Wie ein alter Bunker Sportkletterer anzieht

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Barnim. Tief im dichten Wald zwischen Lanke und Lobetal im brandenburgischen Barnim verbergen sich eindrucksvolle Zeugnisse der Geschichte – Überreste eines ehemaligen Marinebunkers, der heute eine ungewöhnliche zweite Nutzung erfahren hat: Er ist zu einem beliebten Kletterspot geworden. Die Ruinen sind unter den Namen „Spaltenbunker“ und „Kletterbunker“ bekannt, in der Kletterszene spricht man auch vom Bunker „Koralle“, benannt nach dem einstigen Marine-Stützpunkt „Lager Koralle“ aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Vom Militärgeheimnis zum Kletterparadies

Der Bunkerkomplex entstand ursprünglich ab 1935. Geplant war zunächst eine Marinesportschule mit Schwimmbecken, doch durch die Kriegswirren wurde das Vorhaben nie vollendet. Stattdessen nahm die Anlage 1943 ihre Funktion als zentrale Marine-Funkleitstelle für U-Boot-Operationen auf. Der Kommandobunker war unter einem Landhaus verborgen, der Luftschutzbunker ragte imposant aus dem Waldboden.

Nach Kriegsende wurde die Anlage durch die sowjetischen Streitkräfte gesprengt – jedoch nicht mit professioneller Technik, sondern durch das Anhäufen und Zünden verschiedenster Munitionsarten. Diese improvisierte Sprengung zerstörte große Teile oberirdisch, ließ jedoch viele unterirdische Strukturen erstaunlich intakt. So wurde das Gelände in der DDR-Zeit als Munitionslager weitergenutzt. Heute ist der Zugang zur Bunkeranlage unterirdisch gesperrt.

Der Beginn des Klettersports in den Trümmern

Erste Kletteraktivitäten an den Ruinen gehen laut dem Autor Wolf-Dieter Holz bereits auf die 1980er-Jahre zurück – damals noch mit sehr einfachen Sicherungsmethoden. Einen echten Schub erlebte das Klettern am „Koralle“-Bunker jedoch nach der Wende, als Thomas Meier, ein Ausbilder des Deutschen Alpenvereins, den Spaltenbunker zufällig entdeckte. Die markanten Risse in den Deckenplatten eigneten sich ideal für Bergungstrainings zur Vorbereitung auf Hochtouren.

Die Bedingungen waren damals noch weit von heutigen Standards entfernt. Kletterer nutzten Klemmkeile und Schlingen zur mobilen Absicherung – eine gefährliche Praxis, bei der Stürze auf scharfe Eisenträger möglich waren. Die sogenannte Drei-Punkt-Regel – bei der stets drei Gliedmaßen Kontakt zur Wand halten – wurde daher strikt eingehalten. Dennoch kam es laut Gerald Krug, Autor eines regionalen Kletterführers, zu keinen tödlichen Unfällen.

Ein Ort in ständiger Entwicklung

Heute ist der Bunker ein fester Bestandteil der Kletterszene in Berlin-Brandenburg. Trotz seiner wilden Ursprünge hat sich hier eine Vielzahl an Kletterrouten etabliert, von Anfängern bis zu Profis. Einige der Routen sind durch gezielte Eingriffe entstanden – Bohrlöcher wurden gesetzt, um zusätzliche Griffe zu schaffen. Doch nicht alles läuft perfekt: Bei älteren Routen sind einige Griffe so tief gebohrt, dass sie sich bei Regen mit Wasser füllen.

Im Gegensatz zu künstlich errichteten Kletteranlagen in der Region wird der Bunker „Koralle“ nicht vom Deutschen Alpenverein gepflegt. Stattdessen kümmern sich engagierte Kletterer eigenverantwortlich um die Instandhaltung, Müllentsorgung und Absprachen mit dem Eigentümer. Der Ort lebt von der Gemeinschaft – regelmäßig entstehen neue Routen, die in die aktuellen Auflagen des Kletterführers aufgenommen werden.

Ein Denkmal aus Beton und Leidenschaft

Der Bunker „Koralle“ ist heute nicht nur ein Relikt deutscher Militärgeschichte, sondern auch ein Symbol für die Wandlung eines Ortes durch zivile Nutzung. Was einst dem Krieg diente, ist heute ein Ort für Sport, Gemeinschaft und Abenteuer. Eingebettet in die stille Natur der Bernauer Heide bleibt der Bunker ein Geheimtipp für Geschichtsinteressierte und Kletterbegeisterte gleichermaßen.

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