Waldkraiburg. Ein unterirdischer Bau wird zum Geschichtsbuch: Das Geschichtszentrum und Museum Mühldorf lädt zu einer Führung durch den „Bunker 29“ in Waldkraiburg ein. Der Rundgang verbindet die Geschichte des ehemaligen Rüstungsstandorts mit der Entwicklung der Stadt und der regionalen Industrie. Die Führung übernimmt Eva Köhr. Auf dem etwa sechs Räume umfassenden Rundgang werden unterschiedliche Kapitel der Waldkraiburger Geschichte beleuchtet – von den Anfängen des Pulverwerks während des Zweiten Weltkriegs bis zum wirtschaftlichen Neubeginn nach 1945.
Vom Pulverwerk zur Industriestadt
Der „Bunker 29“ steht exemplarisch für die ungewöhnlich wechselvolle Entstehungsgeschichte Waldkraiburgs. Die Geschichte des Ortes reicht zurück bis 1940, als hier ein Pulverwerk entstand. Die damaligen Anlagen bildeten den Ausgangspunkt für eine Entwicklung, die den Ort nachhaltig prägen sollte. Nach dem Ende des Krieges wandelte sich die Nutzung des Areals grundlegend. Aus den Hinterlassenschaften des ehemaligen Rüstungsstandorts entwickelte sich schrittweise eine neue wirtschaftliche Struktur.
Sechs Räume erzählen eine wechselvolle Geschichte
Während der Führung geht es durch insgesamt sechs Räume des Bunkers. Jeder Bereich eröffnet einen anderen Blick auf die Vergangenheit des Ortes. Dabei wird nicht nur die Kriegs- und Rüstungsgeschichte thematisiert. Einen wichtigen Schwerpunkt bildet auch der wirtschaftliche Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg und die spätere Entstehung einer leistungsfähigen regionalen Industrie. So wird der Bunker zu einem Bindeglied zwischen verschiedenen Epochen: Er erinnert an die Entstehung des Pulverwerks, dokumentiert die Umbrüche der Nachkriegszeit und verweist zugleich auf die industrielle Entwicklung Waldkraiburgs.
Ein historischer Ort mit ungewöhnlicher Atmosphäre
Bunker und ehemalige Rüstungsanlagen gehören zu den besonders eindrucksvollen Zeugnissen der deutschen Zeitgeschichte. Ihre massive Bauweise und die abgeschlossenen Räume vermitteln bis heute einen unmittelbaren Eindruck von der Funktion solcher Anlagen. Der „Bunker 29“ ist dabei nicht nur ein bauliches Relikt. Seine Räume stehen für eine Entwicklung, die eng mit der Entstehung Waldkraiburgs verbunden ist. Gerade die Verbindung von Architektur und Geschichte macht den Ort für Besucher interessant. Der Rundgang ermöglicht es, historische Entwicklungen nicht ausschließlich über Dokumente und Fotografien kennenzulernen, sondern unmittelbar am erhaltenen Bauwerk.
Geschichte statt Lost-Place-Romantik
Obwohl der „Bunker 29“ auf den ersten Blick auch an einen klassischen Lost Place erinnern mag, steht bei der Führung eindeutig die historische Vermittlung im Vordergrund. Es geht nicht um den spektakulären Verfall eines verlassenen Gebäudes, sondern um die Geschichten, die mit dem Bauwerk verbunden sind. Der Bunker wird damit zum authentischen Schauplatz regionaler Erinnerungskultur. Besonders deutlich wird dabei, wie eng die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, der Nachkriegszeit und des wirtschaftlichen Aufbaus miteinander verbunden sind.
Führung im April 2026
Die Veranstaltung findet am Sonntag, 26. April 2026, ab 14 Uhr im „Bunker 29“ am Schweidnitzer Weg 6 in Waldkraiburg statt. Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Anmeldungen nimmt das Geschichtszentrum unter 08631 / 699 980 oder per E-Mail an info@museum-muehldorf.de entgegen.
Ein Bunker als Zeugnis des Wandels
Der „Bunker 29“ macht eine Besonderheit der Waldkraiburger Stadtgeschichte sichtbar: Wo während des Zweiten Weltkriegs eine Rüstungsproduktion entstand, entwickelte sich nach 1945 ein neuer Wirtschaftsstandort. Damit steht das Bauwerk für einen tiefgreifenden Wandel. Die Führung zeigt, wie aus einem Ort der Kriegswirtschaft ein Bestandteil der industriellen Entwicklung der Region wurde. Der historische Bunker wird so zum Ausgangspunkt für eine Zeitreise durch mehr als acht Jahrzehnte – und macht sichtbar, wie eng Baugeschichte, Krieg, Neubeginn und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbunden sind.
