Hoch im Harz erinnert heute nur noch wenig an die Zeit, als an der Kurt-Heyder-Skisprungschanze regelmäßig junge Skispringer um Weiten und Platzierungen kämpften. Die ehemalige Anlage am Harzhaus war einst ein wichtiger Bestandteil des Wintersports in Benneckenstein und Schauplatz der DDR-Bezirks-Spartakiaden. Heute sind die Schanzen weitgehend sich selbst überlassen. Die Anlage wurde 1958 errichtet und bestand ursprünglich aus drei Schanzen: einer K28, einer K15 und einer K4. Damit war der Standort nicht allein für erfahrene Springer gedacht, sondern auch für den Nachwuchs. Benneckenstein entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der nordischen Disziplinen im Harz.

Besonders während der DDR-Zeit besaß die Anlage Bedeutung. Ab 1967 fanden hier regelmäßig Bezirks-Spartakiaden statt, bei denen Nachwuchssportler aus verschiedenen Teilen der DDR an den Start gingen. Für viele junge Wintersportler waren diese Wettbewerbe wichtige Stationen auf dem Weg in den Leistungssport.

Wintersport hatte in Benneckenstein Tradition
Die Schanze entstand nicht zufällig. Benneckenstein blickt auf eine lange Wintersporttradition zurück. Der örtliche Wintersportverein wurde bereits früh zu einer festen Größe im Sportleben der Harzstadt. Skispringen, Langlauf und die nordische Kombination gehörten zu den Disziplinen, die den Ort über Jahrzehnte prägten. Die Geschichte des heutigen WSV Benneckenstein von 1909 reicht ebenfalls weit zurück. Die Höhenlage des Ortes bot grundsätzlich gute Voraussetzungen für den Wintersport. Doch mit den veränderten klimatischen Bedingungen wurde der Betrieb der Schanzen zunehmend schwieriger.

Der Schnee wurde zum Problem
In den späten 1980er-Jahren ging die Nutzung der Anlage deutlich zurück. Schneemangel und steigende technische Anforderungen an moderne Skisprungschanzen machten den Betrieb immer schwieriger. Die einstige Sportstätte verlor damit allmählich ihre Bedeutung. Nach der deutschen Wiedervereinigung fehlten zudem die Strukturen, die den DDR-Leistungssport getragen hatten. Viele kleinere Sportanlagen gerieten unter erheblichen finanziellen Druck.

Neue Hoffnung durch Kunststoffmatten
Ganz aufgegeben wurde die Schanze zunächst nicht. 2008 begannen Renovierungsarbeiten, die unter anderem durch Spenden aus der Bevölkerung und von regionalen Unterstützern ermöglicht wurden. Die Schanzen sollten mit Kunststoffmatten ausgestattet und damit auch außerhalb des Winters nutzbar gemacht werden. Im Sommer 2009 wurden die umgebauten Mattenschanzen eingeweiht. Aus den ursprünglichen Anlagen wurden eine K30- und eine K12-Mattenschanze. Der Versuch, dem Standort damit eine neue Zukunft zu geben, schien zunächst erfolgreich.

32,5 Meter als Schanzenrekord
Ein bemerkenswerter Wert blieb der Schanzenrekord von 32,5 Metern, der 2004 von Christian Wunsch aufgestellt wurde. Damit dokumentiert die Schanze auch die sportliche Entwicklung der letzten Jahre ihres aktiven Betriebs. Doch auch die Modernisierung konnte den langfristigen Niedergang nicht verhindern.

Heute erinnert nur noch wenig an den Sportbetrieb
Die einstige Schanzenanlage ist inzwischen weitgehend ungenutzt. Das Gelände hat zunehmend den Charakter eines Lost Places angenommen. Bewuchs erobert Bereiche zurück, während die früher regelmäßig gepflegte Sportanlage langsam verschwindet. Besonders deutlich wurde der Bedeutungsverlust in den vergangenen Jahren. Der Wintersportverein Benneckenstein berichtete 2025, dass die Schanze nicht mehr dem Verein zugeordnet ist und nicht mehr in dessen Verantwortungsbereich liegt. Für den Verein bedeutete dies einen „traurigen Meilenstein“ in der Geschichte des Benneckensteiner Wintersports.
Bereits 2024 hatten Mitglieder verschiedener Wintersportvereine gemeinsam einen Arbeitseinsatz an der seit Jahren ungenutzten Anlage durchgeführt. Dabei ging es auch darum, das Gelände zu pflegen und die letzten sichtbaren Verbindungen zum Wintersport zu erhalten.

Ein Denkmal des DDR-Wintersports
Die Kurt-Heyder-Schanze ist heute mehr als eine verlassene Sportanlage. Sie steht für eine Zeit, in der der Wintersport in der DDR systematisch gefördert wurde und selbst kleinere Harzorte über eigene Sprungschanzen verfügten. Wo einst Kinder und Jugendliche mit Skiern den Anlauf hinunterrasten, herrscht heute weitgehend Ruhe. Der Wald holt sich die Schanze zurück – und mit ihr verschwindet ein Stück der Benneckensteiner Sportgeschichte.
