leistung von 67,8 Megawatt. Wenige Jahre später wurde die Anlage um ein Batteriespeicherkraftwerk erweitert und zählt heute zu den größten Energieprojekten der Region.

Denkmalgeschützte Gebäude erinnern an die Vergangenheit

Mehrere historische Funktionsgebäude, darunter die Fallschirm-Packhalle und ehemalige Werkstätten, stehen heute unter Denkmalschutz. Während der Beräumung der Rückbauflächen entdeckte der Munitionsbergungsdienst rund 5.000 Geschosse und Munitionsteile unterschiedlichster Kaliber – ein eindrucksvoller Beleg für die militärische Vergangenheit des Areals. Über viele Jahre zog der verlassene Flugplatz außerdem zahlreiche sogenannte Urban Explorer, Militärhistoriker und Schatzsucher an, die auf dem Gelände Relikte aus der Zeit der Wehrmacht, der sowjetischen Streitkräfte und der DDR suchten.

Bedeutendes Zeugnis deutscher Militärgeschichte

Der ehemalige Flugplatz Alt Daber vereint heute Geschichte, Denkmalpflege, Naturschutz und moderne Energiegewinnung auf einzigartige Weise. Wo einst Fallschirmjäger ausgebildet und sowjetische Jagdflugzeuge stationiert waren, prägen heute Solaranlagen, geschützte Biotope und historische Bauwerke das Bild. Damit bleibt das Gelände ein eindrucksvolles Zeugnis der wechselvollen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts und zugleich ein Beispiel für die erfolgreiche Umnutzung ehemaliger Militärflächen.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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