Chemnitz macht Leerstand zur Bühne

Foto: Kora27/CC BY-SA 4.0
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Chemnitz. Leerstehende Gebäude sind für viele Städte ein Problem: Sie prägen das Stadtbild, stehen für ungenutztes Potenzial und warten oft jahrelang auf eine neue Perspektive. In Chemnitz soll nun ausgerechnet Kunst zeigen, wie mit solchen Immobilien anders umgegangen werden kann. Das Lichtkunstfestival „Light Our Vision“ nimmt sich in diesem Jahr gezielt des Themas Leerstand an. Im Mittelpunkt steht das ehemalige Hotel Congress im Herzen von Chemnitz. Der fast 100 Meter hohe DDR-Bau steht seit Anfang 2026 leer. Während die Immobilie auf eine neue Nutzung wartet, soll ihre markante Fassade im September zur Projektionsfläche für interaktive Lichtkunst werden.

Besucher sollen die Installation teilweise selbst steuern können. Dabei werden Motive aus bekannten Computerspielen auf das Gebäude projiziert. Aus einem leerstehenden Bauwerk wird damit zumindest vorübergehend ein zentraler Anziehungspunkt der Innenstadt.

Leerstand als städtebauliche Herausforderung

Hinter der spektakulären Inszenierung steckt allerdings eine ernsthafte Botschaft. Der Verein Baukultur für Chemnitz, der das Festival gemeinsam mit der kommunalen Veranstaltungsagentur C3 organisiert, will die Diskussion über die Zukunft leerstehender Gebäude anstoßen. Dabei geht es nicht ausschließlich um Chemnitz oder Ostdeutschland. Leerstände beschäftigen zahlreiche Städte und Gemeinden. Das Festival möchte deshalb auch erfolgreiche Beispiele für neue Nutzungen vorstellen und Eigentümer stärker in die Verantwortung nehmen.

Lichtkunst soll Diskussion auslösen

„Light Our Vision“ versteht sich damit nicht als reines Kulturereignis. Die Veranstalter wollen mit den Installationen bewusst auf Orte aufmerksam machen, die im Alltag häufig als problematisch oder ungenutzt wahrgenommen werden. Neben dem ehemaligen Hotel Congress werden weitere markante Bereiche der Chemnitzer Innenstadt bespielt. Unter anderem ist ein Lichterlabyrinth auf dem Jakobikirchplatz geplant. Auf dem Düsseldorfer Platz soll eine Lasershow stattfinden. Das Festival findet vom 17. bis 19. September 2026 statt.

Festival mit großer Reichweite

„Light Our Vision“ wurde 2023 als private Initiative gegründet und hat sich inzwischen zu einer größeren Veranstaltung entwickelt. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Veranstalter rund 86.000 Besucher. In den vergangenen Jahren wurden unter anderem das Karl-Marx-Monument, das Opernhaus und der Hauptbahnhof in die Lichtkunst einbezogen. Für Chemnitz bietet das Festival damit eine ungewöhnliche Möglichkeit, über die Zukunft der Innenstadt zu sprechen. Statt leerstehende Gebäude lediglich als Problem darzustellen, werden sie temporär zu Orten für Kunst, Begegnung und öffentliche Diskussion.

Vom Leerstand zur neuen Perspektive

Ob aus einer Lichtprojektion tatsächlich eine dauerhafte neue Nutzung entsteht, bleibt offen. Genau diesen Prozess will das Festival jedoch anstoßen. Die Botschaft lautet: Leerstand muss nicht zwangsläufig das Ende einer Immobilie bedeuten. Mit kreativen Konzepten können Gebäude wieder Aufmerksamkeit erhalten und neue Ideen für ihre Zukunft entstehen. Für Chemnitz ist das auch über das Festival hinaus interessant. Die Stadt will die Verbindung von Kultur und Stadtentwicklung künftig weiter stärken. Mit der geplanten „Unseen Biennale“ soll bereits im kommenden Jahr ein weiteres Projekt an die Impulse des Kulturhauptstadtjahres 2025 anknüpfen.

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