DDR-Spaßbad SEZ wird plattgemacht

Foto: Stefan Foerster GmbH/WBM
Foto: Stefan Foerster GmbH/WBM

Berlin. Trotz Abriss-Stopp hält der Berliner Senat am umstrittenen Ende des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Friedrichshain fest. Bausenator Christian Gaebler (SPD) und die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM haben nun eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, die zeigt, was an der Landsberger Allee entstehen soll, wenn das frühere DDR-Freizeitbad endgültig verschwindet: ein neues Großquartier mit bis zu 680 Wohnungen – deutlich mehr als ursprünglich geplant.

Nach den Plänen sollen auf dem Areal an der Ecke Landsberger Allee/Danziger Straße serielle Wohnbauten errichtet werden. Betonfertigteile, klare Kanten, schnelle Umsetzung – so sieht das Konzept aus, das Gaebler ausdrücklich begrüßt. Für den Senator ist die höhere Wohnungszahl ein Erfolg: Berlin brauche dringend neuen Wohnraum, sagte er. Das geplante Quartier solle „lebendig und nachhaltig“ werden und neben Wohnungen auch eine Schule, Grünflächen sowie Sportangebote umfassen.

Baubeginn könnte bereits Ende 2026 sein. Nach Angaben der WBM sollen rund 1500 Menschen hier ein neues Zuhause finden. Allerdings wird nur etwa die Hälfte der 680 Wohnungen öffentlich gefördert sein. Der Rest dürfte zu Marktmieten angeboten werden – ein Punkt, der bereits jetzt Kritik hervorruft, gerade in einem Bezirk mit stark steigenden Mieten.

Die WBM betont dennoch das „große Potenzial“ des Standorts. Entlang der Landsberger Allee sind Gewerbe-, Dienstleistungs- und Sportflächen im Erdgeschoss vorgesehen. Im Inneren des Quartiers soll eine parkähnliche Grünfläche entstehen, ergänzt durch eine Schule. Geplant ist zudem ein sogenannter Historien-Parcours, der an die Geschichte des Ortes erinnern soll.

Viel vom einstigen DDR-Spaßbad wird allerdings nicht bleiben. Lediglich einzelne Bauelemente wie Fachwerkstützen der ehemaligen Schwimmhalle oder markante Gestaltungselemente sollen in den Neubau integriert werden – eher symbolische Relikte als echte Erinnerung. Kritiker sprechen bereits von einem „Alibi-Gedenken“.

Zusätzliche Brisanz erhält das Projekt durch die Haltung des Landesdenkmalamts. Dessen Leiter Christoph Rauhut hatte zwar entschieden, das SEZ nicht unter Denkmalschutz zu stellen, zugleich aber betont, dass dies kein Freibrief für den Abriss sein müsse. Dennoch treibt der Senat die Planungen unbeirrt voran.

Damit spitzt sich der Konflikt weiter zu: Auf der einen Seite der politische Wille, möglichst schnell neue Wohnungen zu schaffen, auf der anderen Seite der Verlust eines identitätsstiftenden Ortes und die Frage, wie viel bezahlbarer Wohnraum tatsächlich entsteht. Klar ist schon jetzt: Wenn die Bagger wieder anrollen, wird an der Landsberger Allee ein weiteres Stück Berliner Stadtgeschichte dem Wohnungsdruck geopfert.

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