Kavaliershaus in Bad Meinberg (3/2021)

Foto: Tsungam/CC BY-SA 3.0
Foto: Tsungam/CC BY-SA 3.0

Was einst ein vernachlässigtes Fachwerkhaus oberhalb des Kurorts Bad Meinberg war, hat sich in den letzten Jahren zu einem liebevoll restaurierten Kleinod mit kulturellem Wert entwickelt. Heute zieht das historische Gebäude mit seinen sanierten Räumen und Veranstaltungen zahlreiche Besucher an – insbesondere am Tag des offenen Denkmals, wenn bis zu 120 Gäste die einstige Remise besuchen. Von der wiederhergestellten Aussichtsplattform bietet sich ein beeindruckender Blick über den Kurpark von Bad Meinberg.

Schon Fürstin Pauline zur Lippe wusste die heilende Wirkung des Kurorts zu schätzen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts folgte ihr Graf Leopold zur Lippe-Biesterfeld, ein preußischer Generalmajor, und ließ sich auf dem Schanzenberg in einer prachtvollen Villa nieder. Das großzügige Gebäude, geschmückt mit Jugendstil-Fachwerk, wurde im Volksmund bald nur noch „das Schloss“ genannt. Es wurde jedoch in den späten 1960er-Jahren abgerissen.

Erhalten blieb lediglich das zugehörige Nebenhaus – ein langgezogenes Fachwerkgebäude mit Orangerie, Pferdestall und Kutscherhaus. Dieses diente in den Jahrzehnten danach dem Staatsbad als Lager, Werkstatt und Pflanzraum. Ein Teil des Hauses wurde weiterhin von der Familie eines ehemaligen Gärtners bewohnt. Doch insgesamt machte das Gebäude durch mangelhafte Pflege und zweckentfremdete Nutzung einen eher trostlosen Eindruck.

Im Jahr 2010 änderte sich alles: Das Ehepaar Filter – sie Innenarchitektin, er Architekt – erkannte das Potential des denkmalgeschützten Gebäudes und erwarb es. Die Restaurierung erfolgte mit großer Sensibilität und Respekt vor der historischen Substanz. Das Gebäude mit seiner schlanken Form – 35 Meter lang und nur 5,5 Meter breit – wurde behutsam instand gesetzt.

Die wichtigsten Sanierungsschritte umfassten die Stabilisierung der Fachwerkkonstruktion, die Restaurierung der Fenster sowie die Trockenlegung des Fundaments. Ziel war es, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten. Was ersetzt werden musste, wurde mit großer Sorgfalt und nur im nötigen Umfang modernisiert. Nach dem Einbau von Dämmung, Heizsystem und Versorgungsleitungen konnte das Haus bezogen werden.

Das Gebäude erfuhr eine durchdachte Umnutzung: Der ehemalige Pferdestall dient heute als Bibliothek, die Orangerie mit ihren großen Südfenstern wurde zu einem lichtdurchfluteten Wohn- und Veranstaltungsraum umgestaltet. Wo einst Gärtner ihre Pausen machten, befindet sich jetzt die Küche. Im Obergeschoss, früher Quartier für Schwäne im Winter, sind nun Schlaf-, Arbeits- und Gästezimmer untergebracht.

Die Filter-Familie hat es geschafft, das Haus sowohl privat als auch kulturell nutzbar zu machen. Durch kluge Planung und weitgehend eigenständig durchgeführte Umbauten entstand ein atmosphärischer Ort, der sowohl als Wohnhaus als auch für musikalische und künstlerische Veranstaltungen dient.

Das Kutscherhaus auf dem Schanzenberg ist heute nicht nur ein privates Wohnprojekt, sondern auch ein gelungenes Beispiel für nachhaltige Denkmalpflege. Die Verbindung aus historischer Substanz, energetischer Sanierung und kultureller Öffnung zeigt, wie ein altes Gebäude neues Leben erhalten kann – mit großem Respekt vor der Vergangenheit und einem kreativen Blick in die Zukunft.

Denkmal des Quartals

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