Friedhof der Lokomotiven Benndorf

Auf dem Gelände der Mansfelder Bergwerksbahn entsteht ein ungewöhnliches Bild: Auf Abstellgleisen stehen ausrangierte Lokomotiven, historische Wagen und andere Schienenfahrzeuge. Zwischen Gras, Rost und alten Gleisanlagen wirkt der Bereich wie ein „Friedhof der Lokomotiven“. Tatsächlich handelt es sich um einen Teil des historischen Eisenbahnstandorts Benndorf, der eng mit dem jahrhundertelangen Bergbau im Mansfelder Land verbunden ist. Die Mansfelder Bergwerksbahn war Teil eines weit verzweigten Netzes von Grubenanschlussbahnen. Auf der 750-Millimeter-Schmalspur wurden unter anderem Erz, Material und andere Güter zwischen Schächten, Hütten und Verarbeitungsbetrieben transportiert.

Heute ist die Bahn die älteste betriebsfähige Schmalspurbahn Deutschlands. Der Museumsbetrieb bewahrt einen Teil jener Eisenbahngeschichte, die einst unmittelbar mit dem Kupferschieferbergbau des Mansfelder Landes verbunden war.

Benndorf wurde zum wichtigen Eisenbahnstandort

Der Bahnhof Benndorf bildet heute den Ausgangspunkt der Museumsbahn. Neben den 750-Millimeter-Gleisen existieren dort auch Gleisreste der früheren elektrischen Kleinbahn Hettstedt–Helfta mit Normalspur. Ein Anschlussgleis diente einst unter anderem der Versorgung des Kraftwerks mit Kohle. Nach dem Ende des Bergbaus verschwanden große Teile des ursprünglichen Eisenbahnnetzes. Der Bahnhof und seine Nebengleise blieben jedoch teilweise erhalten.

Zwischen Abstellgleisen und Werkstatt

Was heute wie ein Lokomotivfriedhof wirkt, erfüllt teilweise weiterhin einen praktischen Zweck. Auf den alten Gleisen werden Schienenfahrzeuge abgestellt, die zu einem späteren Zeitpunkt in der MaLoWa Bahnwerkstatt aufgearbeitet werden können. Bei Veranstaltungen finden sich dort auch normalspurige Lokomotiven und Sonderfahrzeuge. Die MaLoWa entstand aus der früheren Bahnwerkstatt des VEB Mansfeld Kombinat „Wilhelm Pieck“. Nach 1990 konnte der traditionsreiche Werkstattstandort erhalten werden und spezialisierte sich auf die Reparatur historischer Dampf- und Diesellokomotiven sowie von Personen- und Güterwagen.

Ein ungewöhnlicher Blick auf die Eisenbahngeschichte

Besonders faszinierend ist die Mischung aus betriebsfähigen Museumsfahrzeugen, abgestellten Maschinen und teilweise stark verwitterten Wagen. Ein aktueller Bericht des LOK Report beschreibt den Bereich als großen Abstellhof mit zahlreichen ausrangierten Dampf- und Dieselfahrzeugen sowie Wagen unterschiedlichster Bauarten. Damit unterscheidet sich der Ort von klassischen Eisenbahnmuseen. Nicht jedes Fahrzeug steht restauriert auf einem Ausstellungsgleis. Manche Maschinen tragen sichtbar die Spuren jahrzehntelanger Nutzung und Abstellung.

Das Ende des Bergbaus veränderte alles

Bis 1969 wurden die Schächte des Mansfelder Reviers schrittweise geschlossen. Mit dem Ende des Kupferschieferbergbaus und der Verhüttung verlor auch das umfangreiche Grubenbahnnetz seine ursprüngliche Aufgabe. Der reguläre Betrieb der Mansfelder Bergwerksbahn endete schließlich ebenfalls. Dass heute dennoch Züge auf einem Teil der historischen Strecke fahren, ist vor allem dem Engagement des Vereins Mansfelder Bergwerksbahn zu verdanken. Seit den 1990er-Jahren wird die Strecke als Museumsbahn erhalten und betrieben.

Kein klassischer Lost Place

Der Begriff „Friedhof der Lokomotiven“ klingt nach einem vollständig aufgegebenen Ort. Ganz zutreffend ist das in Benndorf allerdings nicht. Das Gelände gehört weiterhin zum aktiven Museums- und Werkstattbetrieb. Die abgestellten Fahrzeuge sind daher nicht automatisch Schrott – manche warten auf Reparatur oder eine spätere Verwendung. Gerade diese Mischung macht den Standort interessant: Hier treffen lebendige Eisenbahngeschichte und sichtbare Spuren des Verfalls unmittelbar aufeinander.

Ein Stück Mansfelder Industriekultur

Der Lokomotivfriedhof von Benndorf erzählt letztlich nicht nur die Geschichte alter Maschinen. Er steht für das Ende einer ganzen Industrieepoche. Wo einst Bergwerke, Hütten und Grubenbahnen den Alltag bestimmten, fahren heute historische Züge für Besucher. Zwischen rostenden Wagen und betriebsfähigen Dampflokomotiven bleibt die Erinnerung an eine Eisenbahnwelt erhalten, die untrennbar mit dem Bergbau des Mansfelder Landes verbunden war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert