Flugplatz Brand-Briesen

Nur rund 60 Kilometer südlich von Berlin liegt der ehemalige Flugplatz Brand-Briesen – ein Ort, der in den vergangenen Jahrzehnten mehrere grundlegende Wandlungen erlebt hat. Was 1938 als Fliegerhorst der Wehrmacht begann und später zu einer der wichtigsten Frontbomberbasen der sowjetischen Streitkräfte in der DDR wurde, ist heute vor allem als Standort des Freizeitresorts Tropical Islands bekannt. Kaum ein ehemaliger Militärflugplatz in Ostdeutschland hat eine vergleichbare Entwicklung durchlaufen – von der militärischen Nutzung über ein ambitioniertes Luftschiffprojekt bis hin zu einem der größten Tourismusmagneten Deutschlands.

Wehrmacht errichtete den Fliegerhorst vor dem Zweiten Weltkrieg

Der Fliegerhorst Brand-Briesen entstand 1938 im Zuge des Ausbaus der deutschen Luftwaffe. Parallel zum Flugplatz wurden Kasernen, Versorgungsanlagen sowie ein Gleisanschluss zum Bahnhof Brand errichtet, um Personal und Material effizient transportieren zu können. Bereits 1939 erhielt der Standort eine rund 1.000 Meter lange Gras-Start- und Landebahn. Anders als viele andere Militärflugplätze war Brand zunächst kein Einsatzflugplatz, sondern diente überwiegend der Ausbildung angehender Piloten. Hier waren unter anderem das Flieger-Ausbildungs-Regiment 82 sowie später verschiedene Flugzeugführerschulen stationiert. Für die theoretische Ausbildung entstand eigens ein separates Schulgebäude.

Sowjetische Streitkräfte bauten den Flugplatz zur Frontbomberbasis aus

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die Sowjetarmee den Flugplatz und begann Anfang der 1950er Jahre mit einem umfassenden Ausbau. Aus dem vergleichsweise kleinen Ausbildungsflugplatz entwickelte sich innerhalb weniger Jahre eine moderne Frontbomberbasis. Die sowjetischen Streitkräfte errichteten eine rund 2.500 Meter lange betonierte Hauptstartbahn. Wenige Jahre später kam eine weitere, etwa 2.000 Meter lange Start- und Landebahn hinzu, die vor allem von Begleitjägern genutzt wurde. Die Anlage entstand nach einem im Ostblock weit verbreiteten Flugplatzkonzept. Charakteristisch war ein abgesetzter Rollweg, der zu einem separaten Bereich mit Flugzeugstellplätzen, Sheltern, Lagergebäuden und Munitionsbunkern führte. Diese dezentrale Bauweise sollte die Verwundbarkeit des Flugplatzes im Ernstfall verringern.

Sonderwaffenlager machte den Standort strategisch bedeutend

Im Laufe der Jahre wurde die militärische Infrastruktur kontinuierlich erweitert. Neben zusätzlichen Gefechtsständen entstand auf dem Gelände auch ein Sonderwaffenlager, in dem nukleare Fliegerbomben für die jeweils stationierten Flugzeugverbände gelagert wurden. Die befestigten Abstellflächen waren ursprünglich für Jagdflugzeuge vom Typ MiG-17 ausgelegt. Mit seiner Größe und Ausstattung entwickelte sich Brand zu einem der bedeutendsten Militärflugplätze der sowjetischen Luftstreitkräfte in der DDR. Bis zum Abzug der sowjetischen Truppen Anfang der 1990er Jahre waren auf dem Gelände rund 4.800 Soldaten und zivile Mitarbeiter beschäftigt. Zeitweise galt Brand als größter Militärflugplatz der DDR.

Nach dem Kalten Krieg begann eine spektakuläre Neunutzung

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte im Jahr 1990 verlor der Flugplatz seine militärische Funktion. Zwei Jahre später wurde das Gelände offiziell an die deutschen Behörden übergeben. 1998 erwarb die CargoLifter AG das weitläufige Areal. Ziel des Unternehmens war der Bau riesiger Lastenluftschiffe. Hierfür entstand eine gigantische Luftschiffhalle, die bis heute als größte freitragende Halle der Welt gilt. Das ambitionierte Projekt scheiterte jedoch bereits wenige Jahre später mit der Insolvenz des Unternehmens im Jahr 2002.

Tropical Islands machte den ehemaligen Militärflugplatz weltbekannt

Nach der Insolvenz übernahm ein malaysischer Investor das Gelände. Seit 2004 befindet sich in der ehemaligen Luftschiffhalle das Freizeitresort Tropical Islands, das sich zu einer der bekanntesten Tourismusattraktionen Deutschlands entwickelt hat. Die riesige Halle bietet heute eine tropische Erlebniswelt mit Wasserlandschaften, Sandstrand, Regenwald und Übernachtungsmöglichkeiten und zieht jährlich zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland an.

Flugplatz wird teilweise weiterhin genutzt

Trotz der touristischen Nutzung blieb ein Teil der ursprünglichen Flugplatzinfrastruktur erhalten. Seit 2008 dient der westliche Abschnitt der ehemaligen Start- und Landebahn als Ziellandefeld der traditionsreichen Flugrallye „Rund um Berlin“. Mit der Gründung der Tropical-Wings GmbH im Jahr 2010 entstand zudem das Ziel, den Flugplatz Brand wieder als Sonderlandeplatz zu aktivieren und die touristische Entwicklung durch den Luftverkehr zu ergänzen.

Ein außergewöhnlicher Wandel vom Militärstandort zum Freizeitresort

Der ehemalige Flugplatz Brand-Briesen steht heute exemplarisch für den erfolgreichen Strukturwandel ehemaliger Militärflächen. Aus einem streng abgeschirmten Luftwaffenstandort und späteren sowjetischen Frontbomberflugplatz entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein international bekanntes Freizeit- und Tourismuszentrum.

Gleichzeitig erinnern die erhaltenen Flugplatzanlagen und die Geschichte des Geländes bis heute an seine bedeutende Rolle während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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