Flughafen Leipzig-Mockau

Foto: Ingbife/CC BY-SA 3.0
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Heute erinnern nur noch verfallene Gebäude an eine Zeit, in der Leipzig zu den bedeutendsten Luftfahrtstandorten Deutschlands gehörte. Der Flughafen Leipzig-Mockau war einst Heimat der größten Luftschiffhalle der Welt, Schauplatz königlicher Besuche, wichtiger Messelinien und später ein bedeutender Standort der deutschen Luftfahrtindustrie. Über Jahrzehnte prägte das Gelände die Entwicklung der Stadt – bis es schließlich von Industrieanlagen und dem Messegelände verdrängt wurde. Die Geschichte des Flughafens ist zugleich die Geschichte der deutschen Luftfahrt im 20. Jahrhundert – von der Pionierzeit der Zeppeline über zwei Weltkriege bis zum Ende des Flugbetriebs nach der Wiedervereinigung.

Leipzig investiert früh in die Zukunft der Luftfahrt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Luftfahrt als Zukunftstechnologie. Nachdem 1911 in Lindenthal bei Leipzig Sachsens erster ziviler Flugplatz eröffnet worden war, wollte auch die Messestadt selbst ein modernes Luftverkehrszentrum schaffen. 1913 gründeten Leipziger Unternehmer und Bürger die Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-Aktiengesellschaft (LEFAG). Die Stadt stellte dafür mehr als 100 Hektar des ehemaligen Ritterguts Mockau kostenlos zur Verfügung und unterstützte das Vorhaben finanziell. Damit war der Grundstein für einen der ambitioniertesten Luftfahrtstandorte Deutschlands gelegt.

Die größte Luftschiffhalle der Welt entsteht in Mockau

Noch vor der offiziellen Gründung der Betreibergesellschaft begann Anfang 1913 der Bau einer gigantischen Luftschiffhalle. Mit ihren gewaltigen Ausmaßen gehörte sie damals zu den spektakulärsten Ingenieurbauten Europas. Die Halle bot Platz für zwei Zeppeline gleichzeitig und galt bei ihrer Eröffnung als größte Luftschiffhalle der Welt. Zur Einweihung im Juni 1913 reiste sogar Luftfahrtpionier Graf Ferdinand von Zeppelin persönlich nach Leipzig. Gemeinsam mit dem sächsischen König Friedrich August III. eröffnete er den neuen Luftschiffhafen feierlich. Leipzig rückte damit schlagartig in die erste Reihe der internationalen Luftfahrtstandorte auf.

Vom Passagierverkehr zum Militärstandort

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs änderte sich die Nutzung des Flughafens grundlegend. Statt ziviler Flüge dominierten nun Militärluftschiffe und Flugzeuge das Bild auf dem Gelände. Mehrere Luftschiffer- und Marineeinheiten wurden in Mockau stationiert. Gleichzeitig siedelten sich Flugzeughersteller und Rüstungsbetriebe an, die den Standort zu einem wichtigen Produktionszentrum der deutschen Kriegswirtschaft machten. Die Entwicklung erhielt 1917 jedoch einen schweren Rückschlag: Die riesige Luftschiffhalle stürzte nach starken Schnee- und Eislasten ein und brannte vollständig aus.

Der „Weltflughafen“ erlebt seine zweite Blütezeit

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs drohte dem Flughafen zunächst das Aus. Doch bereits Anfang der 1920er-Jahre investierte die Stadt Leipzig erneut Millionen in den Ausbau der Anlagen. 1923 eröffnete Reichspräsident Friedrich Ebert den Flughafen offiziell als „Weltflughafen“ neu. Nachtflugverkehr, Messeflugverbindungen und moderne Abfertigungsanlagen machten Mockau zu einem wichtigen Knotenpunkt des aufkommenden Luftverkehrs.

Besonders die Leipziger Messe profitierte von den neuen Flugverbindungen, die Geschäftsreisende und Aussteller aus ganz Europa in die Messestadt brachten.

