Weißenfels. Rückschlag für die geplante Wiederbelebung des historischen INTEX in Weißenfels: Der Fördermittelantrag für die Sanierung des leerstehenden Industriedenkmals ist zurückgezogen worden. Damit steht das Vorhaben, das Gebäude mit Hilfe von Strukturwandermitteln zu sanieren und anschließend wieder öffentlich nutzbar zu machen, vorerst vor dem Aus. Für die Stadt ist die Entscheidung besonders bitter. In den vergangenen Monaten hatte sie gemeinsam mit dem privaten Eigentümer nach einer Lösung gesucht, um das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und gleichzeitig eine wirtschaftlich tragfähige Nutzung zu ermöglichen. Eine Einigung mit dem Fördermittelgeber kam letztlich jedoch nicht zustande.
INTEX sollte neues Leben bekommen
Das INTEX gehört zu den markanten Zeugnissen der industriellen Vergangenheit von Weißenfels. Das leerstehende Gebäude sollte ursprünglich mit Unterstützung des Strukturwandels saniert und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Stadt wollte dabei zwei Ziele miteinander verbinden: Zum einen sollte ein bedeutendes Industriedenkmal erhalten werden. Zum anderen sollte das Gebäude eine Nutzung erhalten, die wirtschaftlich dauerhaft funktionieren kann. Genau an diesem Punkt geriet das Förderverfahren ins Stocken.
Fördergeber stellte höhere Anforderungen
Das Projekt war zunächst in einer ersten Auswahlrunde des Strukturwandel-Förderprogramms „Industriedenkmäler“ berücksichtigt worden. Damit war die Hoffnung verbunden, dass eine Sanierung des INTEX mit umfangreicher finanzieller Unterstützung möglich werden könnte. Im weiteren Verfahren änderten sich jedoch die Rahmenbedingungen. Nach Angaben der Stadt wurden vom Fördermittelgeber deutlich weitergehende Anforderungen gestellt – insbesondere hinsichtlich der konkreten Nutzung und Ausgestaltung des Gebäudes. Für die Stadt und den privaten Eigentümer entstand damit ein schwieriger Zielkonflikt.
Stadt wollte öffentliche Nutzung und private Entwicklung verbinden
Weißenfels setzte sich nach eigenen Angaben für eine flexible Lösung ein. Teile des Gebäudes sollten öffentlich zugänglich bleiben, gleichzeitig sollte der Eigentümer ausreichend Spielraum für eine wirtschaftlich tragfähige Entwicklung erhalten. Aus Sicht der Stadt hätte genau diese Kombination eine realistische Perspektive für das INTEX eröffnen können. Doch die unterschiedlichen Vorstellungen ließen sich offenbar nicht auf einen gemeinsamen Förderansatz bringen. Am Ende zog der Privateigentümer den Förderantrag zurück. Damit ist das aktuelle Förderverfahren beendet.
Oberbürgermeister kritisiert Förderbedingungen
Oberbürgermeister Martin Papke bedauert die Entwicklung deutlich. Er kritisiert insbesondere, dass die vom Bund vorgegebenen Rahmenbedingungen aus seiner Sicht nicht ausreichend Raum für den von der Stadt angestrebten Kompromiss gelassen hätten. Papke sieht darin auch ein grundsätzliches Problem: Kommunale Akteure müssten die Möglichkeit behalten, gemeinsam mit Eigentümern Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Erhalt historischer Gebäude als auch deren wirtschaftliche Nutzung ermöglichen. Gleichzeitig will die Stadt das INTEX nicht abschreiben.
INTEX bleibt auf der Agenda der Stadt
Trotz des zurückgezogenen Förderantrags betont die Stadt, dass die Entwicklung des Areals weiterhin ein wichtiges Ziel bleibt. Dabei könnte ein neues Instrument eine Rolle spielen: Das Sanierungsgebiet „Neustadt Gründerzeit“ tritt zum 31. Juli 2026 in Kraft. Nach Einschätzung des Oberbürgermeisters eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, die Zukunft des INTEX und seines Umfelds ganzheitlicher zu betrachten. Damit könnte der aktuelle Rückschlag zugleich der Ausgangspunkt für eine neue Strategie werden.
Noch keine neue Lösung in Sicht
Wie eine solche Strategie konkret aussehen könnte, ist allerdings offen. Die Stadt kündigt an, den Dialog mit dem Eigentümer fortzusetzen. Ziel bleibt eine Lösung, bei der das historische Gebäude erhalten und gleichzeitig einer nachhaltigen Nutzung zugeführt werden kann. Konkrete Pläne für eine alternative Finanzierung oder ein neues Nutzungskonzept liegen derzeit jedoch nicht vor. Damit bleibt das INTEX zunächst ein Gebäude zwischen Anspruch und Realität: Der politische Wille zum Erhalt ist vorhanden, eine finanzierbare und förderfähige Umsetzung fehlt bislang. Die entscheidende Frage: Was passiert mit dem Leerstand?
Für das Industriedenkmal ist die Situation nicht unproblematisch. Je länger ein historisches Gebäude leer steht, desto größer können die Herausforderungen für Sicherung, Sanierung und spätere Nutzung werden. Eine langfristige Perspektive ist deshalb entscheidend. Ein erneuter Förderanlauf wäre ebenso denkbar wie eine veränderte Nutzung oder ein anderes Finanzierungsmodell. Entscheidend wird sein, ob Stadt und Eigentümer einen Weg finden, der den Anforderungen des Denkmalschutzes ebenso gerecht wird wie den wirtschaftlichen Realitäten.
Sanierungsgebiet könnte neue Chance eröffnen
Mit dem neuen Sanierungsgebiet „Neustadt Gründerzeit“ besitzt Weißenfels zumindest ein zusätzliches Instrument für die weitere Entwicklung. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass damit die Finanzierung der INTEX-Sanierung gesichert wäre. Vielmehr eröffnet die neue städtebauliche Ausgangslage die Möglichkeit, das Gebäude stärker in die Entwicklung des gesamten Quartiers einzubinden. Genau darin könnte eine Chance liegen: Das INTEX nicht isoliert als einzelnes Sanierungsobjekt zu betrachten, sondern als Bestandteil einer größeren städtebaulichen Entwicklung.
Industriedenkmal bleibt eine Herausforderung
Der zurückgezogene Förderantrag ist deshalb zwar ein Rückschlag, aber nach Einschätzung der Stadt noch kein endgültiges Aus für das INTEX. Die Kommune will weiter mit dem Eigentümer im Gespräch bleiben und nach Lösungen suchen. Entscheidend wird sein, ob sich künftig ein Konzept finden lässt, das Denkmalschutz, öffentliche Zugänglichkeit und wirtschaftliche Nutzung miteinander verbindet. Für Weißenfels geht es dabei um mehr als die Sanierung eines einzelnen Gebäudes. Das INTEX steht für einen Teil der industriellen Geschichte der Stadt – und damit auch für die Frage, wie Weißenfels mit seinem baulichen Erbe umgehen will. Noch ist die Zukunft des Industriedenkmals offen. Klar ist bislang nur: Der erste Versuch, das INTEX über das Strukturwandelprogramm „Industriedenkmäler“ zu retten, ist gescheitert. Jetzt muss eine neue Lösung gefunden werden.
