Stuttgart/Rottweil. Mitten im historischen Zentrum von Rottweil steht ein Gebäude vor einem grundlegenden Wandel. Das Alte Spital, das über Jahrhunderte hinweg Kranke versorgte und später unter anderem als Seniorenheim und Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde, soll künftig Hotelgäste beherbergen. Damit bekommt eines der bedeutendsten historischen Gebäude der Stadt eine neue Funktion – und zugleich eine neue Chance. Bevor allerdings die ersten Gäste einziehen können, muss das Baudenkmal dringend saniert werden. Vor allem das historische Dach bereitet Sorgen. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützt die erforderliche Dachsanierung deshalb mit 50.000 Euro aus Mitteln der GlücksSpirale.
Ein Bauwerk, das Rottweil seit Jahrhunderten prägt
Das „Spital zum Heiligen Geist“ gehört zu den markanten historischen Gebäuden Rottweils. Seine Geschichte reicht mindestens acht Jahrhunderte zurück. Über lange Zeit war das Gebäude vor allem ein Ort der Krankenpflege. Später kamen weitere Nutzungen hinzu. Die heutige Gestalt erhielt das Alte Spital allerdings erst im 16. Jahrhundert. In den 1570er-Jahren wurde das Gebäude am unteren Ende der Rottweiler Hauptstraße umfassend umgebaut und aufgestockt. Drei massiv gemauerte Geschosse prägen seitdem den Baukörper. Darüber entstand ein mächtiges Satteldach, das heute zu den wichtigsten erhaltenen Bauteilen des Denkmals zählt.
Ein Dachstuhl aus dem 16. Jahrhundert
Besonders bemerkenswert ist der historische Dachstuhl. Die für den Umbau benötigten Fichten wurden nach den vorliegenden Erkenntnissen im Winter 1575/76 gefällt. Bereits 1577 soll der Umbau abgeschlossen gewesen sein. Die Jahreszahl findet sich noch heute zweimal als Inschrift am Gebäude. Der Dachstuhl ist damit nicht nur alt, sondern ein außergewöhnlich gut ablesbares Zeugnis der Baugeschichte Rottweils. Nach Angaben der Denkmalstiftung handelt es sich um den größten noch erhaltenen Dachstuhl dieser Art in Rottweil. Gerade deshalb ist seine Sanierung von besonderer Bedeutung. Während im Inneren des Gebäudes kaum noch historische Oberflächen erhalten sind, besitzt das Dachtragwerk einen hohen denkmalpflegerischen Wert.
Wasser setzt dem historischen Tragwerk zu
Ausgerechnet der Teil des Gebäudes, der seine Geschichte besonders eindrucksvoll dokumentiert, ist inzwischen gefährdet. An mehreren Stellen ist Wasser in die Dachkonstruktion eingedrungen. Das hat bereits Schäden am hölzernen Tragwerk verursacht. Nun müssen beschädigte Holzteile fachgerecht instandgesetzt werden. Anschließend soll das Dach neu eingedeckt werden. Dabei steht nicht die möglichst schnelle Modernisierung im Vordergrund, sondern der behutsame Umgang mit der historischen Substanz. Die vorhandenen historischen Ziegel sollen nach Möglichkeit wiederverwendet werden. Fehlende oder nicht mehr verwendbare Exemplare sollen durch passende Nachbildungen ersetzt werden. So soll das charakteristische Erscheinungsbild des historischen Daches erhalten bleiben.
50.000 Euro für die Rettung des Dachstuhls
Unterstützung kommt von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Sie stellt 50.000 Euro aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale für die dringend notwendige Dachsanierung zur Verfügung. Bei der Übergabe des Zuwendungsvertrags hob Roland Bürkle, Vorstandsvorsitzender der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, die besondere Bedeutung des Gebäudes für die Stadtgeschichte hervor. Zugleich verwies er auf die bevorstehende Landesgartenschau 2028. Mit dem Umbau zum Hotel soll das Alte Spital künftig das größte Hotel am Ort werden.
Damit treffen Denkmalpflege und wirtschaftliche Entwicklung unmittelbar aufeinander. Das historische Gebäude muss erhalten werden – gleichzeitig muss sich seine neue Nutzung langfristig tragen.
Vom Krankenhaus zum Hotel
Die Geschichte des Alten Spitals ist auch eine Geschichte des ständigen Nutzungswandels. Über viele Jahrhunderte war das Gebäude eng mit der Krankenversorgung verbunden. Später diente es als Seniorenheim und zeitweise als Unterkunft für Flüchtlinge. Zuletzt stand das Gebäude längere Zeit leer. Gerade bei historischen Großbauten ist ein solcher Leerstand häufig der Beginn eines schleichenden Verfalls. Fehlende Nutzung bedeutet fehlende Einnahmen für Unterhalt und Sanierung. Gleichzeitig steigen die Kosten, je länger notwendige Arbeiten aufgeschoben werden. Der geplante Hotelumbau könnte diesen Kreislauf nun durchbrechen.
Landesgartenschau 2028 als zusätzlicher Impuls
Für Rottweil kommt die neue Nutzung zu einem wichtigen Zeitpunkt. 2028 findet in der Stadt die Landesgartenschau statt. Damit wird die Stadt zusätzliche Besucherinnen und Besucher empfangen. Ein saniertes historisches Gebäude in zentraler Lage könnte dabei zu einem wichtigen Bestandteil des touristischen Angebots werden. Der Hotelumbau ist deshalb mehr als eine reine Umnutzung eines alten Gebäudes. Er verbindet Denkmalpflege, Tourismus und Stadtentwicklung miteinander.
Dass ausgerechnet ein Gebäude mit einer jahrhundertealten Geschichte künftig Reisende beherbergen soll, besitzt dabei eine gewisse Konsequenz: Das Alte Spital war über Jahrhunderte ein Ort für Menschen, die vorübergehend in Rottweil unterkamen. Künftig werden es vor allem Urlauber und Geschäftsreisende sein.
Ein Denkmal bekommt eine neue Zukunft
Auch Lotto Baden-Württemberg sieht in der Sanierung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Kulturdenkmals. Marina Roßmann, Regionaldirektorin von Lotto Baden-Württemberg, betonte bei der Übergabe der Fördermittel, dass das Alte Spital seit Jahrhunderten zum historischen Stadtbild Rottweils gehöre. Mit der Unterstützung solle insbesondere der historische Dachstuhl für die Zukunft gesichert werden.
Damit könnte sich für das lange leer stehende Gebäude eine entscheidende Wende abzeichnen. Statt weiter auf eine ungewisse Zukunft zu warten, bekommt das Alte Spital eine konkrete Perspektive. Die Geschichte des Gebäudes wird dadurch nicht beendet, sondern fortgeschrieben. Aus dem mittelalterlichen Spital wird ein modernes Hotel – doch über den Köpfen der künftigen Gäste bleibt ein Dachstuhl erhalten, dessen Holz bereits im 16. Jahrhundert geschlagen wurde.
