Flugplatz Neuhardenberg (Marxwalde)

Der heutige Flughafen Neuhardenberg im Landkreis Märkisch-Oderland zählt zu den bedeutendsten ehemaligen Militärflugplätzen Ostdeutschlands. Seine Geschichte beginnt bereits im Jahr 1934, als unter strenger Geheimhaltung der Bau des Flugplatzes begann. Im Laufe der Jahrzehnte diente das Gelände sowohl der Wehrmacht als auch der Roten Armee, der Nationalen Volksarmee (NVA) und später der Bundeswehr. Heute hat sich der ehemalige Militärstandort zu einem modernen Flughafen- und Gewerbezentrum entwickelt.

Geheimer Luftwaffenstandort und Erprobung neuer Technik

Der Flugplatz entstand im Zuge der militärischen Aufrüstung des Deutschen Reiches und wurde zunächst als strategischer Luftwaffenstandort errichtet. Bereits ab 1937 fanden auf dem Gelände erste Tests von Raketentriebwerken aus den Heinkel-Werken statt – ein Hinweis auf die Bedeutung des Flugplatzes für die Entwicklung neuer Luftfahrttechnologien. Zwischen 1939 und 1944 war in Neuhardenberg außerdem die Flugzeugführerschule Fürstenwalde untergebracht. Dort wurden Piloten auf mehrmotorigen Flugzeugen ausgebildet und auf ihre späteren Einsätze vorbereitet. Historischen Quellen zufolge nutzte vermutlich auch das Kampfgeschwader 27 „Boelcke“ den Flugplatz während des Überfalls auf Polen als Einsatzbasis.

Rote Armee machte Neuhardenberg zum Frontflugplatz

Mit dem Vormarsch der sowjetischen Truppen im Frühjahr 1945 ging der Flugplatz in die Hände der Roten Armee über. Während der Schlacht um Berlin wurde das Gelände als Frontflugplatz genutzt und spielte eine wichtige Rolle für die sowjetischen Luftstreitkräfte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ließ die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) den Großteil der vorhandenen Gebäude abreißen. Nur wenige Bauwerke blieben erhalten, bevor der Flugplatz später an deutsche Behörden übergeben wurde.

NVA baute den Flugplatz zu einem wichtigen Garnisonsstandort aus

Mit dem Aufbau der Nationalen Volksarmee erhielt Neuhardenberg erneut eine militärische Bedeutung. Ab 1957 wurde der Flugplatz umfassend modernisiert und zu einem bedeutenden Garnisonsstandort ausgebaut. Bereits zwei Jahre später verlegte die DDR ihre Regierungsfliegerstaffel – das Transportfliegergeschwader 44 – nach Neuhardenberg. Die dort stationierten Regierungsmaschinen standen unter strengster Bewachung durch Einheiten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die den Flugplatz rund um die Uhr sicherten.

Jagdflugzeuge und Hubschrauber prägten den Flugbetrieb

Neben den Regierungsflugzeugen waren in Neuhardenberg weitere militärische Verbände stationiert. Das Jagdfliegergeschwader 8 verlegte seinen Standort auf den Flugplatz und nutzte zusätzliche Einrichtungen am nahegelegenen Dolgensee. Ab 1969 ergänzte die Hubschrauberstaffel des Transportfliegergeschwaders 44 mit Mi-8-Transporthubschraubern den Flugbetrieb. Damit entwickelte sich der Flugplatz zu einem vielseitigen Luftwaffenstandort der DDR.

Bundeswehr nutzte den Flugplatz nach der Wiedervereinigung

Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm zunächst die Bundeswehr den Flugplatz. Von 1990 bis 1993 war hier das Lufttransportgeschwader 65 stationiert. Auch nach dem Abzug der Bundeswehr blieb der Standort zeitweise militärisch von Bedeutung. Während des Oderhochwassers 1997 diente Neuhardenberg als wichtige Einsatzbasis für Transporthubschrauber, die Hilfsgüter und Einsatzkräfte in die betroffenen Regionen brachten.

Privatisierung leitete den Strukturwandel ein

Nach dem Ende der militärischen Nutzung begann die zivile Entwicklung des Flugplatzes. Das Gelände wurde privatisiert und wird heute von der Airport Berlin-Neuhardenberg GmbH betrieben. Mit seiner 2.400 Meter langen und 50 Meter breiten Start- und Landebahn bietet der Flughafen ideale Voraussetzungen für Geschäftsflüge, Luftfahrtunternehmen und industrielle Ansiedlungen. Insgesamt stehen rund 230 Hektar Gewerbeflächen zur Verfügung, davon 45 Hektar mit direkter Anbindung an das Vorfeld.

Deutschlands einst größte Solaranlage entstand auf dem Flugplatz

Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des ehemaligen Militärgeländes war der Bau einer riesigen Photovoltaikanlage. Im Jahr 2012 entstand auf rund 200 Hektar die damals größte Solaranlage Deutschlands. Innerhalb weniger Wochen wurden etwa 600.000 Solarmodule installiert, die zusammen eine Leistung von 145 Megawatt erreichen. Seit 2013 speist die Anlage Strom ins öffentliche Netz ein und unterstreicht den Wandel des ehemaligen Militärflugplatzes hin zu einem modernen Energie- und Wirtschaftsstandort.

Flughafen Neuhardenberg verbindet Geschichte und Zukunft

Der Flughafen Neuhardenberg steht heute beispielhaft für die erfolgreiche Umnutzung ehemaliger Militärflächen. Wo einst geheime Luftwaffenprojekte, Regierungsflüge der DDR und militärische Einsätze den Alltag bestimmten, prägen heute Unternehmen, Gewerbeflächen und erneuerbare Energien das Bild. Mit seiner historischen Bedeutung, der leistungsfähigen Infrastruktur und seiner wirtschaftlichen Entwicklung gehört der Flughafen Neuhardenberg heute zu den wichtigsten Konversionsprojekten in Brandenburg.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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