Aue-Bad Schlema. In Aue-Bad Schlema wird derzeit buchstäblich an der Vergangenheit gearbeitet. Unter der Stadt befindet sich ein gewaltiges Relikt des Uranbergbaus, dessen genaue Beschaffenheit teilweise bis heute unbekannt ist. Der Schacht 14b wird nachverwahrt – und weil niemand genau weiß, was sich in seinem Inneren befindet, muss die Wismut bei den Sicherungsarbeiten immer wieder umplanen. Inzwischen ist die erste große Etappe abgeschlossen: Rund 1000 Kubikmeter Beton wurden in einen Hohlraum innerhalb der ehemaligen Schachtröhre eingebracht. Doch damit ist die Arbeit noch längst nicht beendet. Weitere Hohlräume müssen untersucht, verfüllt und teilweise mit Zement stabilisiert werden.
Ein Schacht aus der Zeit des Uranbergbaus
Der Schacht 14b liegt im Bereich von Aue-Bad Schlema und damit in einer Region, deren Geschichte untrennbar mit dem Uranbergbau der Wismut verbunden ist. Über Jahrzehnte wurde im Erzgebirge Uran für das sowjetische Atomprogramm gewonnen. Unter Tage entstand dabei ein riesiges Netz aus Schächten, Strecken, Stollen und Abbauhohlräumen.
Mit dem Ende des Uranbergbaus verschwand diese unterirdische Welt jedoch nicht einfach. Die Hinterlassenschaften müssen dauerhaft gesichert werden. Schächte werden verfüllt, Grubenbaue verwahrt, Halden saniert und Wasserströme kontrolliert. Der Schacht 14b ist ein Beispiel dafür, wie schwierig diese Aufgabe noch Jahrzehnte nach dem Ende des Bergbaus sein kann.
Niemand wusste genau, was unter der Erde wartet
Die aktuellen Arbeiten zeigen ein grundsätzliches Problem bei der Sanierung alter Bergwerke: Die vorhandenen Unterlagen erzählen nicht immer die ganze Geschichte. Fachleute der Wismut erkundeten den Bereich unterhalb der Markus-Semmler-Sohle zunächst mit Bohrungen von der Oberfläche aus. Dabei stießen sie auf kleinere Hohlräume, Lockermassen und große, miteinander verbundene Betonelemente. Die tatsächlichen Verhältnisse entsprachen damit nicht den ursprünglichen Planungen. Eine zunächst vorgesehene Füllortplombe konnte deshalb nicht wie geplant errichtet werden. Die Konsequenz: Die Wismut musste das gesamte Sicherungskonzept ändern.
Ein riesiger Hohlraum musste verfüllt werden
Weitere Bohrungen brachten schließlich eine bemerkenswerte Erkenntnis. Zwischen den Höhen von 317 und 282 Metern über Normalnull war die Schachtröhre vollständig leer. Der dadurch vorhandene Hohlraum wurde inzwischen mit rund 1000 Kubikmetern Beton verfüllt. Das entspricht ungefähr dem Volumen von mehr als 100 durchschnittlichen Betonmischfahrzeugen. Der Beton wird dabei nicht einfach in einen offenen Schacht gekippt. Die Arbeiten erfolgen kontrolliert über Bohrungen und eine eigens eingerichtete Betonageleitung. Aufnahmen der Wismut zeigen unter anderem einen Bohrplatz am Rand der Hammerberghalde sowie eine mobile Brücke über den Schlemabach, über die die Betonleitung geführt wird.
Weitere Hohlräume sind noch nicht verschwunden
Die 1000 Kubikmeter markieren deshalb nur die erste große Etappe. Aktuell werden die kleineren Hohlräume zwischen der Markus-Semmler-Sohle und dem Bereich bei 317 Metern verfüllt. Danach soll auch der Zugang zum Füllort des Schachts auf der Markus-Semmler-Sohle mit Beton gesichert werden. Dafür errichteten die Bergleute zunächst einen Mauerdamm. Anschließend wird weiter betoniert. Doch auch danach ist die Geschichte nicht abgeschlossen. Die Lockermassen oberhalb der Markus-Semmler-Sohle sollen durch zusätzliche Bohrungen untersucht werden. Wo es notwendig ist, sollen diese Bereiche anschließend mit Zement verfestigt werden.
Unter der Stadt bleibt die Vergangenheit ein Unsicherheitsfaktor
Der Schacht 14b zeigt eindrucksvoll, warum die Sanierung der ehemaligen Wismut-Gebiete eine Aufgabe über Generationen hinweg ist. Oberirdisch sind viele Spuren des Uranbergbaus inzwischen verschwunden oder in eine neue Landschaft integriert. Halden wurden saniert, ehemalige Betriebsflächen umgestaltet und manche Bergbaustandorte touristisch neu interpretiert. Unter der Erde sieht es anders aus.
Dort befinden sich weiterhin alte Grubenbaue, Schächte und Hohlräume. Manche sind dokumentiert, andere nur unvollständig bekannt. Lockermassen können sich bewegen, Hohlräume können sich verändern und alte Sicherungen können ihre Funktion verlieren. Die Nachverwahrung ist deshalb kein symbolischer Schlussstrich unter die Bergbaugeschichte. Sie ist eine dauerhafte technische Aufgabe.
Aue-Bad Schlema lebt auf einer sanierten Bergbaulandschaft
Besonders bemerkenswert ist die Lage des aktuellen Bauvorhabens. Der Bohrplatz befindet sich nach Angaben der Wismut an der Böschung der Hammerberghalde am Rand des Kurparks. Das macht deutlich, wie eng die Vergangenheit und Gegenwart in Aue-Bad Schlema miteinander verbunden sind. Wo heute Kurpark, Wohngebiete und touristische Einrichtungen das Bild prägen, wurde einst intensiv Bergbau betrieben. Die Landschaft, die Besucher heute sehen, ist damit zu einem erheblichen Teil Ergebnis jahrzehntelanger Sanierungsarbeiten. Der Bergbau ist verschwunden – seine Hinterlassenschaften sind es nicht.
1000 Kubikmeter Beton als Sicherheitsmaßnahme
Die gewaltige Menge Beton, die nun unter dem Gelände verschwindet, ist deshalb weniger spektakulär als die historischen Geschichten über den Uranbergbau, aber mindestens genauso wichtig. Jeder verfüllte Hohlraum reduziert langfristig das Risiko, dass sich unterirdische Strukturen verändern oder instabil werden. Die Arbeiten sollen den Schacht dauerhaft sichern und verhindern, dass unkontrollierte Hohlräume zu einem späteren Problem werden. Dass die Wismut dabei auf unerwartete Strukturen trifft, zeigt zugleich, wie viel Detailarbeit noch immer erforderlich ist.
Der Bergbau endet erst, wenn die letzten Hohlräume verschwunden sind
Der Schacht 14b ist ein weiteres Beispiel dafür, dass das Ende des Uranbergbaus nicht mit der Einstellung der Förderung gekommen ist. Die eigentliche Nachgeschichte reicht weit darüber hinaus. Noch heute müssen Fachleute Schächte untersuchen, Hohlräume aufspüren und Grubenbereiche sichern. Und manchmal zeigt sich erst bei der Sanierung, dass die Wirklichkeit unter Tage komplizierter ist als die alten Pläne. 1000 Kubikmeter Beton sind deshalb nicht nur eine Zahl. Sie stehen für eine Bergbaugeschichte, die unter Aue-Bad Schlema noch immer weitergeht – Meter für Meter, Bohrung für Bohrung und Hohlraum für Hohlraum.