Konkurrenz aus Schkeuditz verändert die Luftfahrt in Leipzig

Die Gründung der Deutschen Lufthansa und der Ausbau des Flughafens Schkeuditz veränderten jedoch die Kräfteverhältnisse. Der neue Standort westlich von Leipzig bot bessere Erweiterungsmöglichkeiten und entwickelte sich zunehmend zum wichtigsten Flughafen der Region. Mockau verlor dadurch schrittweise an Bedeutung, blieb jedoch weiterhin ein wichtiger Standort für Flugzeugwartung und technische Dienstleistungen.

Rüstungszentrum im Zweiten Weltkrieg

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann für den Flughafen eine neue militärische Phase. Die Luftwaffe nutzte das Gelände intensiv, Flugschulen entstanden und zahlreiche Rüstungsunternehmen siedelten sich an. Unternehmen wie Junkers, Erla oder die Allgemeine Transportanlagen-Gesellschaft produzierten und warteten in Mockau Flugzeuge und Bauteile für die deutsche Luftwaffe. Dadurch wurde das Gelände zu einem strategischen Ziel alliierter Bomberverbände. Vor allem die schweren Luftangriffe des Jahres 1944 hinterließen massive Schäden an den Produktionsanlagen und Gebäuden.

Amerikaner und Sowjets übernehmen den Flughafen

Kurz vor Kriegsende besetzten amerikanische Truppen den Flughafen, bevor das Gelände wenige Monate später an die sowjetische Besatzungsmacht übergeben wurde. Die Sowjets demontierten große Teile der Industrieanlagen als Reparationsleistungen und transportierten Maschinen sowie Stahlkonstruktionen in die UdSSR. Damit endete die Ära Mockaus als bedeutender Industriestandort zunächst abrupt.

Die DDR bringt den Flugverkehr zurück

Bereits zur Leipziger Herbstmesse 1949 kehrte der zivile Flugverkehr nach Mockau zurück. Internationale Maschinen aus Osteuropa landeten wieder auf dem traditionsreichen Flughafen. In den folgenden Jahren wurde der Flughafen modernisiert. Die Startbahn wurde verlängert, ein neuer Tower entstand und die DDR-Lufthansa nahm Linienverbindungen nach Berlin, Dresden und Erfurt auf. Für die Leipziger Messe blieb Mockau weiterhin von großer Bedeutung. Zahlreiche Sonderflüge brachten Besucher und Geschäftsleute in die Stadt.

Das Ende einer Ära

Mit dem Ausbau des heutigen Flughafens Leipzig/Halle verlor Mockau endgültig seine Rolle als Verkehrsflughafen. 1972 startete die letzte Linienmaschine vom traditionsreichen Flugfeld. In den folgenden Jahren wurde das Gelände überwiegend für Agrarflüge und den Luftsport genutzt, bevor der Flugbetrieb nach der Wiedervereinigung endgültig eingestellt wurde. 1991 schloss der Flughafen seine Tore endgültig.

Verfall und neue Hoffnungen

Heute existieren nur noch wenige Zeugnisse der einstigen Luftfahrtgeschichte. Das historische Flughafengebäude mit Tower sowie das ehemalige Fliegerheim stehen zwar unter Denkmalschutz, sind jedoch seit Jahren dem Verfall ausgesetzt. Gleichzeitig gibt es seit längerem Pläne, das Areal wiederzubeleben. Investoren möchten die historischen Gebäude sanieren und durch ein modernes Hotel ergänzen. Ziel ist es, die Luftfahrtgeschichte Leipzigs mit neuen touristischen und wirtschaftlichen Perspektiven zu verbinden. Ob das ambitionierte Projekt tatsächlich umgesetzt wird, ist jedoch weiterhin offen.

Ein fast vergessenes Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte

Der Flughafen Leipzig-Mockau war über Jahrzehnte Symbol für technischen Fortschritt, wirtschaftliche Entwicklung und die internationale Bedeutung der Messestadt. Von den ersten Zeppelinflügen über die Luftfahrtindustrie bis zum DDR-Messeverkehr spiegelte das Gelände die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider. Heute erinnern nur noch wenige Gebäude an die einstige Bedeutung des Standorts – und an eine Zeit, als Leipzig zu den wichtigsten Luftfahrtzentren Deutschlands gehörte.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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