Mitten im Wald entstand Mitte der 1930er-Jahre eines der geheimsten Ausbildungszentren der neu aufgebauten deutschen Luftwaffe. Das sogenannte „Waldlager“ beherbergte die Fliegertechnische Schule und später die Höhere Fliegertechnische Schule – eine zentrale Bildungseinrichtung für Ingenieure, Techniker und Offiziere der Wehrmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Sowjetarmee das weitläufige Areal fast fünf Jahrzehnte lang als Ausbildungsstandort. Seit dem Abzug der russischen Truppen Anfang der 1990er-Jahre stehen die denkmalgeschützten Gebäude weitgehend leer und sind zunehmend dem Verfall preisgegeben.

Geheimes Ausbildungszentrum für den Aufbau der Luftwaffe
Mit der verdeckten Wiederaufrüstung Deutschlands begann das NS-Regime bereits früh mit dem Aufbau einer leistungsfähigen Luftwaffe. Am 14. August 1933 ordnete Reichsluftfahrtminister Hermann Göring die Einrichtung spezieller Ausbildungsstätten für das technische Personal der neuen Teilstreitkraft an. Zu diesem Programm gehörte auch die Errichtung einer Fliegertechnischen Schule, deren Aufgabe darin bestand, Ingenieure und Flugzeugtechniker für Wartung, Reparatur und Instandsetzung militärischer Flugzeuge auszubilden.
Hierfür entstand zwischen 1934 und 1935 unter strenger Geheimhaltung ein weitläufiger Garnisonskomplex. Neben der eigentlichen Schule umfasste das Gelände ein Luftzeugamt, umfangreiche Unterkunftsgebäude sowie einen militärischen Flugplatz. Innerhalb der Luftwaffe war der gesamte Standort unter der Bezeichnung „Waldlager“ bekannt.

Ausbildung für die modernste Luftwaffe Europas
Erster Kommandeur der Fliegertechnischen Schule war der spätere Generaloberst Kurt Student, der später als Begründer der deutschen Fallschirmtruppe bekannt wurde. Die Einrichtung entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Ausbildungszentren für das technische Personal der Luftwaffe. Hier lernten angehende Ingenieure und Mechaniker den Aufbau moderner Militärflugzeuge sowie deren Wartung und Instandsetzung.
1940 wurde die ursprüngliche Fliegertechnische Schule nach Warschau verlegt. Gleichzeitig zog die in Berlin gegründete Höhere Fliegertechnische Schule (HFTS) in das Waldlager ein und übernahm die zentrale technische Ausbildung der Luftwaffe.

Forschung, Entwicklung und Ausbildung für den Fronteinsatz
Während des Zweiten Weltkriegs gewann die Höhere Fliegertechnische Schule kontinuierlich an Bedeutung. Neben der klassischen Ingenieursausbildung übernahm sie zunehmend Spezialaufgaben für die deutsche Rüstungsindustrie. Technisches Personal aus den Fronteinheiten wurde hier auf neue Flugzeugtypen, Waffen- und Gerätesysteme geschult. Gleichzeitig bildete die Einrichtung kriegsversehrte Luftwaffenangehörige zu Technikern und Ingenieuren um, damit diese weiterhin in der Luftfahrtindustrie oder anderen militärischen Bereichen eingesetzt werden konnten.
Darüber hinaus wurden im Waldlager Forschungsarbeiten auf verschiedenen Gebieten der Luftfahrttechnik durchgeführt. Berichten zufolge verfügte das Gelände sogar über eine Versuchshalle mit eigenem Windkanal, in der aerodynamische Untersuchungen und fliegertechnische Experimente stattfanden. Auch Offiziere verbündeter Staaten wie Finnland, Kroatien, Bulgarien und Rumänien absolvierten hier ihre Ausbildung zu Fliegeringenieuren.

Kampflos in sowjetische Hand
Als sich die Front im Frühjahr 1945 Berlin näherte, räumten die letzten Angehörigen der Höheren Fliegertechnischen Schule das Gelände. Obwohl zahlreiche Gebäude bereits zur Sprengung vorbereitet worden waren, verzichteten die abziehenden deutschen Truppen letztlich auf deren Zerstörung. Am 20. April 1945 besetzte die Rote Armee den Flugplatz und die Garnison nahezu unversehrt. Damit begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Waldlagers.

Fast fünf Jahrzehnte Ausbildungszentrum der Sowjetarmee
Die architektonisch hochwertig gestalteten Kasernen eigneten sich hervorragend für eine weitere militärische Nutzung. Die sowjetischen Streitkräfte richteten hier ein Schulungszentrum für Offiziere der Panzertruppen und der Artillerie ein. Bis zum Abzug der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) im Jahr 1992 blieb das ehemalige Waldlager militärisches Sperrgebiet.
Während dieser Zeit erhielt das Gelände zahlreiche Anpassungen an die Bedürfnisse der sowjetischen Armee. Besonders auffällig war die Gestaltung des zentralen Exerzierplatzes. Dieser war in zwei Bereiche unterteilt, da Heer und Luftwaffe ihre Ausbildung getrennt durchführten. Auch die Gebäude unterschieden sich äußerlich: Die Unterkünfte der Heerestruppen waren anthrazitfarben gestrichen, während die Gebäude der Luftwaffe in Gelbtönen gehalten waren – ein bewusstes Erkennungsmerkmal der jeweiligen Teilstreitkraft.

Denkmalgeschützte Anlage wartet auf ihre Zukunft
Mit dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte verlor das Waldlager seine militärische Funktion. Obwohl die historische Fliegertechnische Schule unter Denkmalschutz steht und zu den architektonisch bemerkenswerten Kasernenanlagen der 1930er-Jahre zählt, konnte bislang keine dauerhafte Nachnutzung etabliert werden. Seit Jahrzehnten stehen die Gebäude leer. Witterung, Vandalismus und ausbleibende Sanierungsmaßnahmen setzen dem weitläufigen Ensemble zunehmend zu. Viele der einst repräsentativen Gebäude befinden sich inzwischen in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand.

Bedeutendes Zeugnis deutscher Luftfahrt- und Militärgeschichte
Das ehemalige Waldlager dokumentiert eindrucksvoll die Entwicklung der militärischen Luftfahrt im 20. Jahrhundert. Hier wurden Ingenieure und Techniker für die Luftwaffe ausgebildet, neue technische Verfahren erforscht und internationale Offiziere geschult. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Sowjetarmee die militärische Nutzung nahezu nahtlos fort und machte den Standort über Jahrzehnte zu einem wichtigen Ausbildungszentrum ihrer Panzer- und Artillerieoffiziere.
Heute erinnert die verlassene Garnison an zwei völlig unterschiedliche Militärsysteme, deren Geschichte sich an kaum einem anderen Ort so eindrucksvoll nachvollziehen lässt. Ohne eine nachhaltige Nutzung droht jedoch eines der bedeutendsten militärhistorischen Ensembles Deutschlands dauerhaft zu verfallen.
Hinweis
Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.
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