Niesky. Der traditionsreiche Waggonbau-Standort Niesky bekommt eine neue Chance. Nachdem bereits im September des Vorjahres der Verkauf der insolventen Industrieanlage bekannt geworden war, wurde nun erstmals der Name des Käufers öffentlich gemacht. Beim Neujahrsempfang der Stadt Niesky bestätigten Landrat Stephan Meyer und Oberbürgermeisterin Kathrin Uhlemann, dass der Unternehmer Tino Frindt den Waggonbau übernommen hat. In Politik und Region sind die Erwartungen groß: Der Neustart soll Arbeitsplätze sichern und dem lange gebeutelten Standort neues industrielles Leben einhauchen.
Bislang war der Name des Investors unter Verschluss geblieben. Stadt und Käufer hatten sich auf Diskretion verständigt, um den Verkaufsprozess nicht zu gefährden. Nun wurde das Schweigen gebrochen. Tino Frindt ist laut Oberbürgermeisterin Uhlemann Geschäftsführer mehrerer regionaler Unternehmen und stammt aus dem Landkreis Görlitz – ein Umstand, der bei den politischen Verantwortungsträgern besonders gut ankommt.
„Endlich kein Spekulationsobjekt mehr“
Frindt selbst war beim Neujahrsempfang im Bürgerhaus nicht anwesend, ließ jedoch „herzliche Grüße“ an die Gäste übermitteln. Landrat Meyer zeigte sich erleichtert über den Eigentümerwechsel: „Ich bin froh, dass Herr Frindt aus dem Landkreis Görlitz sagt, er macht weiter.“ In den vergangenen Jahren sei der Standort zunehmend zu einem Spekulationsobjekt geworden, ohne echte Perspektive für Beschäftigte und Region.
Ein Blick in die öffentlich zugängliche Firmendatenbank North Data zeigt, dass Frindt unter anderem Geschäftsführer der Gebrüder Frindt GmbH in Beiersdorf, der Frindt Verwaltungs GmbH in Steinigtwolmsdorf sowie der Amboss Metallteile GmbH ist, die ihren Sitz erst kürzlich verlegt hat. Branchenkenntnis und regionale Verwurzelung gelten daher als wichtige Pluspunkte für den Neustart.
Insolvenz nach langer Durststrecke
Der Waggonbau Niesky hatte im Mai 2023 Insolvenz angemeldet. Zuletzt arbeiteten dort noch rund 200 Beschäftigte, produziert wurden Güterwaggons. Eigentümer war bis dahin der slowakische Hersteller Tatravagónka, der den Standort 2018 übernommen hatte. Trotz Sanierungsversuchen und des Einsatzes der Belegschaft wurde der Betrieb schließlich eingestellt – ein harter Schlag für die Region.
Mit dem Eigentümerwechsel verbindet sich nun die Hoffnung auf einen echten Neuanfang. Konkrete Details ließ die Politik allerdings noch offen. Weder zum Zeitpunkt eines möglichen Produktionsstarts noch zu den geplanten Produkten wurden Angaben gemacht.
Denkmalschutz, Altlasten, Genehmigungen
Klar ist: Der Neustart wird kein Selbstläufer. Teile des weitläufigen Areals stehen unter Denkmalschutz, zudem könnten Altlasten aus der jahrzehntelangen industriellen Nutzung eine Rolle spielen. Auch umfangreiche Genehmigungsverfahren sind zu erwarten. Der Landkreis wolle hier jedoch unterstützen, versprach Landrat Meyer. Ziel sei es, Prozesse so zu begleiten, „dass schnell alles funktioniert“.
Wann genau wieder gearbeitet wird und wie viele Arbeitsplätze entstehen können, bleibt offen. Doch allein die Tatsache, dass ein regionaler Unternehmer Verantwortung für den Standort übernimmt, wird in Niesky als wichtiges Signal gewertet – nach Jahren der Unsicherheit keimt erstmals wieder vorsichtiger Optimismus.
