Neunkircher Industriegeschichte entdecken

Foto: Kreisstadt Neunkirchen/Neufang-Hartmuth
Foto: Kreisstadt Neunkirchen/Neufang-Hartmuth

Neunkirchen. Die industrielle Vergangenheit Neunkirchens wird im August 2026 bei fünf öffentlichen Führungen erlebbar. Der historische Hüttenweg führt zu Relikten des ehemaligen Eisenwerks und macht sichtbar, wie stark die Stadt über Jahrzehnte von der Montanindustrie geprägt wurde. Die Kreisstadt Neunkirchen bietet dabei unterschiedliche Touren an – von technischen Einblicken bis zur Kostümführung.

Den Auftakt bildet am 2. August eine klassische Hüttenwegführung mit Gästeführerin Jutta Schneider. Auf dem Programm stehen unter anderem die Besteigung des Hochofens, die Besichtigung der historischen Gasgebläsemaschine und ein kurzer Einblick in den Spitzbunker. Damit führt der Rundgang unmittelbar zu den technischen Hinterlassenschaften des einst bedeutenden Eisenstandorts. Die erhaltenen Anlagen vermitteln einen Eindruck von den Dimensionen und den Arbeitsabläufen des früheren Hüttenwerks.

Technikführung erklärt die Abläufe des Eisenwerks

Am 9. August übernimmt Gästeführer Norbert Morawietz eine spezielle Technikführung. Im Mittelpunkt stehen die technischen Prozesse des ehemaligen Eisenwerks. Die Tour richtet sich damit besonders an Besucher, die sich für die Funktionsweise der historischen Industrieanlagen interessieren. Nicht allein die Architektur der Relikte steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie die einzelnen technischen Bereiche einst zusammenspielten.

Spitzbunker erinnert an die Schattenseiten der Industriegeschichte

Eine Woche später, am 16. August, geht es erneut mit Morawietz auf Spurensuche. Dieses Mal steht der Spitzbunker im Mittelpunkt. Der erhaltene Bunker verweist auf eine andere Seite der industriellen Vergangenheit: Die großen Hüttenstandorte waren nicht nur Arbeits- und Produktionsstätten, sondern wurden im Zweiten Weltkrieg auch zu Orten des Luftschutzes. Die Führung beginnt deshalb nicht am üblichen Treffpunkt, sondern direkt am Bunker in der Peter-Neuber-Allee.

Familienfreundlicher Rundgang durch das Hüttengelände

Am 22. August folgt mit „Hüttenweg auf die Schnelle“ ein kürzerer Rundgang, der familienfreundlich und barrierefrei gestaltet ist. Gästeführerin Marina Morgan führt die Teilnehmer zunächst zur Gasgebläsemaschine. Anschließend verläuft die Tour über den Susan-Weinert-Weg und vorbei an weiteren Relikten des ehemaligen Eisenwerks. Das Angebot ermöglicht damit auch Besuchern mit weniger Zeit einen kompakten Zugang zur Neunkircher Industriegeschichte.

„Alfred & Bertha“ lassen die Hüttenzeit lebendig werden

Den Abschluss des August-Programms bildet am 30. August eine besondere Kostümführung. Unter dem Titel „Alfred & Bertha“ schlüpfen Heike Lismann-Gräß und Paulina Gräß in historische Rollen. Als Hüttenwerksarbeiter und Stumm-Tochter erzählen sie aus einer vergangenen Arbeits- und Lebenswelt. Die Führung soll die Geschichte des ehemaligen Eisenwerks nicht nur anhand von Gebäuden und Maschinen vermitteln, sondern auch die Menschen und ihren Alltag in den Mittelpunkt stellen.

Fünf Termine, unterschiedliche Perspektiven

Das August-Programm zeigt, wie vielseitig die Beschäftigung mit dem historischen Hüttenareal sein kann. Während eine Führung die technischen Anlagen erklärt, widmet sich eine andere dem Spitzbunker. Der familienfreundliche Rundgang konzentriert sich auf einen kompakten Überblick, während die Kostümführung Geschichte aus der Perspektive ihrer damaligen Bewohner und Beschäftigten vermittelt. Damit wird das ehemalige Eisenwerk aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfahrbar – als Industriestandort, technisches Denkmal, Arbeitsort und historischer Lebensraum.

Treffpunkt an der Stummschen Reithalle

Die öffentlichen Führungen beginnen jeweils um 15 Uhr. Treffpunkt ist grundsätzlich der Vorplatz der Stummschen Reithalle in der Saarbrücker Straße. Eine Ausnahme bildet die Spitzbunker-Führung am 16. August, die direkt am Bunker startet. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren zahlen 6 Euro, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 13 Jahre können kostenlos teilnehmen. Weitere Informationen zu den Führungen und zum historischen Hüttenweg stellt die Kreisstadt Neunkirchen bereit.

Industriekultur macht Vergangenheit sichtbar

Das Neunkircher Hüttenareal gehört zu den eindrucksvollen Zeugnissen der saarländischen Industriegeschichte. Zwischen erhaltenen technischen Anlagen, Bunkern und weiteren Relikten lässt sich nachvollziehen, welche Bedeutung die Eisen- und Stahlindustrie für die Entwicklung der Stadt hatte. Die Führungen schlagen dabei eine Brücke zwischen Denkmal und lebendiger Vermittlung. Statt die Relikte lediglich aus der Distanz zu betrachten, erfahren Besucher, wie die Anlagen funktionierten, welche Menschen dort arbeiteten und welche Spuren die industrielle Vergangenheit bis heute hinterlassen hat.

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