Der heutige Flugplatz Werneuchen östlich von Berlin blickt auf eine fast 90-jährige Geschichte zurück. Ursprünglich als Ausbildungsflugplatz der Luftwaffe errichtet, entwickelte sich der Standort während des Zweiten Weltkriegs zu einer wichtigen Einsatzbasis der Wehrmacht. Nach Kriegsende übernahm die Sowjetarmee das Gelände und baute es zu einem der wichtigsten Frontbomber- und später Aufklärungsflugplätze der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aus. Seit den 1990er Jahren wird der ehemalige Militärflugplatz zivil genutzt.
Wehrmacht errichtete modernen Ausbildungsflugplatz
Im Jahr 1935 begann das Reichsluftfahrtministerium mit dem Erwerb des Geländes östlich von Berlin. Bereits kurze Zeit später entstand dort ein moderner Ausbildungsflugplatz der Luftwaffe. Mit dem Ausbau weiterer militärischer Einrichtungen wurde die Garnison 1937 offiziell eröffnet und der Jagdfliegerschule Werneuchen übergeben. 1940 erhielt die Einrichtung den Namen Jagdfliegerschule 1. Ende 1942 wurde sie in Jagdgeschwader 101 umgewandelt und ein Jahr später nach Südfrankreich verlegt. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten außerdem mehrere Kampfgeschwader den Flugplatz als Ausgangsbasis für Einsätze. Bereits im August 1939 wurden Verbände des Kampfgeschwaders 26 nach Werneuchen verlegt. Kurz darauf starteten auch Einheiten des Kampfgeschwaders 27 von hier aus zu Luftangriffen während des Polenfeldzugs.

Werneuchen wurde wichtiger Einsatzflugplatz im Zweiten Weltkrieg
Mit zunehmender Kriegsdauer gewann der Flugplatz weiter an Bedeutung. Ab 1943 wurden unter anderem Teile des Nachtjagdgeschwaders 5 sowie weitere Jagd- und Schlachtfliegerverbände in Werneuchen stationiert. Besonders in den letzten Kriegsmonaten flogen diese Einheiten Einsätze gegen die vorrückenden sowjetischen Truppen an der Oder. Zeitgleich fanden auf dem Flugplatz auch technische Erprobungen statt. So testete eine Spezialstaffel 1943 das Radargerät FuG 200, das vor allem für die Bekämpfung von Schiffszielen entwickelt worden war.
Als sich die Wehrmacht im Frühjahr 1945 zurückzog, besetzte die Rote Armee den Flugplatz nahezu kampflos. Bereits kurz darauf wurden sowjetische Bombenfliegerverbände mit Maschinen des Typs Pe-2 stationiert, die bis zum Kriegsende Einsätze gegen Ziele im Raum Berlin und östlich der Hauptstadt flogen.

Sowjetische Luftstreitkräfte bauten den Flugplatz massiv aus
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Werneuchen ein bedeutender Stützpunkt der sowjetischen 16. Luftarmee. Zunächst waren mehrere Frontbomberregimenter mit Pe-2-Maschinen stationiert. Anfang der 1950er Jahre begann ein umfassender Ausbau der gesamten Anlage. Zwischen 1951 und 1952 entstand eine neue betonierte Start- und Landebahn mit einer Länge von 2.500 Metern. Bereits ab 1953 wurden moderne Strahlbomber vom Typ Iljuschin Il-28 in Werneuchen stationiert. In den folgenden Jahren gehörte der Flugplatz zu den wichtigsten Frontbomberbasen der sowjetischen Luftstreitkräfte in der DDR.
MiG-25 machte Werneuchen zu einem der modernsten Aufklärungsflugplätze
Ende der 1960er Jahre wandelte sich die Aufgabe des Flugplatzes grundlegend. Die bisherigen Bomberverbände wurden durch das 931. Selbstständige Garde-Aufklärungsfliegerregiment ersetzt. Zwischen 1971 und 1974 investierten die sowjetischen Streitkräfte erneut erheblich in den Ausbau der Infrastruktur. Es entstand ein Sonderwaffenlager vom Typ Granit-2 zur Lagerung nuklearer Munition. Zusätzlich wurde unter der Vorstartlinie eine unterirdische Tankanlage errichtet, um den Einsatz der neuen MiG-25-Aufklärungsflugzeuge zu ermöglichen. Die leistungsstarken MiG-25 blieben bis 1991 in Werneuchen stationiert und machten den Flugplatz zu einem der wichtigsten sowjetischen Aufklärungsstandorte in Mitteleuropa.
Historischer Tag der offenen Tür nach dem Kalten Krieg
Nach dem politischen Umbruch wurde der Flugplatz erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Am 1. Mai 1991 konnten Besucher erstmals in Deutschland eine MiG-25 aus nächster Nähe besichtigen – ein außergewöhnliches Ereignis, da dieser Flugzeugtyp zuvor streng geheim gehalten worden war. Noch im selben Jahr wurde das Aufklärungsregiment aufgelöst. Die verbliebenen Maschinen wurden zunächst nach Neu-Welzow verlegt und anschließend nach Russland zurückgeführt. Mit den letzten Materialtransporten im Jahr 1993 endete schließlich die militärische Nutzung des Flugplatzes.

Heute Sonderlandeplatz für Ausbildung und Geschäftsflüge
Bereits 1992 wurde Werneuchen für die zivile Luftfahrt freigegeben. Seitdem entwickelte sich der ehemalige Militärflugplatz zu einem regionalen Sonderlandeplatz. Da heute weniger als 1.000 Flugbewegungen pro Jahr stattfinden, werden große Teile des Geländes landwirtschaftlich genutzt. Schafe beweiden die Wiesen rund um die ehemalige Startbahn. Um illegale Autorennen zu verhindern, wurde die frühere Start- und Landebahn durch einen Erdwall geteilt. Für den Flugbetrieb steht heute ausschließlich der östliche Abschnitt zur Verfügung.
Luftsport, Flugausbildung und Luftbildfotografie prägen den Standort
Der Flugplatz wird heute vom Aeroclub „Melli Beese“ sowie der Ultraleichtflugschule Rosemann intensiv für Ausbildungs- und Trainingsflüge genutzt. Darüber hinaus starten und landen zahlreiche Privatpiloten regelmäßig in Werneuchen. Auch Geschäftsflugzeuge nutzen den Sonderlandeplatz. Zudem befindet sich hier seit 2007 die Hauptbasis der europaweit tätigen Luftbildagentur euroluftbild.de, die mehrere Flugzeuge für Luftbildaufnahmen stationiert hat.

Flugplatz Werneuchen verbindet Militärgeschichte mit moderner Luftfahrt
Der Flugplatz Werneuchen steht beispielhaft für den Wandel ehemaliger Militärstandorte in Ostdeutschland. Einst Ausbildungszentrum der Luftwaffe, später strategischer Aufklärungsflugplatz der sowjetischen Streitkräfte und heute ein regionaler Sonderlandeplatz für Luftsport, Flugausbildung und Geschäftsflüge – kaum ein anderer Flugplatz vereint so viele Kapitel deutscher und europäischer Luftfahrtgeschichte an einem Ort.
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