Der ehemalige Flugplatz Schönwalde im Havelland gehört zu den historischen Militärstandorten im Berliner Umland, deren Geschichte eng mit der Aufrüstung des Deutschen Reiches, dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg verbunden ist. Zwischen Schönwalde-Glien und Hennigsdorf gelegen, entwickelte sich der Standort von einer Flugschule der Luftwaffe über einen sowjetischen Militärflugplatz bis hin zu einer Kaserne der sowjetischen Streitkräfte. Heute erinnert nur noch wenig an die einstige militärische Bedeutung des Geländes.

Geheimer Aufbau im Zuge der Wiederaufrüstung
Bereits 1935 begann das Reichsluftfahrtministerium im Rahmen der geheimen Wiederaufrüstung mit dem Erwerb großer Flächen rund um Schönwalde. Zunächst entstanden einfache Holzbaracken für die Bauarbeiter, ehe der Flugplatz in mehreren Bauabschnitten zu einem vollwertigen Fliegerhorst ausgebaut wurde. Bis 1939 verfügte der Standort über eine betonierte und beleuchtete Start- und Landebahn, moderne Flugzeughallen, Funkfeueranlagen sowie einen Gleisanschluss an die Bötzowbahn. Ergänzt wurde die Infrastruktur durch Kasernen, Wirtschaftsgebäude, eine Großküche, ein Offizierscasino und sogar ein Freibad für das stationierte Personal.

Flugschule bildete zahlreiche Luftwaffenpiloten aus
Noch während der Aufbauphase zog die Flieger-, Übungs- und Ausbildungsstelle Hennigsdorf auf den damals als Sportflugplatz Hennigsdorf bekannten Flugplatz Schönwalde um. Ende 1936 wurde daraus die Flugzeugführerschule A/B 11, die bis 1943 zahlreiche Piloten für die deutsche Luftwaffe ausbildete. Mit zunehmender Dauer des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Nutzung des Standorts. Ab 1943 war in Schönwalde die Ergänzungs- und Transportfliegergruppe des XIV. Fliegerkorps stationiert, die den Luftwaffenbetrieb unterstützte.

Rote Armee übernahm den Flugplatz kampflos
Kurz vor Kriegsende wurde der Flugplatz von der Wehrmacht geräumt. Am 24. April 1945 besetzten Truppen der 1. Belorussischen Front das Gelände nahezu ohne Widerstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die sowjetischen Streitkräfte den Flugplatz zunächst weiter. Seine Lage erwies sich jedoch als problematisch: Der Standort befand sich innerhalb der alliierten Luftkorridore nach Berlin. Jede Flugbewegung hätte daher mit den westlichen Alliierten abgestimmt werden müssen. Hinzu kam, dass die vorhandene Start- und Landebahn nicht ausreichend verlängert werden konnte, um moderne Strahlflugzeuge dauerhaft aufnehmen zu können. Dadurch verlor der Flugplatz schon nach wenigen Jahren seine Bedeutung als aktiver Luftwaffenstandort.

Erste sowjetische Strahlflugzeuge und Hubschrauber in Schönwalde
Trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen blieb der Flugplatz bis Mitte der 1950er-Jahre in Betrieb. Hier wurden unter anderem die ersten sowjetischen Strahlflugzeuge stationiert, deren Aktivitäten von westlichen Nachrichtendiensten genau beobachtet wurden. Bis 1965 nutzte außerdem eine sowjetische Hubschrauberstaffel den Standort. Danach endete die fliegerische Nutzung endgültig.

Aus Flugplatz wurde sowjetische Garnison
Nach dem Ende des Flugbetriebs wandelten die sowjetischen Streitkräfte das Gelände in eine Kaserne um. Ab 1965 war dort das 843. Garde-Artillerieregiment der 25. Garde-Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland stationiert. Über fast drei Jahrzehnte blieb Schönwalde ein wichtiger Garnisonsstandort der Sowjetarmee. Erst nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Abzug der russischen Truppen wurde das Gelände im Jahr 1992 an die deutsche Verwaltung zurückgegeben.

Bedeutender Militärstandort im Berliner Umland
Der Flugplatz Schönwalde spiegelt die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts eindrucksvoll wider. Von der geheimen Wiederaufrüstung der Wehrmacht über die Ausbildung deutscher Luftwaffenpiloten und die Nutzung durch die sowjetischen Luftstreitkräfte bis hin zur späteren Garnison der Roten Armee war der Standort über Jahrzehnte eng mit den militärischen Entwicklungen Europas verbunden.
Auch wenn heute keine Flugzeuge mehr in Schönwalde starten, bleibt der ehemalige Fliegerhorst ein bedeutendes Zeugnis der deutschen und sowjetischen Militärgeschichte im Land Brandenburg.
Hinweis
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