Berlin. Das Studentendorf Schlachtensee in Berlin erhält erneut umfangreiche Unterstützung für seine denkmalgerechte Sanierung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt für die Wiederherstellung der historischen Fassade des Gemeinschaftshauses in Haus 14 Fördermittel in Höhe von 70.000 Euro zur Verfügung. Finanziert wird die Maßnahme durch zahlreiche Spenden sowie Erträge aus der Lotterie GlücksSpirale.
Bereits zuvor hatte die Stiftung in diesem Jahr 100.000 Euro für weitere denkmalpflegerische Arbeiten bewilligt. Diese Mittel flossen unter anderem in Bauwerksabdichtungen, Außenputz- und Betonarbeiten, Instandsetzungen sowie in die Erneuerung von Fenstern, Bodenbelägen und Malerarbeiten an den Häusern 11 und 16. Mit der neuen Förderung wird die schrittweise Sanierung des gesamten Ensembles konsequent fortgesetzt.
Das Studentendorf Schlachtensee wurde zwischen 1957 und 1964 als Campusanlage nach amerikanischem Vorbild errichtet. Mit seiner offenen städtebaulichen Struktur gilt es als eines der bedeutendsten Beispiele der frühen Nachkriegsmoderne in Berlin. Seit 1991 stehen die insgesamt 28 Flachdachhäuser unter Denkmalschutz.
Die Gebäude gruppieren sich locker um einen zentralen Platz, an dem sich Verwaltung und Technikzentrale, das Gemeinschaftshaus mit Theatersaal, Mensa und Restaurant, ein Kindergarten sowie eine Bibliothek befinden. Entworfen wurde die Anlage von den ehemaligen Scharoun-Mitarbeitern Gogel, Fehling und Pfankuch. Die Gestaltung der großzügigen Außenanlagen übernahm der renommierte Gartenarchitekt Hermann Mattern.
Charakteristisch für das Ensemble ist die scheinbare Leichtigkeit der Architektur. Die klaren Formen, die flachen Dächer und die offene Anordnung der Baukörper sind prägnante Beispiele für die Architektur- und Gartenkunst der 1950er-Jahre. Auch die aus vier Bautypen bestehenden Gruppenhäuser spiegeln die funktionale Einfachheit und gestalterische Eleganz dieser Epoche wider.
Über seine architektonische Bedeutung hinaus besitzt das Studentendorf einen hohen historischen Symbolwert. Es steht für die hochschul- und gesellschaftspolitischen Ideale der Nachkriegszeit und verkörpert das Konzept der Campus-Universität. Neben der Amerika-Gedenkbibliothek und der Kongresshalle gilt es als wichtiges Zeichen freiheitlicher und demokratischer Wertvorstellungen im West-Berlin der Nachkriegsjahre – und als zentrales Kapitel in der Geschichte der Freien Universität Berlin.
Mit der erneuten Förderung unterstreicht die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die nationale Bedeutung des Studentendorfs Schlachtensee. Die Maßnahmen sollen sicherstellen, dass dieses außergewöhnliche Zeugnis der Nachkriegsmoderne auch künftig als lebendiger Ort des Studiums, der Begegnung und der Erinnerung erhalten bleibt.
