Wankelgebäude in Lindau steht zum Verkauf

Foto: Rainer J. Wagner (Widewitt)/CC BY-SA 3.0
Foto: Rainer J. Wagner (Widewitt)/CC BY-SA 3.0

Lindau. Unerwartete Wende im Lindauer Wäsen: Die Obrist Gruppe trennt sich möglicherweise von einem ihrer prestigeträchtigsten Standorte. Die „Technische Entwicklungsstelle (TES) Lindau“, einst Herzstück zukunftsweisender Mobilitätsforschung, steht für 16 Millionen Euro zum Verkauf. Das teilte das Unternehmen über die beauftragte Maklerfirma Engel & Völkers Commercial Bodensee mit.

Die Immobilie, die als früheres Wankel-Institut eine herausragende Rolle in der Geschichte alternativer Antriebstechnologien spielt, könnte künftig ein neues Kapitel beginnen – als Showroom, Seminarzentrum oder Stiftungssitz. Offen bleibt, ob sie leer oder vermietet übergeben wird.

Vom Wankel-Erbe zur flüssigen Sonnenenergie

Erst 2021 hatte Obrist die Liegenschaft von Volkswagen übernommen und das Gebäude umfassend saniert – mit dem Ziel, dort an der „Mobilität der Zukunft“ zu arbeiten. Das österreichische Unternehmen forscht intensiv an synthetischen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, die fossile Energien durch CO₂-neutrale Alternativen ersetzen sollen.

Gründer Frank Obrist selbst war einst Mitarbeiter von Felix Wankel – dem Erfinder des gleichnamigen Rotationsmotors. Seine Vision lebt in der TES Lindau fort. Oder besser gesagt: lebte. Denn mit dem geplanten Verkauf scheint sich Obrist neu zu orientieren.

Verkauf als strategische Option – kein erster Schritt

Obrist betont, dass der Verkauf des Standorts lediglich eine Reaktion auf ausbleibende politische Klarheit sei. In einer Branche, in der politische Weichenstellung über Erfolg oder Scheitern entscheidet, sorgt die unklare Haltung der Politik zu alternativen Antriebstechnologien für Unsicherheit.

„Wir prüfen derzeit alle Möglichkeiten, unsere Patente und Technologien zur Marktreife zu bringen – dafür brauchen wir Investoren“, erklärt Marketingleiter Thorsten Rixmann. Man wolle sich auf die Kernkompetenzen konzentrieren, um Ressourcen besser zu bündeln. Der Verkauf sei daher „nur die zweite Option“, falls sich keine Kapitalgeber finden.

Investoren gesucht – oder Schluss mit dem Standort Lindau?

Während Obrist nach Partnern sucht, bleibt die Zukunft der TES Lindau offen. Die 16-Millionen-Euro-Immobilie ist mit ihrer markanten Architektur und technologischen Historie ein attraktives Objekt – nicht nur für Investoren aus der Forschung. Doch sollte kein Geldgeber gefunden werden, droht dem Standort womöglich das endgültige Aus.

Ob sich das Blatt wendet, hängt nun auch von der Offenheit der Politik für alternative Technologien ab – jenseits des batterieelektrischen Fahrens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert