Öltanklager des Muskatorwerks wird saniert

Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Kral
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Kral

Riesa. Das ehemalige Muskatorwerk in Riesa erhält Unterstützung für die Sanierung eines weiteren wichtigen Gebäudeteils. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 50.000 Euro für die Instandsetzung des historischen Öltanklagers bereit. Damit soll ein markantes Zeugnis der Riesaer Industriegeschichte vor weiterem Verfall bewahrt werden. Vorgesehen sind unter anderem Arbeiten am Beton, an der Dachentwässerung und den Lüftungsschächten. Auch historische Metallbauteile sowie die Fensterfront sollen denkmalgerecht aufgearbeitet werden. Die historische Beleuchtung wird restauriert und zugleich mit moderner LED-Technik ausgestattet.

Ein Lost Place bekommt eine neue Perspektive

Das ehemalige Muskator-Areal lag nach dem Ende der industriellen Nutzung lange brach. Erst 2024 begann sich die Situation zu verändern. Ein örtlicher Verein nahm sich des Geländes an und brachte insbesondere im ehemaligen Heizhaus wieder Leben in die verlassene Industrieanlage. Kunstausstellungen und Veranstaltungen machten aus der Brache einen neuen kulturellen Ort. Die Entwicklung zeigt, dass auch scheinbar abgeschriebene Industrieanlagen eine zweite Chance bekommen können. Aus dem verlassenen Produktionsstandort wird Schritt für Schritt ein Ort, an dem Industriekultur, Kunst und öffentliche Nutzung zusammenkommen.

Ein Stück DDR-Industriegeschichte

Die Geschichte des Areals reicht deutlich weiter zurück als die Zeit unter dem Namen Muskator. Seine Wurzeln liegen in der Hübler-Mühle, deren Ursprünge bis ins späte 19. Jahrhundert reichen. In der DDR wurde der Standort zu einem bedeutenden Betrieb der Lebens- und Futtermittelindustrie ausgebaut. Zwischen 1966 und 1969 entstand auf Grundlage eines Ministerratsbeschlusses ein leistungsfähiges Kraftfuttermischwerk. Dazu gehörten unter anderem ein gewaltiger Getreidesilokomplex mit einer Kapazität von 40.000 Tonnen und der weithin sichtbare Maschinenturm. Die Lage an Schiene, Straße und Binnenschifffahrt machte das Werk zu einem wichtigen Industriestandort und Versorgungsbetrieb für die Landwirtschaft.

Das „Schmetterlingshaus“ als architektonisches Highlight

Zum denkmalgeschützten Ensemble gehören neben den historischen Mühlengebäuden und dem Silo auch das Öllager und das dazugehörige Ölheizhaus. Besonders auffällig ist dessen sogenannte Schmetterlingshalle. Namensgebend sind die charakteristischen, nach oben geknickten Wellblechdächer. Die funktionale Industriearchitektur aus Stahlbeton besitzt eine für die Entstehungszeit bemerkenswerte gestalterische Qualität. Eine große verglaste Halle prägt das Heizhaus. Auch die auf dem Öltanklager befindliche Verladerampe greift mit ihrem Schmetterlingsdach die Gestaltung des Heizhauses auf. Die einzelnen Bauwerke bilden dadurch ein ungewöhnlich geschlossenes Ensemble.

Nach 2013 begann der lange Leerstand

Nach der Wiedervereinigung wurde das Werk noch viele Jahre weiterbetrieben. Der Düsseldorfer Futtermittelhersteller Muskator nutzte den Standort bis 2013. Nach der Insolvenz des Unternehmens begann für das Areal eine jahrelange Phase des Leerstands. Was einst ein leistungsfähiger Industriebetrieb war, entwickelte sich zur Brache. Gebäude und technische Anlagen waren zunehmend vom Verfall bedroht. Dass das Areal heute wieder Aufmerksamkeit erhält, ist deshalb auch ein Erfolg für den Denkmalschutz.

50.000 Euro gegen den weiteren Verfall

Die Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz soll nun dazu beitragen, wichtige Teile der historischen Substanz zu sichern. Möglich wird die Unterstützung durch private Spenden, Mittel einer Treuhandstiftung sowie Erträge der Lotterie GlücksSpirale. Die 50.000 Euro lösen allerdings nicht alle Probleme des weitläufigen Industrieensembles. Sie sind vielmehr ein weiterer Baustein in einem langfristigen Erhaltungsprozess. Gerade bei großen Industriebrachen ist das entscheidend: Wird notwendige Instandhaltung zu lange aufgeschoben, können aus überschaubaren Schäden schnell massive und kostspielige Sanierungsprobleme werden.

Industriekultur statt Abriss

Das Beispiel Riesa zeigt eindrucksvoll, welchen Wert ehemalige Industrieanlagen für eine Stadt besitzen können. Das Muskatorwerk dokumentiert nicht nur die Geschichte der Futtermittelproduktion, sondern auch die industrielle Entwicklung Riesa und die Architektur der DDR-Moderne. Mit der Förderung des Öltanklagers wird deshalb nicht einfach ein altes Gebäude repariert. Es wird ein Teil der industriellen Identität der Stadt bewahrt. Noch ist der Weg zur vollständigen Sicherung des ehemaligen Muskatorwerks lang. Doch die Entwicklung der vergangenen Jahre macht Hoffnung: Aus einer verlassenen Industriebrache entsteht nach und nach wieder ein Ort, an dem Geschichte sichtbar und erlebbar bleibt.

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