Bahnbetriebswerk Augsburg (2/2021)

Foto: SirJannikSon/CC BY-SA 4.0
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Das ehemalige Bahnbetriebswerk Augsburg, kurz Bw Augsburg, war über viele Jahrzehnte ein bedeutender Standort für Wartung und Instandhaltung von Lokomotiven in Bayern. Seine Ursprünge reichen bis in die Anfänge der Eisenbahn im Königreich Bayern zurück.

Die erste Fernstrecke in Bayern verband ab den 1840er Jahren München mit der Handelsstadt Augsburg. Während man in München ein provisorisches Bahnhofsgebäude aus Holz errichtete – das 1847 abbrannte – wurde in Augsburg am Roten Tor ein deutlich massiveres Bahnhofsensemble aus Ziegelsteinen gebaut. Neben Warte- und Büroräumen gab es dort auch eine einfache Lokomotivremise, die gleichzeitig als Lager und Werkstatt diente.

Mit dem wachsenden Bahnverkehr wurde der Bahnhof verlegt, um Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn zu erhalten. In der Nähe des neuen Hauptbahnhofs entstand Ende der 1840er Jahre eine größere Werkstattanlage. Die erste Remise wurde 1850 außer Betrieb genommen und anderweitig genutzt. Die neue Hauptreparaturwerkstatt umfasste zentrale Magazinräume, Heizbereiche für Lokomotiven, mehrere Remisen und Werkstätten. Aufgrund der hohen Kosten für Kohle aus England wurde anfangs auf Holz und Torf als Brennstoffe gesetzt. Erst später kam vermehrt Kohle aus dem Saarland zum Einsatz.

Die Anlage wurde ständig erweitert: 1860 wurde sie als „Bezirkswerkstätte und Centralmagazin“ bezeichnet, später als Hauptwerkstätte und schließlich ab 1873 als Betriebswerkstätte. Ab 1924 führte sie offiziell die Bezeichnung „Betriebswerk“. Schon früh spezialisierte sich die Einrichtung auf die Reparatur und Herstellung von Eisenbahnrädern – eine Praxis, die bis 1955 Bestand hatte.

Um 1900 waren dort rund 90 Lokomotiven beheimatet. Die Werkstätten wurden aus Platzgründen zwischen 1902 und 1906 ins Augsburger Hochfeld verlegt. Der neue Standort war mit zwei Ringlokschuppen, einer Schiebebühne, einer Wagenwerkstatt und zahlreichen Zusatzgebäuden das größte Bahnbetriebswerk der damaligen Reichsbahndirektion Augsburg. Es entstand eine eigene kleine Eisenbahner-Siedlung mit Verwaltungs- und Wohngebäuden sowie technischen Einrichtungen wie Lokauswaschanlage, Besandungseinrichtung und Entschlackungsanlage.

1914 waren bereits 123 Lokomotiven verschiedener bayerischer Bauarten dort stationiert. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen auch preußische und später Einheitslokomotiven zum Einsatz. Ab den 1930er-Jahren spielte der Standort eine zentrale Rolle in der Region, als die Elektrifizierung der Bahnstrecken begann. Neue Gebäude für Schulung, Versorgung und Wartung – inklusive Achssenken für die E-Lok-Wartung – wurden errichtet. Neben Dampfloks wurden zunehmend auch Elektro- und Diesellokomotiven unterhalten.

In den 1960er-Jahren erreichte das Betriebswerk mit bis zu 190 Lokomotiven seinen Höchststand. Beschäftigt waren dort zeitweise bis zu 1100 Mitarbeiter. Doch mit dem Auslaufen der Dampflokära und der Verdrängung älterer E-Lok-Modelle verlor das Bw Augsburg ab den 1970er-Jahren an Bedeutung. 1998 wurde es schließlich stillgelegt.

Heute wird das Gelände nur noch teilweise genutzt. Es beherbergt unter anderem eine Dieseltankstelle der DB Energie sowie Einrichtungen der Bayerischen Regiobahn, DB Regio und der Stauden-Verkehrs-Gesellschaft. Auch der Bahnpark Augsburg mit historischen Fahrzeugen ist hier untergebracht. Zudem ist ein Schrottverwerter auf dem Gelände aktiv.

Ein städtebaulicher Wettbewerb im Jahr 2002 sollte Ideen für die künftige Nutzung des 23 Hektar großen Areals entwickeln. Damit bleibt das ehemalige Bahnbetriebswerk ein spannendes Kapitel der Augsburger Industriegeschichte – mit Potenzial für neue Perspektiven.

Denkmal des Quartals

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