Hoch über der Bergstadt Altenau steht noch heute ein ungewöhnliches Relikt des Harzer Wintersports: die ehemalige Herzynia-Schanze am Glockenberg. Das gewaltige Beton- und Stahlgerüst ragt zwischen den Bäumen empor und erinnert daran, dass Altenau einst eine bedeutende Adresse für den nordischen Skisport war. Heute ist die Schanze längst außer Betrieb und hat sich zu einem markanten Lost Place entwickelt. Die Geschichte der Herzynia-Schanze reicht in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Bereits zuvor gab es in Altenau eine Skisprungschanze. 1964 begann der Neubau einer modernen Jugendschanze, die schließlich 1965 eingeweiht wurde und den Namen Herzynia-Schanze erhielt.

Für die Konstruktion wurde bewusst auf eine massive Bauweise gesetzt. Das Schanzengerüst entstand aus Beton und Stahl, während der eigentliche Belag des Anlaufs aus Holz gefertigt wurde. Damit sollte der kostenintensive Unterhalt gegenüber einer vollständig hölzernen Konstruktion reduziert werden.

Altenau als Wintersportort
Die Schanze war Teil einer langen Wintersporttradition im Oberharz. Altenau bot mit seiner Höhenlage und den umliegenden Wäldern gute Voraussetzungen für Skilanglauf, Skispringen und weitere nordische Disziplinen. Auch größere Wettbewerbe wurden in Altenau ausgetragen. Zu den bedeutenden Veranstaltungen gehörten die Deutschen Nordischen Skimeisterschaften 1957 und 1968. Damit besaß der Wintersportort zeitweise eine weit über die Region hinausreichende Bedeutung.

Eine beeindruckende Konstruktion
Besonders auffällig ist bis heute das gewaltige Anlaufgerüst. Die Betonkonstruktion hat die Jahrzehnte erstaunlich gut überstanden. Der einstige Holzbelag dagegen verschwand nach und nach. Die Dimensionen des Bauwerks machen noch heute deutlich, welchen Stellenwert der Skisprung in Altenau einst besaß. Zeitweise gehörte die Anlage zu den größeren Sprungschanzen Norddeutschlands.

Bis 1991 wurde gesprungen
Der aktive Betrieb endete nicht unmittelbar nach der politischen Wende. Nach Angaben der Betreiberseite beziehungsweise der regionalen Überlieferung wurde die Schanze bis 1991 genutzt. Danach setzte der endgültige Niedergang ein. Ein wesentlicher Grund war der Zustand des hölzernen Anlaufbelags. Teile lösten sich zunehmend und eine umfassende Sanierung war angesichts der fehlenden finanziellen Mittel nicht mehr realisierbar.
Der Holzbelag verschwindet – der Beton bleibt
Der damalige Rat der Bergstadt Altenau entschied schließlich, den maroden Holzbelag zu entfernen. Die massive Beton- und Stahlkonstruktion blieb jedoch stehen. Genau dieser Umstand sorgt dafür, dass die ehemalige Schanze bis heute deutlich sichtbar ist. Was damals vermutlich als pragmatische Lösung gedacht war, macht die Anlage heute zu einem ungewöhnlichen Zeugnis der Sportgeschichte.

Vom Sportplatz zum Lost Place
Inzwischen haben sich Moos, Pflanzen und Wald das Gelände zurückerobert. Die einst gepflegte Sportanlage wirkt verwittert und verlassen. Aus dem Ort, an dem Zuschauer Wettbewerbe verfolgten und junge Springer ihre ersten großen Sprünge wagten, ist ein stiller Erinnerungsort geworden. Das Schanzengerüst ist teilweise eingezäunt und darf nicht betreten werden.
Ein Relikt, das nicht verschwinden sollte
Die Herzynia-Schanze ist heute ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell sich die Bedeutung einer Sportstätte verändern kann. Jahrzehntelang war sie Bestandteil des Wintersports in Altenau, bevor fehlende Investitionen und veränderte Rahmenbedingungen ihr Ende besiegelten. Geblieben ist ein monumentales Stück Sportgeschichte: Das Beton- und Stahlgerüst am Glockenberg erzählt noch immer von einer Zeit, in der Skispringen im Harz zum festen Bestandteil des öffentlichen Lebens gehörte
